Bayern 2 - Zündfunk


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Ace Tee, Haszcara und Co. Wie eine neue Generation Female MCs Deutschrap endlich weiterbringt

Egal ob Untergrund oder vor dem Sprung auf die ganz große Bühne: Weibliches Empowerment ist am Start im Deutschrap. Wir stellen euch deutschsprachige Female MCs mit massig Potenzial für die Zukunft vor.

Von: Alba Wilczek

Stand: 21.12.2020

Die Rapperin Haszcara | Bild: Haszcara

Youtube. Ein Raum voller Leuchtröhren, eine Frau am Mikro und eine Crew Jungs hinter ihr, die zur Musik abgeht. Da. Mehr brauchte es nicht für den Durchstarter-Moment im Deutschrap-2020. Die Frau, die da vor dem Mikro stand, das ist Layla. Durch ihren Auftritt bei den Above-Ground-Sessions auf Youtube hat die Berlinerin Anfang des Jahres prompt eine Menge Aufmerksamkeit bekommen. Verdient. Stabiler Flow, freche Attitüde, n Ticken Arroganz, Gesangstalent und ein Haufen Selbstbewusstsein. Sie ist, was Deutschrap gefehlt hat: Erfrischung. Und sie steht für eine Entwicklung, die über die letzten Jahre dort endlich Form angenommen hat: Female Empowerment.

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ABOVEGROUND SESSION 07 - LAYLA | Bild: ABOVEGROUND (via YouTube)

ABOVEGROUND SESSION 07 - LAYLA

Rap ist nur ein vergrößernder, krasserer Spiegel der Gesellschaft. Dort ist Gleichberechtigung gerade erst angekommen. Der Weg ist noch lang. Und der Kampf gegen Sexismus ist immer noch real. In den deutschen Charts finden sich auch heute noch frauenverachtende Texte und wahnsinnig männliche Rapper, die sie zum Besten geben. Aber wir finden auch mehr Frauen als je zuvor. Die Türen stehen der weiblichen Riege viel offener als früher. Endlich. Die Female Rap-Stars von heute - sie sind auf Magazin- oder Zeitungscovern zu sehen. Sie sahnen Millionen an Klicks ab und sie stehen mit beiden Beinen fest in den Charts. Die Zeit ist also verdammt nochmal reif für einen Blick auf diese Frauen. Die Female MCs der neuen Generation.

Was haben sie zu sagen?

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Ace Tee - HUNNIES | Bild: AceTeeVEVO (via YouTube)

Ace Tee - HUNNIES

So eine Veränderung kommt natürlich nicht von selbst, sondern von den Bemühungen vieler Journalist*innen und Künstler*innen. Jahrelang haben sie Aufklärungsarbeit geleistet. Sie haben Texte geschrieben und sich auf Panels und Diskussionen verausgabt. Menschen wie Salwa Houmsi, Miriam Davoudvandi, das Hoemies-Duo und viele weitere Kolleg*innen im Rap-Journalismus. Sie haben die Fragen gestellt, die vorher niemand gestellt hat. Mehr und mehr weibliche MCs ballern ihre Tracks endlich einfach raus in die Atmosphäre, trauen sich etwas. Trotzdem gilt nach wie vor: Künstlerinnen im HipHop-Kosmos müssen sich mehr beweisen als Männer. Sie werden anders wahrgenommen und anders kritisiert. Viele Rapperinnen haben genau darauf keinen Bock. Eine davon ist Haszcara.

Rapperinnen müssen sich mehr beweisen als Männer

Haszcara ist eine der technisch versiertesten Künstler*innen im Deutschrap. Gleichzeitig ist sie wandelbar: Turn Up, Emotion, Gesellschaftskritik und Punchlines. Haszcara kann das alles. Sie sagt, dass Feminismus als Trend ganz viel mit dem aufkommenden Boom an Female MCs zu tun hat: "Es ist nicht mehr so ein Unwort. Allgemein öffnet sich die Welt so ein bisschen für Geschlechterthemen. Frauen dringen in alle mögliche Bereiche ein, die vorher männlich dominiert waren und das spürt man natürlich auch in der Musikszene."

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Haszcara - Lauter Rapper (Official Video) | Bild: Audiolith (via YouTube)

Haszcara - Lauter Rapper (Official Video)

Haszcaras Absicht ist klar: Vieles an der heutigen Deutschrap-Attitude ist uncool. Die Rapperin steht für each one teach one. Sie hält die Fahne hoch für MCs die noch zu wenig bis gar nicht sichtbar sind: Frauen, Transfrauen, Transmänner und non-binäre Künstler*innen. Oft spricht Haszcara in ihren Texten über Realness und über Zugehörigkeit. Oft geht es auch um Sexismus. Ein Leidensthema? "Sexismus ist ja nicht abgeschafft. Ich erlebe den immer noch. Selbst wenn Frauen an der spitze sind, wird auch immer noch alles schön durch den Male Gaze betrachtet, also so, dass es ansprechend für Männeraugen ist. Ich will das nicht bewerten, aber es ist ein Fakt, dass wir oft noch Brüste und Arsch und ein Schönheitsideal sehen."

Turn Up, Emotion, Gesellschaftskritik und Punchlines

Trotzdem. Die Debatten der letzten Jahre scheinen zu fruchten. Bald wird hoffentlich selbstverständlich sein, dass Rap kein Geschlecht hat. Dass Künstlerinnen überall ganz selbstverständlich vertreten und sichtbar sind. Dass niemand mehr sagen muss „Ich würd ja gern mehr Frauen hören, aber es gibt halt einfach keine guten“. Nein. The future is female. Und divers. Wirklich.


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