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„Laut gegen Nazis“ Dieser Chatbot sagt Hitler-Playlists auf Spotify den Kampf an

Rund 400 Playlists mit dem Titel „Hitler“ gibt es auf Spotify. Doch dagegen geht die Plattform selten vor, schon gar nicht, wenn Rechte Songs Reichweite bringen. Und dazu kommt: Solche Songs zu Melden war bis jetzt ein Ding der Unmöglichkeit. Der Chat-Bot H.A.N.S will das ändern.

Von: Ferdinand Meyen

Stand: 18.11.2022

Hans Titelscreen | Bild: Laut gegen Nazis

Ich habe einen neuen Freund. Also zumindest in der digitalen Welt. Er heißt H.A.N.S. – und seit gestern chatte ich mit ihm. Nur das H.A.N.S. kein echter Mensch ist sondern ein Roboter: Der Hateful Audio Notification Service. Auf WhatsApp kann ich mit dem niedlichen, schwarzen Roboter-Gesicht vor grünem Hintergrund chatten. So sieht zumindest sein Profilbild aus.

Gezeigt haben ihn mir Jörn Menge und Nicolas Klein von „Laut gegen Nazis“. Denn: Mit dem Hateful Audio Notification Service, kurz H.A.N.S., kann ich rechte Musik auf Spotify melden. „Wir haben schon gut zweistellige Meldungen von Usern", zählt Jörn Menge die bisherigen Nutzer*innen auf. „Manche sind ein bisschen engagierter, von denen kriegen wir mehrere Meldungen, manche melden quasi nur einen Song, der ihnen auffällt.“

Das Melden ist sehr wichtig, aber auch sehr umständlich

Der Sinn von H.A.N.S ist der Kampf gegen rechte Musik auf der Streaming-Plattform Spotify. „Laut gegen Nazis“ Gründer Jörn Menge erzählt: "Auf Spotify gibt es allein 400 Playlists mit dem Namen 'Hitler'." Die beiden Gründer des Chatbots sehen sich in der Pflicht, dagegen etwas zu tun. Denn wenn nichts getan wird, wächst die Szene weiter. Das war bis jetzt aber schwierig.

Denn nach wie vor ist es sehr, sehr umständlich, diskriminierende oder faschistische Songs bei Spotify zu melden. Ganze 25 Schritte, erklärt Nicolas Klein und Jörn Menge ergänzt: "Wir wollen die Hörerschaft und Leute auffordern, zu melden. Und die Vereinfachung des Meldesystems ist ja hier mit H.A.N.S gelungen."

In drei Schritten zur Meldung

Aber wie funktioniert H.A.N.S. genau? Anstatt 25 braucht es bei dem Chatbot nur drei Schritte:

Schritt 1: Man muss einen „passenden“ Song zum Melden finden. Und das ist leider ziemlich einfach. Ich finde einen auf einer der vielen angesprochenen „Hitler“-Playlists: „Always Mean To Jew“ von Rucka Rucka Ali.

Schritt 2: Die Nummer von H.A.N.S. auf dem Handy speichern. Die bekommt man auf https://h-a-n-s.com/.

Schritt 3: Den Song, den man melden will, muss man jetzt mit seinem neuen H.A.N.S.-Kontakt einfach teilen. Als ob man ihn mit einem Freund teilen würde.

Den Rest übernimmt dann H.A.N.S.. Der schickt einem erst ein paar Fragen, will wissen warum man den Song meldet und ermahnt, dass man ihn nicht zum Spaß benutzen soll. Danach heißt es: „Always Mean To Jew“ von Rucka Rucka Ali ist bei Spotify gemeldet.

"Der Clue an dem Ganzen ist eigentlich, dass wir (..) die Teilen-Funktion genutzt haben, die ja normalerweise dazu da ist, um es mit Kumpel zu teilen. Das nutzen wir jetzt, um es mit H.A.N.S zu teilen. Und der wiederum kann das dann per Tweet und per Mail melden."

- Nicolas Klein

Eine zusätzliche Kontrolle ist trotzdem nötig

Aber hat die Idee nicht auch problematische Seiten? Was ist mit ironischen Songs, die Gewalt, Sexismus als Stilmittel einsetzen, aber eigentlich abschrecken wollen? Tabu-Brüche wie bei Rammstein oder K.I.Z? Laut Jörn Menge ist das bis jetzt noch nicht vorgekommen und es geht ihm um klar rechte Musik. Man müsse sich dem entgegenstellen, denn: „Wir erleben einen höheren Rassismus in der Zivilgesellschaftlichen Szene. Das wissen die wenigsten, es gab wieder ganz, ganz viele Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Und wenn ich weggucken würde, dann wächst der Geist.“

Darüber hinaus kontrollieren Jörn und Nicolas die gemeldeten Songs nochmal. So auch meinen. Später am Abend schickt mir Nicolas eine Sprachnachricht, dass der Künstler hinter dem Lied selbst Jude ist, was aber nicht heißt, dass die Lyrics nicht antisemitisch sein können. Laut ihm sind sie das nämlich tatsächlich und dass der Song absolut meldenswert ist. Er war ja auch nicht ohne Grund in der Hitler-Playlist auf Spotify. Der Streaming-Dienst selbst hat auf meine Anfrage, wieso er nichts gegen solche Songs tut, übrigens nicht reagiert.