Bayern 2 - Zündfunk


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Generator Podcast White Fragility - Warum Weiße Rassismus so leicht übersehen

Rassisten sind Nazis, denken wir. Was aber, wenn in jedem unabhängig von der politischen Gesinnung ein*e Rassist*in steckt? Wenn unsere Gesellschaft auf rassistischen Ideen beruht? Gerade Weiße wehren sich gegen diese Vorstellung. Das Konzept dahinter heißt: white fragility.

Von: Esther Diestelmann und Kokutekeleza Musebeni

Stand: 30.09.2020

Ein Rassist ist böse. Das weiß jedes Kind. Wer einen anderen Menschen einen Rassisten nennt, stellt die moralische Unbedenklichkeit der Person in Frage. Die US-amerikanische Soziologin Robin DiAngelo, Autorin des Buches "Wir müssen über Rassismus reden. Was es bedeutet, in unserer Gesellschaft weiß zu sein“ schreibt dazu:

Autorin Robin J. DiAngelo - ihr Buch ist bei Hoffmann und Campe erschienen

“Es mag zwar als positive Veränderung erscheinen, Rassismus als böse zu brandmarken, aber wir müssen uns ansehen, wie das in der Praxis funktioniert. Mich aufgrund dieses Paradigmas als Rassistin einzustufen, heißt, mir einen moralischen Tiefschlag zu versetzen. Es kommt Rufmord gleich. Nach einem solchen Schlag muss ich meinen Charakter verteidigen und werde meine gesamte Energie darauf verwenden, um den Angriff abzuwehren, statt über mein Verhalten nachzudenken.”

Rassisten sind immer die anderen

Gerade Deutsche verbinden Rassist*innen mit dem Nationalsozialismus. Und genau diese Verbindung erschwert einen erkenntnisfördernden Umgang mit dem Begriff, einen Umgang also, bei dem Weiße nicht sofort auf Abwehr schalten. Die Konsequenz: Praktisch niemand – außer vielleicht Menschen mit einem NPD-Parteibuch – würden sich selbst als rassistisch bezeichnen.

Struktureller Rassismus

Wie kann es also sein, dass Rassismus noch immer existiert, wenn sich praktisch niemand als Rassist*in bezeichnet? Dieser Frage widmet sich DiAngelo in ihrem gut 200-seitigen Bestseller. Die Antwort ist so einfach wie unbequem: Es liegt an uns Weißen. Wir haben das Märchen der „rassischen Ungleichheit“ fabuliert – auch, um unsere kolonialen Eroberungszüge zu rechtfertigen. Und jetzt weigern wir uns, uns kritisch mit den Auswirkungen und Machtgefällen, die durch die Konstruktion des Weißseins entstanden sind, auseinanderzusetzen.

„White Fragility“ – Der blinde Fleck der weißen Mehrheitsgesellschaft

Um sich nicht weiter mit dem Vorwurf rassifizierter Ungleichheit auseinandersetzen zu müssen, haben Weiße nach Ansicht DiAngelos extrem erfolgreiche Abwehrstrategien entwickelt:

„Ich sehe keine Hautfarbe“, „Ich bin nicht von Linken erzogen worden“, “Ich habe im Ausland studiert“, „Ich finde Schwarze viel hübscher als weiße“ – das sind Aussagen, die Weiße gerne treffen, um sich von vermeintlichen Rassist*innen zu unterscheiden. Diese Aussagen dienen quasi als Beweis, dass man mit Rassismus nichts am Hut hat.

Im Zündfunk Generator zeigen Kokutekeleza Musebeni und Esther Diestelmann, warum niemand – ganz unabhängig von seiner eigenen Hautfarbe – frei von Rassismus sein kann. Und wie eine Gesellschaft ihn trotzdem überwinden kann.

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