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Fraktus, Bohemian Rhapsody, Spirits In The Forest Warum in den Zehner Jahren erst der Film den Popstar zur Legende macht

Das Kino ist der Ort geworden, in dem in den Zehner Jahren Popstars Unsterblichkeit erlangt haben. Ob als Dokumentarfilm (Nick Cave, The National, Amy Winehouse) oder als Spielfilm (James Brown, NWA, Queen, Elton John). Dabei gibt es freilich den Unterschied, ob die porträtierten Künstler am Film mitgearbeitet haben oder nicht.

Von: Roderich Fabian

Stand: 25.11.2019

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Depeche Mode - "SPIRITS In The Forest" (30 second trailer) | Bild: Depeche Mode (via YouTube)

Depeche Mode - "SPIRITS In The Forest" (30 second trailer)

Eine Französin erzählt im Dokumentarfilm „Spirits in the Forest“, dass sie nach einem Verkehrsunfall ihr ganzes Leben vergessen hatte, außer: Depeche Mode. Regisseur Anton Corbijn hat noch fünf weitere Mega-Fans zuhause besucht, in Rumänien, Brasilien, Kolumbien, den USA und in der Mongolei. Und sie alle erzählen von ihrer großen Liebe zu den Electro-Popstars aus England. Die Interviews werden gegengeschnitten mit einem Konzert der Band in der Berliner Waldbühne - und natürlich sind die sechs Mega-Fans im Publikum und genießen mit geschlossenen Augen die Musik. Es ist fast schon so etwas wie eine Heiligsprechung der Band, aber das war oft so, wenn in diesem Jahrzehnt Filme über Popstars ins Kino kamen.

Im Spielfilm „Love and Mercy“ wurde 2014 das Genie Brian Wilson gefeiert, der mit den Beach Boys am Ende der Sechziger nach den Sternen greifen wollte. Wilson hat am Drehbuch mitgeschrieben, also an der eigenen Legende, genau wie 2019 Elton John ganz wesentlich an seinem Biopic „Rocketman“ beteiligt war.

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ROCKETMAN Trailer Deutsch German (2019) | Bild: KinoStarDE (via YouTube)

ROCKETMAN Trailer Deutsch German (2019)

Das Problem war hier die Entscheidung, dass nicht Elton John, sondern der Schauspieler Taron Egerton den Soundtrack eingesungen hat, aber auch das war eine Entscheidung des Popstars. Trotzdem hat „Rocketman“ sehr ordentlich Kasse gemacht, aber lange nicht so viel wie „Bohemian Rhapsody“, das Queen-Biopic von 2018, das weltweit fast eine Milliarde Dollars eingespielt hat. Hier wurde die Originalmusik verwendet.

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Bohemian Rhapsody | Offizieller Trailer 1 | Deutsch HD German (2018) | Bild: FoxKino (via YouTube)

Bohemian Rhapsody | Offizieller Trailer 1 | Deutsch HD German (2018)

Dass der Film die schwule Identität vom verstorbenen Sänger Freddy Mercury deutlich heruntergespielt hat, dafür sorgten auch die Queen-Mitglieder Brian May und Roger Taylor, die ebenfalls am Drehbuch beteiligt waren. Der Denkmalisierung der Band hat das nicht geschadet, auch wenn die Geschichte geklittert wurde. Es macht eben einen Unterschied, ob die Hauptfigur eines Pop-Biopics noch lebt oder nicht.

Näher dran an der Wirklichkeit waren naturgemäß Dokumentarfilme

2014 feierte „Get on up“ den King of Soul and Funk, James Brown. Der Film versuchte, eine ambivalente Persönlichkeit in den Griff zu kriegen, nämlich einen überragenden Musiker, der politisch eher rechts stand und seine Ehefrauen verprügelt hat - ein irgendwie missglücktes Unternehmen.

Näher dran an der Wirklichkeit waren da naturgemäß Dokumentarfilme wie „Amy“ von 2015, in der man das Unglück der 2011 verstorbenen Sängerin Amy Winehouse auszuloten versuchte. Aber auch hier erschien der Star schließlich „larger than life“.

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AMY – Official Trailer HD – Amy Winehouse Documentary 2015 | Bild: Altitude Films (via YouTube)

AMY – Official Trailer HD – Amy Winehouse Documentary 2015

Denn: Egal, ob im Biopic, Dok- oder Konzertfilm wie in Nick Caves „One more Time with Feeling“ von 2016 - erst durch die große Leinwand erhalten Popstars anscheinend ihre Kanonisierung, erst dadurch wird ihr Status für die Ewigkeit festgeschrieben. In der visuellen Kultur, in der wir in diesem Jahrzehnt leben, macht erst der Film den Popstar zur Legende. Keine geschriebene Biographie kann dagegen anstinken. Und so müssen wir uns für die anstehenden 20er Jahre auf eine Flut solcher Filme gefasst machen. Erster Vorbote ist übrigens „Mach dein Ding“. Das ist keine Baumarkt-Werbung mehr, sondern der Titel eines Udo-Lindenberg-Biopics, das im Januar 2020 im Kino an den Start gehen wird.

PS: Ach, der neue Depeche-Mode-Film ist übrigens für Fans - allerdings nur für Fans - genauso geeignet wie sein Vorläufer: "101", der 1989 rauskam und ein Konzert der Band in den USA abfeierte. Einziger Unterschied: Dave Gahan war damals 27 und ist heute 57 - und das sieht man.

Die Watchlist für Musiker-Filme in den Zehner Jahren:


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