Bayern 2 - Zündfunk


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Gegen das N-Wort "Diese Petition wird nicht nur von Schwarzen Menschen unterstützt - das geht quer durch die Gesellschaft"

Stell Dich nicht so an. Ist doch nur ein Wort. Oder nicht? Nicht! Die Aktivistin Charlotte Nzimiro hatte genug davon, dass weiße Menschen bestimmen, wie Schwarze Menschen genannt werden. Also startete sie eine Petition. Denn das N-Wort ist eben nicht einfach nur ein Wort.

Von: Aylin Dogan

Stand: 11.01.2021

BLM Aktivistin Charlotte Nzimiro  | Bild: Sara Arrebola

Als Charlotte Nzimiro elf Jahre alt war, hatte sie sich zum ersten Mal so richtig geärgert. Fast schon inflationär wurde das N-Wort verwendet, im Film und im Fernsehen. Wütend schrieb sie Produktionsfirmen an, was das soll. Sie bekam keine Antworten und vermutet, dass der Appell einer 11-jährigen einfach nicht ernst genommen wurde. Aber das Thema ließ Charlotte Nzimiro nicht los. 15 Jahre später startete sie eine Petition gegen das N-Wort.

Zündfunk: Viele Aktivist*innen, die wir interviewen sind mindestens im Teenager-Alter. Du warst damals elf Jahre alt. Gab es einen Schlüsselmoment, bei dem Du gedacht hast – jetzt muss ich aktiv werden?

Charlotte Nzimiro: Ich saß mit meinem Vater im Kinosaal und schaute den Film "Sieben Zwerge allein im Wald", mit Otto Waalkes. Und dann wurde da die Bombe gedroppt. Das N-Wort. Immer wieder. Und die ganzen weißen Leute um uns herum fanden das unfassbar witzig. Und bis heute geht es nicht in meinen Kopf, was an diesem Wort so witzig ist. Wenn man sich mal die Geschichte anschaut, die dahinter steckt. Da steckt ein Völkermord hinter, Sklaverei, Vergewaltigungen, Folter und die grausamsten Dinge, die man sich nur ausmalen kann.

Damals warst Du elf Jahre alt. Aber die Petition kam erst 15 Jahre später. Was war da der finale Auslöser?

Wo es mir endgültig gereicht hat, war, als ich das Wort im News-Ticker gelesen habe. Und ich konnte es einfach nicht fassen. Dass dieses Wort benutzt wird, um Schwarze Menschen zu beschreiben und zu degradieren und zu entmenschlichen. Und das Landesverfassungsgericht sagt nö, ist nicht rassistisch. Und da ist mir halt als erstes Mittel meines Protestes die Petition eingefallen. Ich habe das für mich gemacht, wie damals auch, um das Gefühl zu haben, ich habe eine Stimme. Und dann ist das Ding total explodiert. Meine Erfahrung war ja bis dato eine ganz andere, nämlich dass die Leute mir immer gesagt haben, das Wort sei nicht schlimm. Es hieß, stell dich nicht so an, auf Latein bedeutet das Wort doch nur "Schwarz".

Deine Petition hat bislang über 150.000 Unterschriften sammeln können. Und sie läuft noch, oder?

Ja die Petition läuft noch. Es passiert einiges, aber über vieles kann man halt auch nicht oder noch nicht so sprechen, weil es eben noch nicht in trockenen Tüchern ist. Und es ist natürlich auch nicht so einfach, solche Dinge rechtlich zu formulieren und durchzukriegen. Ja, aber wir arbeiten auf jeden Fall daran, dass wir diesem Ziel ein Stück näherkommen und dieses Wort aus der Sprache verschwindet. Auch wenn man Worte natürlich in dem Sinne nicht verbieten kann. Ich wollte die Petition jetzt auch noch nicht rausnehmen. Es ist wichtig zu sehen, dass diese Petition von so vielen Menschen unterstützt wird – und eben nicht nur von Schwarzen Menschen. Das geht quer durch die deutsche Gesellschaft.


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