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Woke Barbie? Wie Feminismus und Barbie auf YouTube zusammenkommen

Auf ihrem Youtube-Channel zeigt Barbie ihren Alltag und hat Spaß. Neuerdings aber beschäftigt sich Barbie auch mehr und mehr mit den fundamentalen Fragen unserer Gesellschaft: Empowerment, Mental Health, oder Rassismus. Ist Barbie jetzt woke? Oder war sie schon immer fortschrittlicher, als wir dachten?

Von: Alba Wilczek

Stand: 20.10.2020

Barbie auf Youtube | Bild: picture alliance/Everett Collection

Youtube. Die Plattform der unbegrenzten Möglichkeiten. Was hat YouTube alles schon zum Leben erweckt? Justin Biebers Karriere, Charlie das Einhorn und ASMR-Videos. Aber jetzt: Der vielleicht kühnste Streich vom Dr. Frankenstein der Social-Media-Welt: Spielzeug, das auf Influencer macht. Animierte Figuren, die ganz normal mit der Kamera reden. Wie könnte das wohl klingen?

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Power and Empowerment | Barbie Vlogs | Bild: Barbie (via YouTube)

Power and Empowerment | Barbie Vlogs

Ist Barbie jetzt woke?

Das war Barbie. Ja, DIE Barbie, wie sie über "Power und Empowerment" redet. Seit mehr als acht Jahren hat die weltberühmte Puppe schon einen eigenen Youtube-Channel. Darauf zu sehen? Werbung für neue Produkte, klar. Auch Musik-Videos, jede Menge Barbie-Geschichten. Aber vor allem: VLOGs. Wöchentlich führt die animierte Barbie Video-Tagebuch und erzählt oder zeigt Neues aus ihrem Leben als langbeinige, blonde Puppe. Manchmal ist das totaler Müll, wie ein Dance-Off mit Freund Ken. Manchmal sind das aber auch moderne progressive Themen, wie Empowerment, geistige Gesundheit oder Rassismus.

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Barbie and Nikki Discuss Racism | Barbie Vlogs | @Barbie | Bild: Barbie (via YouTube)

Barbie and Nikki Discuss Racism | Barbie Vlogs | @Barbie

Barbie, wie sie mit ihrer schwarzen Barbie-Freundin Nikki über White Privilege spricht. Ich frage mich: Ist das wirklich noch die gleiche Barbie, die ich vor 20 Jahren im rosa VW-Beetle zum shoppen und anschließend zum Reiten gefahren habe? Die, die in meinem Universum ganz lange genau drei Kleideroptionen hatte: Sexy Katze, Prinzessin, oder Verkäuferin mit rosa Mini-Rock. Wow. Was. Zum Teufel. Ist. Passiert?

Barbie will doch nur shoppen. Oder will sie mehr?

Throwback in die Sixties, dem Geburtsjahrzehnt von Barbie. Neben Peace, Love und Man on the Moon stand damals alles im Zeichen der sexuellen Befreiung. Die zweite große Welle der Frauenbewegung ging an den Start. Und Barbie? Die war dort eher Puppa non grata. Seit Anbeginn repräsentiert sie vor allem viel Rosa, viel Klischee und komplett unrealistische Body-Standards. Beste Voraussetzungen also, um von den Suffragetten in zweiter Generation auf großer Linie verachtet zu werden. Klar. Die Frauen damals Ende der 60er wollten sexuell frei sein, sie wollten raus aus der Küche und weg von klassischen Geschlechterrollen allgemein. Sie riefen: Hey! Wir sind nicht gleichberechtigt! Und die Spielzeugindustrie gab ihnen perfekt gestylte Puppen, die nur shoppen gehen, reiten oder als Prinzessinnen in rosa Schlössern abhängen. Aber: Das ist nur die eine Hälfte der Geschichte.

Barbie und die verschiedenen Wellen des Feminismus

Seit ich auf YouTube-Barbie aufmerksam geworden bin, hat sich mein Bild von der Puppe ziemlich verändert. Nen ganz anderen Blick auf die Barbie-History hab ich bekommen. Einen Blick, der merkt: Das hat irgendwie mehr mit Feminismus zu tun, als ich dachte. Man muss auch bedenken: Barbie hatte von Anfang ihr eigenes Geld, meist Auto UND Haus und sie hat im Laufe der Jahre so ziemlich alle Berufe und Sportarten ausprobiert, die man ausprobieren kann. Fußballer-Barbie, Astronauten-Barbie, Arzt-Barbie, Anwalts-Barbie. Bäm. Ok, auffallend oft, hat sie etwas rosanes dabei getragen. Und ok, die Vielfalt an Körpertypen, also Barbies in dick, klein, und dunkelhäutig, die kam echt spät. Die Message aber war trotzdem immer da: Mädels, alles ist möglich. Ihr könnt alles werden und alles haben, was Männer auch haben. Das ist Gleichberechtigung. Ein, wie ich finde, modernes, feministisches Bild.

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Finding Your Voice | Barbie Vlogs | Bild: Barbie (via YouTube)

Finding Your Voice | Barbie Vlogs

Hier ist Barbie in ihrem YouTube-Video zum Weltfrauentag. Der Titel heißt "Finding Your Voice". Denn ihre Stimme, die hat Barbie jetzt. YouTube sei Dank. Und ja, man sollte natürlich immer bedenken: Barbie ist und bleibt eine Marke. Hinter dem Account steckt ein Business, klar. Aber Kapitalismus hin oder her. Man könnte die Marke auch einfach komplett unpolitisch lassen. Aber das passiert nicht. Stattdessen zeigt uns das: Schmink-Tutorials und so weiter sind schon gut. Aber was auch gut ist: Ein Video, in dem Barbie sich fragt, warum Frauen sich eigentlich so oft für alles entschuldigen. Tja. Nagel auf den Kopf. Sorry not sorry, Barbie. Weiter so.


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