Bayern 2 - Zündfunk


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RTJ 4 Versöhnung klingt anders. Run the Jewels liefern den Soundtrack gegen Polizeigewalt

Rapper Killer Mike aus Atlanta ist einer der bekanntesten Vertreter*innen der "Black Lives Matter"-Bewegung und eine Stimme der Vernunft. Jetzt liefert er den inoffiziellen Soundtrack der Proteste gegen rassistische Polizeigewalt. Das neue Album seines Hip-Hop-Duos Run the Jewels verbindet politisches Engagement mit Besonnenheit und Humor – und wird gratis zum Download angeboten.

Von: Roderich Fabian

Stand: 08.06.2020

Run the Jewels | Bild: Tim Saccenti

"Jeden Abend füttern sie dich im Fernsehen mit Angst", rappt Killer Mike in "Walking in the Snow". Im Fernsehen nämlich sieht er Männer wie sich selbst, Schwarze, die von Polizisten erstickt werden. Und er hört sich sagen: "I can't breathe" - "Ich kann nicht mehr atmen".

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Run The Jewels - walking in the snow (Art Video) | Bild: RunTheJewels (via YouTube)

Run The Jewels - walking in the snow (Art Video)

Nichts ist neu an "I can't breathe". Leider.

Nein, dies ist kein spontan entstandenes Stück nach dem Tod von George Floyd durch Polizeigewalt in Minneapolis, sondern bezieht sich auf den ganz ähnlich gelagerten Fall von Eric Garner, der 2014 in New York nach dem Würgegriff eines Polizisten verstarb. "I can’t breathe" ist nämlich schon sein sechs Jahren ein Slogan von "Black Lives Matter" - und Run the Jewels greifen das auf ihrem neuen Album auf. Gegen die tödliche Polizeigewalt kämpft Killer Mike schon lange an. Nach dem Tod von George Floyd hat er letzte Woche abermals nachhaltige Konsequenzen eingefordert.

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George Floyd: Killer Mike Makes Emotional Speech About Protests | NowThis | Bild: NowThis News (via YouTube)

George Floyd: Killer Mike Makes Emotional Speech About Protests | NowThis

Rage against Rassismus

"Schau dir all die Sklavenhalter an, die auf deinen Dollarscheinen posen", rappt nicht nur Killer Mike, sondern auch Gaststar Zack De La Rocha - einst bei Rage Against the Machine. Tatsächlich waren George Washington oder Benjamin Franklin, die auf den Geldscheinen zu sehen sind, eben auch Sklavenhalter. Jetzt - meint Killer Mike bei seiner Rede in Atlanta - ist es an der Zeit, alles auf den Prüfstand zu stellen.

Killer Mike greift auf "Goonies versus E.T." den alten Slogan von Poetry & Agit-Pop-Legende Gil Scott-Heron auf: "The Revolution will not be televised" und erweitert ihn für die neuen Medien. Nein, die Revolution wird auch nicht getwittert oder anders digitalisiert daherkommen, die müsst ihr schon selber machen.

Die Revolution klingt verdammt gut

Co-Rapper El-P hat wieder für tolle Old-School-Beats und Scratches gesorgt, bringt aber auch moderne, elektronische Samples unter. Jedenfalls erinnert musikalisch nicht allzu viel an den handelsüblichen Gangsta Rap. Alles hier verstrahlt Consciousness im Stakkato. Ziemlich spontan wurde letzten Donnerstag das Album auf der Website der Band zum freien Download zur Verfügung gestellt. Killer Mike hat in der Late Show von Steve Colbert erzählt, warum:

"Wir verschenken unsere Musik, weil sich die nicht jeder leisten kann. Die Leute müssen Rechnungen zahlen, ihre Kinder versorgen. Sie haben Jobs, in denen sie nicht angemessen verdienen. Also sollte Geld kein Hindernis dabei sein, an unsere Musik zu kommen. Deshalb ist sie umsonst."

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Killer Mike Educates Stephen Colbert | Bild: The Late Show with Stephen Colbert (via YouTube)

Killer Mike Educates Stephen Colbert

Das Album gibt es hier. Und wer genug Geld hat, der darf gerne spenden. Run the Jewels bieten dafür das "Mass Defense Program" an, eine Organisation, die Bedürftige mit juristischem Beistand versorgt. Runde Sache, würde ich sagen.


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