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#failoftheweek Vier Wege wie das Netz Upload-Filter doch noch verhindern könnte

#savetheinternet #niewiedercdu: Das Netz bebte diese Woche. Die EU-Institutionen haben ein neues Urheberrechtsgesetz auf den Weg gebracht, das die Freiheit im Netz bedrohen könnte. Wie kann das Netz es noch zu Fall bringen? Ein Kommentar von Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 15.02.2019

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Das ÄNDERT sich 2019 | Bild: MarmeladenOma (via YouTube)

Das ÄNDERT sich 2019

Das ist Marmeladen-Oma, eine 87-jährige Dame aus Karlsruhe, die eigentlich Helga heißt und im Internet vor allem Märchen vorliest. Auf Youtube hat Marmeladen-Oma fast 200.000 Abonnenten und auch auf Twitch geht Marmeladen-Oma ab wie Schnitzel. Doch Marmeladen-Oma ist in Sorge, denn die EU-Urheberrechtsreform könnte dazu führen, dass Algorithmen, sogenannte Upload-Filter, irgendwann kontrollieren, was Marmeladen-Oma ins Netz laden darf und was nicht.

Auf Twitter antwortet sie auf einen Tweet von Dorothee Bär, der Staatsministerin für Digitales:

"Liebe Frau Bär, mit unserem Märchenkanal haben wir schon über 11 Millionen Menschen erreicht. Es ist abzusehen, dass sich dies mit dem neuen Gesetz ändern würde. Das wäre sehr traurig."

Marmeladen-Oma

Und so geht das seit Jahren, liebe Netzgemeinde, seit Jahren wird das Urheberrecht verschärft und verschärft. Neben den Upload-Filtern soll sogar mit dem Leistungsschutzrecht für Presseverleger das größte Quatschgesetz der letzten Jahre nach Deutschland und Spanien jetzt auch noch den Rest von Europa heimsuchen und selbst Überschriften lizenzpflichtig machen. Eure Forderungen nach einer Fair-Use Klausel oder nach einem Recht auf Remix, werden hingegen von der Politik nur halbherzig in Betracht gezogen – wenn überhaupt.

Deswegen hier vier Vorschläge, damit es in Zukunft anders läuft:

Tipp 1: Sei populistischer!

Vor der Abstimmung im EU-Parlament schlugen sich Bürgerrechtsorganisationen, Netz-Koryphäen wie Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und der Erfinder des World Wide Web Tim Berners Lee auf Eure Seite. Außerdem noch Wirtschaftsverbände, Startups, Wyclef Jean und zahlreiche Akademiker. Das ist schön, aber auch egal, wenn die Content-Lobby Promis wie Paul McCartney und Placido Domingo in den Ring schickt.

Deswegen nochmal zurück zu Marmeladen-Oma: Gegen alternde Musiker helfen nur junggebliebene Youtuberinnen. Warum ist Marmeladen-Oma noch nicht das Gesicht Deiner Kampagne? Warum gibt es keine Marmeladen-Oma-Memes, die Upload-Filter anprangern? Warum muss Marmeladen-Oma eigentlich alles alleine machen?!

Möglicher Slogan: Marmeladen-Oma statt Opern-Opa!

Tipp 2: Sei analoger!

Ja, Glückwusch: Du hast fast fünf Millionen Unterschriften bei einer Online-Petition gesammelt, diese Woche trendete der Hastag #savetheinternet. Nochmal: Das ist schön, aber auch egal. Was zählt ist die Straße, so wie damals, als Du gegen das Acta-Abkommen demonstriert hast. Am 23. März wird es einen Aktionstag geben gegen die EU-Urheberrechtsreform. Wenn Du Pro Internet bist, gehst Du dort hin.

Möglicher Slogan: „Internet, lass das glotzen sein, komm herunter reih Dich ein!“

Tipp 3: Weg mit Google und Facebook!

Für die Urheberrechtsreform sind Unternehmen wie Springer, denen nicht gerade die Herzen zufliegen. Aber zu Deinem Pech sind Google und Facebook, so wie Du auch, dagegen, Unternehmen also, die ungefähr so beliebt sind wie Atomkraftwerksbetreiber, die Tellerminen aus Babyrobben herstellen. Deswegen: Distanzier Dich! Mach noch deutlicher, dass Du nichts dafür kannst, dass große Internet-Konzerne sich durch einen wirklich weirden Zufall der Geschichte dieses eine Mal auf Deine Seite verirrt haben, obwohl sie langfristig vielleicht sogar von der umstrittenen Reform profitieren könnten.

Möglicher Slogan: A, Anti, Anti-googleista!

Tipp 4: Ziehe die Konservativen auf Deine Seite!

Ja, natürlich ist es ärgerlich, dass die Bundesregierung eine Reform unterstützt, die zu Upload-Filtern führen könnte, obwohl sie im Koalitionsvertrag Upload-Filtern eigentlich eine Absage erteilt. Aber ist der gerade schwer angesagte Hastag #niewiedercdu darauf wirklich die richtige Antwort? Besser wäre es doch, konservative Kritiker des Vorhabens, wie etwa Dorothee Bär, zu unterstützen und mal zu schauen, ob ausgerechnet konservative Menschen das Wohl und Wehe des Netzes ein paar Algorithmen überlassen wollen. 

Möglicher Slogan: Für ein Internet, in dem wir gut und gerne leben.


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