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"You can grab 'em by the pussy" Was Porno und Politik miteinander zu tun haben

Die sogenannte Alt Right in den USA nutzt Pornografie als Resonanzraum. Auch wenn Donald Trump Sex mit einem Pornostar hatte, tut das seiner Popularität keinen Abbruch - im Gegenteil. Wie funktioniert die Sexualisierung der Politik durch die Neuen Rechten?

Von: Klaus Walter

Stand: 01.02.2019

Stormy Daniels ist von Journalisten umringt.  | Bild: picture-alliance/dpa

„Du kannst ihre Pussy begrapschen", behauptete Donald Trump schon vor seiner Wahl. Gewählt wird er trotzdem. „White supremacy“ hatte schon immer eine perverse sexuelle Note“, schreibt der afroamerikanische Autor Ta-Nehisi Coates. „Insofern passt es, dass Trumps Aufstieg von Steven Bannon begleitet wurde, einem Mann, der seine männlichen weißen Kritiker als `cucks´ verhöhnt.“

Cucks ist abgeleitet von „Cuckold“, einer altertümlichen Bezeichnung für den „gehörnten Ehemann.“ Im Dictionary ist Cuck ein „Fotzenknecht“. Einer, der Gefallen daran findet, wenn seine Frau vor seinen Augen Sex mit einem anderen Mann hat. Im Porno erfreut sich die Kategorie „Cuckold“ wachsender Beliebtheit und ist „in der Regel rassistisch aufgeladen“, so die Alt Right-Expertin Veronika Kracher: „Eine weiße Frau wird von als triebhaft inszenierten schwarzen Männern penetriert, während der ebenfalls weiße Ehemann dies fasziniert verfolgt.“

Der weiße Mann als verweichlicht

Allerdings boomt auch eine Cuckold Porn-Variante, in der der weiße Ehemann eher beängstigt als fasziniert zuschaut, wie seine weiße Frau von einem BBC penetriert wird. Im durchrassialisierten Porno-Vokabular steht BBC für Big Black Cock. Der in seiner Männlichkeit verunsicherte weiße Cuck wird von der Alt Right politisch aufgeladen, so Veronika Kracher.

„Cuck wird umgangssprachlich verwendet, um einen schwächlichen Mann zu bezeichnen - einen jämmerlichen, verweichlichten, kurzum: effeminierten, unrichtigen Mann. Die Bezeichnung spricht dem so Bezeichneten richtige, eigentliche, starke Männlichkeit ab", sagt Paula-Irene Villa, Soziologie-Professorin in München, Schwerpunkt Gender: „Cucks werden auch `cuckservatives´ genannt und sind in dieser Rhetorik - etwa bei Steve Bannon - zu sehr an einen vermeintlich feministisch-liberalen Mainstream angepasst. Cucks sind demnach nicht konsequent genug bei der kantigen Formulierung und brachialen Durchsetzung ultra-konservativer oder nationalistischer Werte.“

Eine maskuline Gegenkultur zum Feminismus

Der feministisch-liberale Mainstream - diese Feindbild-Konstruktion analysiert Angela Nagle in ihrem Buch „Die digitale Gegenrevolution. Online-Kulturkämpfe der Neuen Rechten“. Die Alt Right bekämpft einen Mainstream, den sie als „sentimental feminized space“ erlebt. Dagegen helfe nur eine maskuline, grenzüberschreitende, unsentimentale Gegenkultur, eine Transgression von rechts, so Nagle. Mit der Bezeichnung `Cuck´ wolle Bannon „seine politischen Gegner entmannen und der Lächerlichkeit preisgeben. Der Begriff impliziert, die sogenannten `Cucks´ seien außerstande mit der Virilität und dem Chauvinismus von Donald Trump und seinen Anhängern mitzuhalten“, sagt Veronika Kracher.

In dieser Rhetorik fungiert Cuck als Begriffscontainer für alles, was der Feminismus und die angebliche Diktatur der politischen Korrektheit aus dem einst so stolzen weißen Mann gemacht haben: Weichei, Warmduscher, Schattenparker, Sitzpinkler. Der Politisierung von Sexualität durch Feminismus und antiautoritäre, antipatriarchale Emanzipationsbewegungen setzt die Neue Rechte eine Sexualisierung der Politik entgegen, die wir aus faschistischen und autoritären Regimes kennen.


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