Bayern 2 - Zündfunk


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Fusion-Festival trotz Corona "Wir laufen Gefahr, dass wir in der Abnormalität hängen bleiben"

Mobile Labore und getestete Raver. Die Fusion versucht ihr Open Air zu retten – und legt sich dabei strengere Maßnahmen auf, als die UEFA oder Wimbledon. Wir haben mit dem Veranstalter Martin Eulenhaupt darüber gesprochen, warum es bei der Festivalkultur um mehr geht, also um bloßes Feiern.

Von: Franziska Timmer

Stand: 06.07.2021

Fusion betreiber Martin Eulenhaupt | Bild: picture-alliance

Zündfunk: Ihr habt alle erdenklichen Maßnahmen getroffen, damit die Fusion irgendwie stattfinden kann. Das ging sogar so weit, dass Ihr ein Labor gekauft habt im Frühjahr…

Martin Eulenhaupt: Ja, wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass das mit den PCR Tests über Drittanbieter hier auf dem Land nicht funktioniert. Und dass Tests nur realisierbar sind, wenn man auch hier vor Ort ein Labor hat. Wir haben dann ein Containerbasiertes Labor gekauft und haben Molekularbiologen gesucht, die das bedienen können. Und wenn die Menschen dann ankommen, können wir den Abstrich vor Ort machen und direkt bei uns auswerten. Innerhalb von zwei Stunden liegt das Ergebnis dann vor und kann in unser Ticket eingepflegt werden.

Wenn der PCR Test dann also negativ ist, dann können die Gäste aufs Festivalgelände. Und ist es dann so, wie man es gewohnt ist? Alle die da sind, sind eine große Familie?

Wir wissen noch nicht, wie die Befindlichkeiten sind. Ob jemand trotzdem Maske tragen möchte oder nicht. Und wie man den eigenen Brainfuck bewältigt, den man jetzt nach 18 Monaten Corona hat. Wie man dann mit so einer Situation umgeht, die man gar nicht mehr so richtig kennt. Das wird spannend. Aber wir müssen anfangen, Türen zurück in die Normalität zu öffnen. Sonst laufen wir Gefahr, dass wir in der Abnormalität hängenbleiben.

Ihr versucht mit Eurem Konzept, wieder ein Stückchen Normalität herzustellen. Wir haben mit anderen Festivalveranstalterinnen in Bayern gesprochen, die teilweise noch sehr skeptisch sind, ob ihre geplanten Festivals so stattfinden werden. Ihr habt jetzt drei kleine Festivals geplant – sind die in trockenen Tüchern?

Man weiß nicht, was in zwei Wochen ist. Oder in vier Wochen. Wir haben auch gerade zu kämpfen mit der Politik und den Erlassen wie sie jetzt gelten. Wir haben unsere Anträge abgebeben, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Wir haben ein anerkanntes Test- und Hygienekonzept. Und wir gehen davon aus, dass die Politik dem jetzt Rechnung tragen muss. Dass sie dem entgegenkommen, und die Leute auch mal wieder feiern lassen.

Du bist mittlerweile auch schon ein Profi geworden, wenn es darum geht, Konzepte nach zu justieren. Ihr musstet Euch immer wieder was Neues ausdenken. Gab es denn irgendwann mal einen Moment bei Dir, in dem Du Dir gesagt hast, ‘Ich stecke jetzt den Kopf in den Lärzer Sand, ich hab keinen Bock mehr‘?

Man fragt sich schon manchmal, was das eigentlich mit dem zu tun hat, was man eigentlich machen will. Wenn man sich in Bürokratien verhängt, in Verordnungen, in Auflagen. Es ist Teil des Games geworden. Es ist bitter. Es ist nicht so, dass uns systematisch das Leben schwer gemacht wird. Aber durch Corona ist es so, dass der Kultur insgesamt das Leben schwer gemacht wurde, dass die Frage ist: Wie kommen wir da raus? Wie geht es weiter? Es gibt viele Bereiche, wie im Fußball, da gibt es keine Schamfrist. Da wird dem einfach genüge getan. Aber Kultur und Festivals, das ist eben nicht der gemeine Volkswille. Das ist Subkultur, das ist Nische. Da gibt es keine Lobby. Und das wird von der Politik ist seiner Wertigkeit überhaupt nicht wahrgenommen.

Daher muss man da auch mal laut werden. Alarm machen. Und solange keine ernsthafte Gefahr besteht, muss man die jungen Leute auch mal springen lassen. Wann sollen die denn das machen? Überleg mal, du bist 20, Du hast zwei Sommer verschissen, du triffst keine Leute, bist Single geblieben. Soll das jetzt so bleiben? Und das ist halt eine Politik, die dann dazu führt, dass dann am Schluss von dieser Festivalkultur nicht mehr viel da ist.


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