Bayern 2 - Zündfunk


116

Junge Leute in einem fast vergessenen Land Wer kann, haut ab aus Bosnien und Herzegowina - wer bleibt, der kämpft

Vor rund 25 Jahren war Bosnien und Herzegowina bei uns täglich in den Medien. Nach der Unabhängigkeitserklärung 1992 folgten drei Jahre Krieg zwischen serbischen, kroatischen und bosniakischen Einheiten. Der Frieden von Dayton brachte zwar Waffenruhe, aber das Land leidet bis heute. Vor allem die jungen Leute wollen nur weg. Der Zündfunk war in Zusammenarbeit mit "st_ry. Deine Doku." vor Ort.

Von: Sammy Khamis

Stand: 30.01.2018

Ein Land, das schon beim Namen für Verwirrung sorgt: Bosnien? Bosnien-Herzegowina? Oder Bosnien und Herzegowina? Es geht alles, wobei Bosnien streng genommen nur ein Teil des Landes ist: der in der Mitte. Nach Westen ist es die Herzegowina und im Osten Richtung Serbien die Republika Srpska - das alles in Bosnien und Herzegowina.

Zündfunk-Reporter Sammy Khamis ist in Kooperation mit der Reportagereihe #CoR ("Coming of Rage", eine Produktion von "st_ry. Deine Doku") dorthin gereist mit der Frage: Was ist los bei den jungen Leuten? Die Antwort der meisten: Es ist zu wenig los, um hierzubleiben. Die Arbeitslosigkeit liegt bei etwa 40 Prozent, unter den jüngeren Leuten sogar bei über 50 Prozent. Deswegen sehen viele keinen Weg als den raus aus dem Land: 80.000 junge Menschen sind allein in den Jahren 2015 und 2016 ins Ausland gegangen. Bei einer Gesamteinwohnerzahl von 3,5 Millionen ein echter Braindrain: junge gut ausgebildete Menschen gehen weg, die Bevölkerung wird immer älter.

Eindrücke von der Reportagereise und den Protagonisten gibt es hier in der Bildergalerie. Darunter die fünfteilige Video-Doku.

Gehen oder bleiben? Diese Frage stellt sich fast jeder Bosnier ab 14 Jahren. Sammy Kamis und Krsto Lazarević haben junge Menschen getroffen, die nichts wie raus aus ihrem Land wollen: weil sie etwa in Medizin-Berufen arbeiten und wissen, dass sie in Deutschland sehr gefragt sind.

Sammy und Krsto reisen in die utopisch salafistische Dorfgemeinde Dubnica im Norden Bosniens. Hier suchen sie Antworten auf die Frage, warum sich Menschen zurückziehen und nicht mehr Teil der Gesellschaft sein möchten.

Sammy und Krsto haben junge Männer zwischen Halbkriminalität und Hoffnung begleitet: Der Rapper Sajfer will endlich von seiner Musik leben können. Bis das klappt, muss er aber weiterhin privates Business machen. Munja dagegen, der inoffizielle Bürgermeister von Ilidza, hat früher viel geschlägert, will jetzt aber Jugendlichen helfen, damit sie nicht auf die schiefe Bahn geraten.

"Alles, was du in Bosnien-Herzegowina anfasst ist entweder serbisch, kroatisch oder bosniakisch." Sammy und Krsto treffen in Mostar, der geteilten Stadt, auf Hools, die abseits der Kamera Hass gegen andere Ethnien predigen. Sie besuchen aber auch das Abrašević, ein linkes Kulturzentrum, das den Nationalismus überwinden will.

In der letzten Folge der #CoR-Staffel treffen Sammy und Krsto Menschen, die mit Kunst und Alternativleben das Beste aus ihren tristen Perspektiven machen und Bosnien-Herzegowina verändern wollen.


116