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Watergate Serie "Gaslit" Wer den Watergate-Skandal wirklich aufdeckte - die Rache der Martha Mitchell

Die neue Serie "Gaslit" rückt endlich die Frau ins Licht, ohne die der Watergate-Skandal niemals aufgedeckt worden wäre. Die heimliche Whistleblowerin Martha Mitchell war die Ehefrau des US-Justizministers. Und sie fühlte sich mehr ihrem Gewissen verpflichtet – als ihrem Ehemann. Die Anerkennung für ihre gefährliche Arbeit aber erhielt sie nie.

Von: Ella Tiemann

Stand: 17.06.2022

Szene aus dem Film "Gaslit" | Bild: picture alliance / Everett Collection | ©Starz! Movie Channel/Courtesy Everett Collection

Am 17. Juni 1972 begann mit dem Einbruch in das US-demokratische Wahlkampf-Hauptquartier die Watergate-Affäre. Filmisch wurde über den größten Polit-Skandal der US-amerikanischen Geschichte eigentlich schon alles erzählt. Im Film "Die Unbestechlichen" geht es um die Recherchen der beiden Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward, mit Dustin Hoffman und Robert Redford in den Hauptrollen. Später gab es dann den Film "Nixon", der die politische Karriere des ehemaligen US-Präsidenten nacherzählt. Und Steven Spielberg machte mit "Die Verlegerin" einen Film über die Frau hinter der Washington Post, in der die Watergate-Recherchen veröffentlicht werden. Doch Überraschung: Es war alles ganz anders.

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Gaslit | Official Trailer | STARZ | Bild: STARZ (via YouTube)

Gaslit | Official Trailer | STARZ

Wer war Martha Mitchell?

Dieses Jahr ist eine Serie erschienen, die einen völlig neuen Blick auf den Skandal wirft. "Gaslit" heißt sie, und ist mit Julia Roberts, Sean Penn und Dan Stevens hochkarätig besetzt. Die Frau, um die es in der Serie "Gaslit" geht, ist Martha Mitchell. Die Gattin des von Richard Nixon ernannten Justiz-Ministers John Mitchell, der für seine Rolle im Watergate-Skandal wegen Verschwörung, Behinderung der Justiz, sowie Meineides zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Gespielt wird sie von niemand geringerem als Julia Roberts.

Martha Mitchell war in den 1960er und 70er Jahren eine öffentlich bekannte Frau. Nach der Aufregung um Watergate verschwand sie aber in der Versenkung. Zu Unrecht. Denn obwohl sich bis heute der Mythos hält, der Watergate-Skandal sei von den beiden Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein aufgedeckt worden, war es die Ex-Ministergattin, die ihren Mann ans Messer lieferte. Mit "Gaslit" widmet sich nun endlich eine Serie der wohl unbekanntesten Whistleblowerin der amerikanischen Geschichte.

Die heimliche, tragische Heldin

Was Martha Mitchell preisgibt: Kriminelle aus dem Umfeld der Geheimdienste werden angeheuert, um den Demokraten im Wahlkampf 1972 Schmutz anzuhängen. Diese verüben Einbrüche im "Watergate-Gebäudekomplex" in Washington, finden nichts, starten einen zweiten Versuch und werden dabei ertappt. Nixon gewinnt die Wahl trotzdem, aber dass er die Aktion in Auftrag gegeben hat und deren rechtliche Aufarbeitung konsequent zu verhindern versucht, wird ihn später noch einholen. Als erster und bisher einziger Präsident der USA muss er von seinem Amt zurücktreten.

Basierend auf dem Podcast "Slow Burn" von Leon Nayfak erzählen die Serienmacher Matt Ross und Robbie Pickering von Leuten aus der zweiten Reihe, die bis jetzt übersehen worden sind. Allen voran die von Julia Roberts grandios gespielte, schillernde Martha Mitchell, die zu allem eine Meinung, aber auch immer einen im Tee hat. Als Allererste hat sie den Mut, über die Machenschaften ihres Ehemanns zu sprechen, weshalb die Regierung sie mundtot machen will. Ihr Mann, John Mitchell, wird gespielt von einem fast nicht erkennbaren Sean Penn, machthörig und korrupt.

Würdigung einer Whistleblowerin

Unfassbar unterhaltsam und kurzweilig verfolgt man in der Miniserie "Gaslit" all die Figuren, die zur Watergate-Zeit ums Oval Office herumtollen und wie sie dabei scheitern. Vom ehemaligen FBI-Agent und Watergate-Einbruch-Chef mit Macho-Schnurrbart bis zum eigentlich gutherzigen, aber geltungsbedürftigen Anwalt im Weißen Haus, der für das ganze Schlamassel am Ende den Kopf hinhalten soll. Immer im Fokus aber: Die Rache der Martha Mitchell, die den Journalisten die Tür in die gemeinsame Wohnung und zu den Dokumenten ihres Ehemanns öffnet.

Die Serie "Gaslit" ist ein wichtiger Beitrag zur historischen Aufarbeitung des Skandals. Und rückt endlich die Frau ins Licht, die ihn erst an die Öffentlichkeit gebracht hat. Anders als Woodward und Bernstein, die den Pulitzerpreis und lebenslangen Ruhm einheimsten, wurde Mitchell von den US-Medien, auch den seriösesten, als hysterische Witzfigur dargestellt. Aber ohne Martha Mitchell, das gab auch Nixon drei Jahre nach seinem Rücktritt zu, "hätte es Watergate nicht gegeben."