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Auswahlkriterium Körpergröße? Com'on! Warum wollen sich Frauen eigentlich immer noch von großen Männern beschützen lassen?

Frauen mögen große Männer. Nach wie vor ist die Körpergröße wichtiger als sozialer Status oder Reichtum bei der Partnerwahl. Da hat sich seit dem Neandertal nicht allzu viel verändert. Werte Damen! Mehr Lässigkeit bitte, sagt unsere Kolumnistin Ann-Kathrin Mittelstrass.

Von: Ann-Kathrin Mittelstrass

Stand: 06.04.2018

Tarzan und Jane, 1932 | Bild: picture-alliance/dpa

Ein guter Freund von mir ist auf der Suche nach einer Freundin. Im Netz. Wo sonst. Wenn einem das Schicksal schon keinen vor die Füße wirft. Dafür hat er sich bei der App Bumble angemeldet. Im Prinzip dasselbe wie Tinder, nur mit dem Unterschied: Wenn man sich gegenseitig gut findet, muss die Frau den ersten Schritt machen, nur sie kann die erste Nachricht schreiben. Eigentlich eine gute Idee: Mal mit den traditionellen Geschlechterrollen brechen.

Kürzlich saßen wir also zusammen und – plötzlich bei ihm: Pling!
Ich: „Ah! Eine Nachricht! Und?? Was schreibt sie?“
Er: „Nur ein Wort: ‚Größe??‘“

Nicht mal ein „Hallo“. Nur ein „Größe“ mit zwei Fragezeichen. Ok, diese Apps sind erstmal oberflächlich. Und ja, es gibt ein Foto, wo mein guter Freund neben einem anderen Mann steht und sichtlich eineinhalb Köpfe kleiner ist. Zu klein offenbar. Das ist anscheinend das einzige, was sie interessiert. Wie unverschämt! Ich hab ihm gesagt, er soll zurückschreiben: „Körbchengröße??“ Hat er gemacht. Hat sie nicht gecheckt. Funkstille.

Wir leben doch in einer modernen Gesellschaft, oder?

Es gibt viele Kriterien, bei der Partnersuche auszusieben: Schlechter Style, keine Manieren, beschissener Musikgeschmack – man könnte ewig so weitermachen. Jep, wir sind alle irgendwo oberflächlich. Aber die Körpergröße? Eigentlich wirkt das veraltet in unserer modernen Gesellschaft, in der die meisten von uns lieben können, wen sie wollen. Ist das Frauen wirklich immer noch so wichtig, dass der Mann größer ist als sie? Ich begebe mich in die Münchner Fußgängerzone. Mal umhören: Es ist ein entschiedenes, manchmal bedauerndes, durchgehendes „Ja“, was mir entgegen schallt.

Egal, ob früher bei Kontaktanzeigen oder heute auf Tinder: Es herrscht erbarmungslose Selektion. Mit der vermeintlich unendlichen Auswahl im Netz vielleicht sogar noch erbarmungsloser. Der durchschnittliche deutsche Mann ist 1,80. Drunter kommt er sogar für die durchschnittliche 1,66-Frau oft gar nicht in Frage. Kleinere Männer sind schwer vermittelbar, sagen Partneragenturen. Auch meine beste Freundin mit ihren 1,74 sagt: „Nee, so groß wie ich reicht nicht. Ein Kopf größer Minimum! Ich will zu einem Mann aufschauen…“

Meine Freundinnen wollen beschützt werden – auch die Feministinnen

So emanzipiert und unabhängig viele von uns sein wollen, wir wollen uns geborgen und beschützt fühlen. Vollkommen verständlich. Nur: Wieso glauben viele Frauen – auch die erklärten Feministinnen in meinen Freundeskreis – wieso glauben sie, dass sie Schutz und Geborgenheit nur von einem Partner bekommen, bei dem sie aufrecht stehend in die Armgrube passen? Fragt man die betroffenen Männer, sagen die „Das ist dieses evolutionstechnische Alpha-Wesen, das wir in uns drin haben. Ein großer Mann strahlt mehr Stärke aus, das ist halt in unserer Gesellschaft so verankert.“

Reden wir uns also dieses Beschützerding gesellschaftlich ein? Weil biologisch gesehen haben wir ja irgendwie ein Hirn, das uns sagt: Auch dieser 1,66-Mann könnte uns beschützen. Im Normalfall muss er in der Münchner Fußgängerzone auch keine Bären überwältigen. So richtig weiterentwickelt haben wir uns irgendwie nicht.

Was für ein Dilemma! Es darf ja weiterhin jede schön finden, wen sie will. Aber wenn man mal drüber nachdenkt: Das Kriterium Körpergröße ist doch ganz schön absurd. So absurd wie die Rechtfertigungen: Ich will mich nicht runterbeugen müssen, wenn ich ihn küsse. Hallo? Heute laufen viele den halben Tag mit Kopf nach unten rum, weil sie die ganze Zeit auf ihr Handy stieren. Wahrscheinlich ungeküsst, aber dafür mit Haltungsschäden.

Werte Damen! Mehr Lässigkeit, bitte!

Ich plädiere ja gar nicht dafür, dass es nur noch Maria Furtwangler/Hubert Burda-Paare gibt. Aber, Mädels: Ich würde gern mal hier anfangen: auf Augenhöhe. Das wäre doch schon mal was. Wenn sowas wie „gleich groß“ auch in oberflächlichen Dating-Apps wie Tinder kein Problem wäre. Und im nächsten Schritt nehmen wir uns dann ein Beispiel an den 16-jährigen Mädels aus der Fußgängerzone: „Wir können uns ganz gut selbst beschützen, Danke!“

Na also.


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