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Zum zwanzigsten Geburtstag Wie D'Angelo mit „Voodoo“ eine ganze Generation von Musiker*innen geprägt hat

Vor genau 20 Jahren erschien ein Album, dass R&B und Soul Musik, aber auch andere Musikrichtungen, maßgeblich geprägt hat. Es handelt sich um die legendäre Platte "Voodoo" des amerikanischen Sängers D'Angelo.

Von: Malcolm Ohanwe

Stand: 29.01.2020

Cover des Albums "Voodoo" von D'Angelo | Bild: EMI

Die Gitarre: geschmeidig. Die Drums: auffällig. Der Gesang: zart gehaucht, hoch gesungen und mit der lasziven Frage: „Wie fühlt es sich an?“. Der Song „Untitled (How Does It Feel)“ macht D’Angelo zu Beginn des Jahrtausends zu einer Ikone der Popkultur. Und auch die anderen Songs auf D’Angelos zweiter Platte „Voodoo“ aus dem Januar 2000 sind ein sinnlich hypnotisierendes Hörerlebnis.

Komplizierte Entstehungsgeschichte

Wir schreiben das Jahr 1998. Der aus Virginia stammende Michael Archer ist unter seinem Künstlernamen D’Angelo bereits landesweit bekannt: als neue Hoffnung des Soul und Sex-Symbol. Denn vier Jahre zuvor kam sein von den Kritiken in den Himmel gelobtes Debüt-Album „Brown Sugar“ auf den Markt.

Questlove im Jahr 2019

Der Druck diesen Erfolg zu wiederholen belastet. Er hat eine Schreibblockade, kommt einfach nicht voran. Außerdem ist er frustriert: Den zu der Zeit erfolgreich club-tauglichen R&B, hält er für „einen Witz“. Die Rede ist von durchchoreographierten, perfekt rasierten, aalglatten, Tänzertypen wie Usher, Ginuwine oder diversen schwarzen Boybands.

Ähnlich ging es seinem zukünftigen Drummer Questlove, dem Drummer der Funk-Hip-Hop-Band “The Roots“. Der lehnt D’Angelos Anfrage, mit ihm auf einer Platte zu arbeiten, erst mal ab, wie er in dem Podcast „Broken Record“ erzählt. Damals hätte er zu viele Vorurteile über die Soul Sänger*innen der 90er Jahre gehabt.

Als sich Questlove später mehr mit D’Angelo und seiner Musik befasst, merkt er, dass die beiden musikalisch tatsächlich mehr auf einer Wellenlänge sind als anfangs vermutet. Es entsteht eine dreijährige Zusammenarbeit.

Origineller Sound mit echten Instrumenten

D’Angelo ist ein organischer Sound extrem wichtig. Anstatt auf Computer-generierter Beats setzt er auf echte Instrumente. Er verzichtet auf eine zu geschliffene Produktion, verwendet analoges Equipment und spielt viele Songs live ein.

Dadurch klingt Voodo eher wie ein Demo-Tape und nicht so glatt und butterig, wie er sagt. Seinen Sound bezeichnet er eher als „Funk n Roll“. Sexy, funkiger und mit mehr Intensität.  Diese Musik-Melange setzte sich von den Trends derzeit ab, war bewusst inspiriert durch ältere Legenden des Souls der 70er.

Voodoo ist eine Messlatte, auch für Indie-Bands und Weiße

Soul Sänger D'Angelo

Entsprechend sprechen viele bei D’Angelos Musik und die seiner Konsorten wie Erykah Badu oder Bilal von sogenanntem „Neo-Soul“, neuem Soul also. Ein Genre, das dutzende Jahre später neben Zitaten durch R&B-Größen wie Beyoncé auf ihrem Song „Rocket“ plötzlich auch bei weißen Hipstern und eher Indie-Rock-affinen Hörenden Begeisterung finden sollte.

Denn es ist mitunter ein weißer Pitchfork-Journalist der dem Album 2012 ein zweites Leben verschaffen sollte.

Klar, Voodoo ist ein Meilenstein, musikalisch sowieso. Aber dass gerade weiße Indie-Bands wie Animal Collective oder Dirty Projectors und deren Fans die Platte abfeiern, ist eigenartig. Denn sie finden sie vor allem „cool“ und „groovy“. Dabei kommt diese Grooviness nicht nur von der Gitarre oder den easy Beats, sondern von den Baumwollfeldern. D’Angelo selbst sagte sogar: „Ich habe das so gesungen wie Feldsklaven, die Baumwolle pflücken.“


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