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FAQ Clubs geöffnet, Konzert abgesagt? Wie das Coronavirus Bayerns Poplandschaft verändern wird

Die Bayerische Staatsregierung hat alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen bis zum 19. April untersagt. Kann man schon sagen, welche Popkonzerte betroffen sind? Was bedeutet der aktuelle Ausnahmezustand für Veranstalter und Clubbetreiber?

Von: Jan Rothe und Valerie Trebeljahr

Stand: 11.03.2020

Publikum während Rock im Park | Bild: picture-alliance/dpa/Nicolas Armer

Welche Konzerte sind bereits abgesagt?

Bayerns Regierung hat wegen des Coronavirus alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen untersagt. Für Veranstaltungen mit 500 bis 1.000 Personen empfiehlt die Staatsregierung die Absage, jeweils nach Rücksprache mit den Behörden. Alle staatlichen Theater, Konzertsäle und Opernhäuser werden geschlossen. Diese Regelung gilt zunächst bis zum 19. April. 

Betroffen davon sind natürlich auch Popkonzerte: Bereits abgesagt ist das ausverkaufte Konzert von Faber in der Münchner Tonhalle, das am 11. März stattgefunden hätte. In Frage stehen aber auch Konzerte von Kummer, Max Herre, Fritz Kalkbrenner und Avril Lavigne. Wer wissen möchte, ob ein Konzert stattfindet oder nicht, wird sich noch etwas gedulden müssen: Die Veranstalter können aus rechtlichen Gründen erst verzögert reagieren. Hier geht es um die Frage, ob “höhere Gewalt” vorliegt. Wäre dies der Fall, wäre der Veranstalter nicht regresspflichtig, beispielsweise gegenüber der Band. Klar ist aber schon jetzt, dass Veranstalter wie Bands auf Kosten sitzen bleiben werden (siehe unten).

Leider muss auch die Zündfunk-Party zur Kurzfilmwoche in Regensburg ausfallen - weitere Infos findet Ihr hier.

Bekomme ich mein Ticket erstattet? 

Sagt der Konzertveranstalter das Konzert ab, muss er im Regelfall den Kaufpreis erstatten. Viele Veranstalter verschieben die Konzerte aber, dann behalten die Tickets ihre Gültigkeit. Kann man an diesem Datum nicht, bekommt man das Geld zurück, sagt die Verbraucherzentrale Bayern. Möchte man sein Ticket aus eigenen Stücken zurückgeben, wird hingegen nichts erstattet.

Warum 1.000 Personen und nicht 100?

Warum ist ein ausverkauftes, enges Konzert in 100er-Größe weniger gefährlich, als eines mit 1.000 Menschen? Auf Nachfrage des Zündfunks hat das Gesundheitsministerium lediglich auf die aktuelle Pressemitteilung verwiesen. Laut dieser sollen Veranstaltungen zwischen 500 und 1.000 Gästen von den Kreisverwaltungsbehörden einzeln bewertet werden - “im Zweifel wird Zurückhaltung empfohlen”.
Staatliche Theater, Konzertsäle und Opernhäuser werden ab Mittwoch bis zum Ende der Osterferien schließen. Letztendlich bittet der Ministerrat, "jeden Einzelnen abzuwägen, was ihm im Alltag so wichtig ist, dass er darauf in nächster Zeit nicht verzichten kann".

Bleiben Diskotheken geöffnet?

Nachdem sich 17 Menschen in einem Berliner Club mit dem Coronavirus infiziert haben, gibt es auch in der Münchner Clubszene Sorge. Für David Süß, Vorstand des Verbands der Münchner Kulturveranstalter und Betreiber des Clubs “Harry Klein”, fordert im Zündfunk-Interview eine klare Ansage der Stadt für Veranstaltungen unter 500 Gästen, "damit für alle klar ist, ob die Clubszene als Risiko gilt oder nicht: Da sind wir dringend drauf angewiesen, dass uns das jemand sagt, der sich wirklich auskennt, sei es das Robert-Koch-Institut oder die Münchner Gesundheitsbehörde. Wenn wir gesagt bekommen: auf gar keinen Fall aufsperren, dann werden wir das selbstverständlich umsetzen.”
Bei Schließungen fürchtet David Süß aber erhebliche Einbußen, die Betreiber müssten ja Miete und Angestellte weiter bezahlen. Süß hofft, dass das Coronavirus keine bleibenden Veränderung in unserem Umgang miteinander hinterlässt, denn: “Lebensfreude und Musikhören, zusammen tanzen - das ist so viel Lebensqualität, das sollte man nicht aufgeben.”

Was bedeutet das Verbot für die Veranstalter und Bands?

Konzerte werden heutzutage mit einem langen Vorlauf gebucht, manchmal ist das Album noch nicht einmal abgemischt. Hallen müssen reserviert, Tourbusse gebucht, Merch produziert werden, eine Crew wird verpflichtet. Auch die Veranstalter gehen in Vorleistung. Und wenn das Konzert nicht stattfindet, kommt kein Geld hinein, um die Auslagen zu erstatten. "Für kleine Veranstalter geht's da wirklich um die Existenzgrundlage", sagt Veranstalter Markus Naegele im Zündfunk-Interview. Auch für ihn seien die Absagen ein Desaster, er habe aber glücklicherweise den Verlag Heyne im Hintergrund. Im März standen Lesereisen von Debbie Harry, Billy Bragg und Irvine Welsh an, sie sind alle seit Tagen abgesagt. Naegele hat "in Rekordzeit", wie er sagt, Nachholtermine ausmachen können. "Für September, in der Hoffnung, dass sich dann die Lage gebessert hat."


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