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Streitbare Filmklassiker Warum Team America zwar immer noch lustig, aber trotzdem schlecht gealtert ist

„Team America – World Police“ aus dem Jahr 2004 gilt für viele heute immer noch als einer der besten Satire-Filme aller Zeiten. Andere behaupten, dass man so einen Film heute nicht mehr produzieren könnte, weil er zu platt und in Teilen rassistisch ist. Beide Seiten haben Recht. Ein Kommentar.

Von: Ferdinand Meyen

Stand: 22.04.2021

Das Team America in Paris | Bild: picture-alliance / Mary Evans Picture Library | -

In dieser Reihe beschäftigen wir uns mit aus heutiger Sicht streitbaren Filmen. „Team America: World Police“ aus dem Jahr 2004 ist so ein Fall. Ja, für viele gilt die Marionetten-Action-Komödie heute noch immer als einer der besten Satire-Filme aller Zeiten. Als politisch intelligente Auseinandersetzung der South-Park-Macher Trey Parker und Matt Stone mit der US-amerikanischen Außenpolitik in der Ära George W. Bush nach 9/11. Doch 17 Jahre nach dem Release häufen sich auch Stimmen, die den Film kritisieren und behaupten, er sei extrem schlecht gealtert. Ich glaube, dass beide Recht haben.

Team America ist immer noch unglaublich witzig

Sean Penn in Team America

Fangen wir mit den guten Sachen an. Viele Teile des Marionetten-Films, in dem eine amerikanische Geheimagententruppe islamistische Terroristen quer über den Globus jagt, sind heute immer noch unglaublich witzig. Seien es die übertriebenen Schauspieler-Karikaturen, z.B. Samuel L. Jackson, Sean Penn und Alec Baldwin, oder die völlig absurden Musical-Nummern wie „Everyone Has Aids“, „F**** Yeah“ oder „Pearl Harbor sucked“. Und neben den kleinen Lachern und charmanten Wortspielen, finde ich auch das übergeordnete Narrativ des Films – die Kritik am US-amerikanischen „War on terror“ – ziemlich gut umgesetzt. Egal wo das Team America auftaucht, verursacht es nämlich eigentlich immer nur Chaos und Zerstörung. Für den Krieg gegen Terrorismus werden zum Beispiel der Eifelturm, dann der Louvre, später die Pyramiden von Gizeh und die Sphinx in die Luft gesprengt. Fuck yeah – Freedom is the only way, yeah! Dem Team ist die Zerstörung, die es verursacht, dabei herzlich egal. Hauptsache, die bösen Terroristen haben am Ende eine Kugel im Puppen-Kopf. Lisa aus dem Film bringt es auf den Punkt: „I repeat, we have no intelligence“. Auch die von George W. Bush damals beschworene Achse des Bösen aus Iran, Irak und Nordkorea wird mit der Karikatur von Kim Jong Il, der den damaligen UN-Rüstungskontrolleur Hans Blix mal eben den Haien zum Fraß vorwirft und sich am Ende als böse, intergalaktische Schabe herausstellt, herrlich aufs Korn genommen.

Und Team America kann noch mehr – denn neben der Kritik an US-amerikanischer Außenpolitik, gelingt auch die Karikatur der wahnhaften Selbstdarstellung Hollywoods. Team Americas Gegenspielern, der Film Actors Guild (F.A.G.) geht es nämlich eigentlich nur darum, sich selbst und ihre liberale Einstellung in den Vordergrund zu rücken. In seiner größten Absurdität zeigt sich das in der Figur Matt Damons, die nichts anderes sagen kann als ihren eigenen Namen. Und wenn Sean Penn kritisiert, dass der Irak vor der Ankunft Team Americas ein Land mit Flüssen aus Schokolade und mit regenbogen-farbenem Himmel war, sehe ich das auch heute noch als starke Persiflage auf White Saviorism – weiße Prominente, die beispielsweise Spendenaktionen in Afrika zur Selbstinszenierung nutzen.

Derka, Derka, Mohamed Jihad!

In vielen Punkten ist Team America jedoch auch unglaublich schlecht gealtert. Stichwort: „Derka Derka, Mohamed Jihad!“ Die Zusammensetzung aus der abfälligen Bezeichnung „Derka“ für Menschen aus dem mittleren Osten und dem Jihad ist gefühlt das Einzige, was die Iraki im Film sagen können. Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich rassistisch und auch nicht wirklich originell. Okay. Wer will, kann „Derka Derka“ auch als Kritik am westlichen Selbstverständnis lesen, das sich nicht die Mühe macht, andere Kulturen zu verstehen. Die Straßenschilder in Paris sind im Film zum Beispiel auch aus Croissants. Aber ganz ehrlich? Spätestens als Film-Held Gary in einer Szene geblackfaced wird und ein Handtuch um den Kopf gewickelt bekommt, um als islamistischer Terrorist durchzugehen, ist das nicht mehr entlarvend, sondern einfach nur daneben.

An vielen Stellen schwankt Team America außerdem zwischen politisch kluger Satire und dämlichem Fäkalhumor, die ständigen Referenzen auf Homosexualität gehen mir zum Beispiel jedes Mal, wenn ich den Film anschaue, ziemlich auf den Zeiger. Und insgesamt werden Worte wie „Schwanz“ oder „Arschficker“ doch auch ziemlich inflationär benutzt, was die eigentlich schlaue politische Schlagseite an vielen Stellen trübt. Hier haben sich andere Satire-Stücke schon deutlich besser angestellt.

Dicks, Pussys and Assholes

You are worthless, Alec Baldwin!

Und dann ist da natürlich noch die berühmte Dicks-Pussy-Asshole-Gleichung. Die, wenn man so will, philosophische Botschaft des Films. Sie lässt sich – nicht in meinen aber den Worten des Films – so zusammenfassen: Dicks sind Menschen wie die Soldaten von Team America, die ständig alles abfucken. Pussys dagegen – in dem Fall die Film Actors Guild (F.A.G.) – sind das genaue Gegenteil, friedfertig und deshalb voller Hass auf die Dicks. Und dann gibt es noch Assholes, zum Beispiel den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Il, der die Welt zerstören und prinzipiell einfach nur auf alles scheißen will. Die Pussys, so die Botschaft des Films, sind von ihrem eigenen Gutmensch-Sein so angetan, dass sie die Assholes nicht stoppen können und sie am Ende sogar dabei unterstützen, auf alles zu scheißen. Und deshalb ist unsere Gesellschaft auf die Dicks angewiesen. Weil die eben dafür sorgen, dass auch die Assholes abgefuckt werden.

Ob das jetzt schlau ist oder nicht, darüber lässt sich streiten, irgendwie pubertär ist es auf jeden Fall. Für mich konterkariert die Botschaft aber die eigentlich recht schlaue Kritik des Films am US-amerikanischen Interventionismus. Denn die Essenz dieser Gleichung ist, dass es manchmal ein kleines Übel braucht, um ein größeres zu verhindern. Dass wir trotz allem auf ein paar Dicks angewiesen sind, die uns am Ende vor den Assholes retten. Außerdem will uns die Gleichung weismachen, dass jeder nur nach seinem eigenen Interesse handelt und nicht nach dem der Mitmenschen. Denn selbst den gutmütigen Pussys geht es nur vordergründig um die Kinder im Irak. Am Ende ist auch ihnen die Selbstdarstellung wichtiger – selbst wenn sie sich dafür mit dem nordkoreanischen Diktator verbünden müssen.

Es geht darum, wer den größten Raketenwerfer hat

Fazit: Ich finde das eine ziemlich platte politische Gleichung. Die politische Landschaft ist komplexer geworden als sie es noch im Jahr 2004 war –Massenvernichtungswaffen sind zum Beispiel nur noch einer von vielen Streitpunkten in globalen Auseinandersetzungen. Probleme wie die Klima-Krise und die Corona-Pandemie haben hier auch die Art und Weise verändert, wie Staaten miteinander umgehen. Und die Bösewichte sind heute auch nicht mehr so leicht zu identifizieren. Ich würde zum Beispiel anführen, dass die Wahl Trumps gezeigt hat, dass die „Assholes“ nicht nur in Nordkorea an die Macht kommen können. Und dass es – Stichwort Sturm aufs Kapitol – auch deutlich mehr geworden sind. Außerdem ist die politische Gleichung in Team America obendrein ziemlich machistisch. Denn am Ende geht es einfach nur darum, wer den größten Raketenwerfer hat. Klar, als Kritik am US-amerikanischen Selbstverständnis funktioniert Team America auch heute noch. Aber der satirischen Auseinandersetzung merkt man – nicht nur was den kindischen Humor betrifft – ihr Alter dann doch deutlich an.


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