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Autofahren vs. Klimawandel Fridays for Future und Fridays for Hubraum streiten - teilweise für die gleichen Dinge

Wir haben Auto-Tuner und Gründer der umstrittenen Facebook-Gruppe Fridays for Hubraum Christopher Grau und Klimaaktivistin Carla Reemtsma von Fridays for Future nach ihrem Fernsehauftritt bei der Münchner Runde getroffen und mit ihnen über Klimapolitik gesprochen. Heraus kam etwas, womit keiner gerechnet hätte.

Von: Ferdinand Meyen

Stand: 31.10.2019

„Demonstration? Das kommt für mich gar nicht in Frage. Das Problem ist nämlich, dass man zu viele Idioten mitschleppt“, sagt Christopher Grau, Gründer der Facebook Gruppe „Fridays for Hubraum“. Dabei kennt er sich aus – mit Idioten. Lange Zeit verwendet er nach eigenen Angaben darauf, sie aus seiner Gruppe rauszuwerfen: Die rechten Trolle, die Idioten.

Die Klimabewegung und die SUVs

Das hat er in der wöchentlichen BR-Fernsehsendung „Münchner Runde“ nochmal klargemacht und auch danach im Gespräch. Grau, 35 Jahre alt, sitzt nach der Aufzeichnung mit Carla Reemtsma zusammen, 21 Jahre alt, Aktivistin bei Fridays for Future. Wir sprechen nochmal über Klimaschutz, aber auch über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Fridays for Hubraum und Fridays for Future.

Fridays for Hubraum Gründer Christopher Grau in der BR-Sendung "Münchener Runde"

Und Christopher Grau wirft der Klimabewegung gleich mal vor, dass sie Menschen bewusst dazu anstachelt, SUVs zu verunstalten.

Carla Reemtsma bezweifelt das. „Ich glaube kaum, dass Fridays for Future Aktivisten Autos zerstören“, sagt sie. Das wiederspreche allen Grundsätzen der Gruppe. Auch die Kritik von Christopher Grau an Demonstrationen kann sie nicht nachvollziehen. „Das ist eine der wichtigsten bürgerlichen Freiheitsrechte“. Der Auto-Mechaniker und die Klimaaktivistin haben also Differenzen, große Differenzen. Aber auch unüberbrückbare?

Die Gemeinsamkeiten von Fridays for Future und Fridays for Hubraum

„Lustigerweise kritisieren wir ähnliche Sachen“, sagt Carla Reemtsma. Die Kritik am Klimapaket und den Politiker*innen zum Beispiel. Sowohl Auto-Tuner, als auch Klimaaktivistin bemängeln schon während der Fernsehsendung die aktuelle Klimapolitik, das Klimapaket, und dass in der Politik zu wenig auf Experten gehört werde.

Außerdem kritisieren beide, dass die Klimadebatte immer nur auf das Privatleben bezogen wird und sich Politikerinnen und Politiker vor den großen Fragen eher drücken. Carla Reemtsma sagt zum Beispiel, dass es Fridays for Future eben nicht nur darum geht, dass Einzelpersonen weniger Fleisch essen und weniger Autofahren. Auch Christopher Grau sagt: „Mir fehlt im Allgemeinen das große Ganze. Individuell kann man ansetzen, wenn man mit dem großen Ganzen fertig ist“.

Auch wenn sich solche Menschen in seiner Gruppe tummeln: Christopher Grau selbst ist kein Klimawandelleugner und auch kein Neu-Rechter-Auto-Aktivist. Ölkonzerne zum Beispiel, Krise im globalen Süden, Hunger, die Zementindustrie in China, die unaufhaltsam Ressourcen verbraucht. Das müsse man angreifen, da sind sich beide schnell einig. Was kann er denn als Autofahrer in Deutschland dafür, fragt Christopher Grau Carla Reemtsma.

Unterschiedliche Wahrnehmungen der Klimakrise

Die große Differenz der beiden liegt also gar nicht darin, dass der eine den Klimawandel leugnet, die andere lieber von Klimakrise spricht, dass der eine rechts ist, die andere links.

Klimaaktivistin Carla Reemtsma zu Gast in der "Münchener Runde"

Sie liegt eher darin, wie die beiden den Klima-Diskurs wahrnehmen.

Christopher Grau sagt zum Beispiel: „In letzter Zeit ging es ja wirklich nur um Greta, Greta, Greta“.

„Wenn ich dich jetzt volllabern würde mit Autos – Würdest du dann nicht irgendwann sagen: Alter, ich kann es nicht mehr hören“, fragt er Carla Reemtsma. Die Klimaaktivistin kontert cool. Sie sagt, die Berichterstattung sei doch angemessen, wenn man sich anschaut, „wie massiv die Krise ist“.

So fern und doch so nah

Auf der einen Seite steht also ein Autotuner und Gründer einer Werkstatt mit dem Namen "Beast-Factory" aus einer ländlichen Region in Nordrhein-Westfalen, auf der anderen eine junge Studentin und Klimaaktivistin aus Münster. Das führt immer wieder zu Missverständnissen und Verstimmungen – doch das muss nicht heißen, dass die beiden nicht miteinander auskommen.

Sowohl Carla Reemtsma, als auch Christopher Grau ist klar, dass sie eigentlich dieselben Dinge kritisieren, an denselben Baustellen arbeiten. Und obwohl sie so unterschiedlich sind, wollen die beiden auch miteinander reden, ihre Differenzen ausgleichen und gemeinsam für Klimaschutz kämpfen. So ist das mit Fridays for Hubraum und Fridays for Future: Manchmal sind sie sich ganz nah und dann wieder ganz weit weg.


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