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So viel CO2 wie ganz Deutschland Wegen diesem Deal in Australien stehen Klima-Aktivisten vor den Siemens-Zentralen

Siemens unterstützt den Bau einer Kohle-Mine in Australien, die verheerende Auswirkungen auf das weltweite Klima hätte. Seitdem richtet sich der Klimaprotest in Deutschland mit aller Kraft gegen den Konzern.

Von: Ferdinand Meyen

Stand: 10.01.2020

Fridays for Future-Aktivisten demonstrieren gegen Siemens | Bild: Bing Maps

Donnerstagmorgen, 7 Uhr. Drei Aktivisten – Laura, Judith und Paul vom Antikapitalistischen Klimatreffen München – stehen vor dem Siemens Standort in der St. Martinstraße 76 in München. Dabei haben Sie mehrere Dutzend Flyer, die sie den Siemensmitarbeitern auf dem Weg ins Büro in die Hand drücken. Es geht darum, dass der Konzern Adani in Australien eine der größten Kohleminen der Welt aufbauen will. Siemens liefert die Signaltechnik für die Gleise der 300 Kilometer langen Bahnstrecke, die von der Kohlemine zum Hafen im australischen Abbot führt. Von dort will der Großkonzern Adani die Steinkohle, die in der Mine abgebaut wird, nach Indien und Bangladesch verschiffen. Laura und ihre Freunde wollen die Siemens-Mitarbeiter über diesen, aus ihrer Sicht, skandalösen Deal informieren. Laura sagt, viele Konzerne tun im Inland so, als wären sie umweltbewusst. In Australien oder Kolumbien würden aber weiter umweltzerstörende Projekte unterstützt.

Der Deal zwischen Siemens und Adani erregt aber nicht nur bei Laura und dem Antikapitalistischen Klimatreffen Aufmerksamkeit. Auch andere Umweltschutzbewegungen protestieren bereits gegen die Kohlemine und die Beteiligung des deutschen Konzerns. Ein Aktivist von Extinction Rebellion klebte sich zum Beispiel bereits im Dezember an die Siemens-Zentrale in München – und auch Fridays for Future thematisieren die Kohlemine in Australien auf ihren Demonstrationen.

Das Minen-Projekt könnte jeden Versuch das Klima zu retten unmöglich machen

Nick Heubeck von Fridays for Future erklärt, dass das Projekt die Welt über das 1,5 Gradziel springen lassen könnte: "Dann hätten wir überhaupt keine Chance mehr, die Klimakrise kontrollierbar zu machen, wenn das so von statten geht, wie es gerade geplant ist." Deshalb protestiert der Aktivist aus Bamberg und viele andere vor den Siemens-Zentralen in ganz Deutschland und halten dort Mahnwachen ab, um den Konzern weiter unter Druck zu setzen. Die Faktenlage: Wenn das Adani die Mine an den Start bringt, würden drei Länder bis 2080 an der Steinkohle hängen, 12 Milliarden Liter Trinkwasser pro Jahr verbraucht und jedes Jahr 500 Kohlefrachter zwischen Indien, Bangladesch und Australien hin und her geschickt werden. 

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Klimaprotest: Fridays for Future demonstiert vor Siemens | Rundschau | BR24 | Bild: BR24 (via YouTube)

Klimaprotest: Fridays for Future demonstiert vor Siemens | Rundschau | BR24

Laut Umweltbundesamt wäre dieser CO2 Ausstoß in etwa so hoch wie der der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2018. Aber was sagen die Konzerne? Die indische Firma Adani reagiert sofort auf meine Anfrage bezüglich der hohen Umweltschäden ihres Projektes. Es gäbe bezüglich der Carmichael Kohlemine in Australien sehr viele „Missinformationen“ schreiben sie und schicken mir gleich allerhand Material. Die Minen würden 10.000 neue Jobs für die Bewohner von Queensland schaffen, außerdem sei Adani auch in Bezug auf Umweltschutz engagiert.

Die australische Regierung genehmigt die Mine - trotz der Proteste

Auf der Adani-Webseite ist auch lesen, dass das Carmichael Coal And Rail Project, kurz CRAP, auch von der Umweltbehörde der australischen Regierung genehmigt wurde. Aktivisten und Grüne vor Ort überzeugt das allerdings nicht. Ich telefoniere mit Christian Slatter von der Australian Conservation Foundation. Er sagt: "Die jetzige australische Regierung ist bekannt für ihre schlechte Klimapolitik und für das offene Leugnen des Klimawandels. Die großen Parteien bekommen teils sehr hohe Spenden von der Kohle- und Gasindustrie. Die Distanz zwischen Politikern und den Fossilen Brennstoffkonzernen ist sehr gering."

Über 63 Konzerne hätten der Zusammenarbeit mit Adani bereits entsagt, erzählt mir Christian Slatter. Außerdem sei der Streit über das Steinkohleprojekt aufgrund der immensen Umweltschäden entscheidend für die Zukunft Australiens. Aber was sagt Siemens zu diesen Fakten? Auf Anfrage schickt der Konzern ein Statement und weist genau wie Adani darauf hin, dass die Mine die Genehmigung der australischen Regierungsbehörden erhalten habe. Es gäbe nicht nur den einen richtigen Weg, die Emissionen eines Landes zu verringern. Was Klimaschutz angehe, verfolge Siemens einen deutlich breiteren Ansatz.

Laura, Judith und Paul aus München erzählen, in den vergangenen Monaten hätten sich viele Mitarbeiter großer Konzerne gegen klimaschädliche Maßnahmen ausgesprochen. Sie finden: Wenn die gesamte Belegschaft von Siemens darüber entschieden hätte, ob Siemens und Adani zusammenarbeiten, wäre es wahrscheinlich gar nicht zu diesem Streit gekommen.


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