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Jetzt im Kino Warum „Hostiles“ die Rettung des Western-Genres ist - und das nicht nur an Christian Bale liegt

Gibt es ein langweiligeres Genre als Western? John Wayne rettet hilflose Siedlerfrau vor bösen Indianern. Doch nun naht Rettung: "Hostiles" mit Christian Bale beweist, dass Western subtil, politisch korrekt und hochspannend sein kann.

Von: Roderich Fabian

Stand: 29.05.2018

"Hostiles - Feinde" - Szenenbild | Bild: Universum Film

In amerikanischen Filmblogs wird „Hostiles“ gelegentlich der Vorwurf gemacht, hier handele es sich um einen „politisch korrekten“ Western. Und es kann schon sein, dass jeder Film dieses Genres im Grunde mehr über die Zeit erzählt, in der er entstanden ist, als über die, in der er spielt. Je weiter wir uns vom 19. Jahrhundert entfernen, desto ungenauer wird die Erinnerung und desto freier wird der Umgang damit, besonders für Künstler. Regisseur Scott Cooper hat es aber geschafft, ein ziemlich ungeschöntes und differenziertes Bild dieser Zeit zu zeichnen.

„Hostiles“ spielt 1893, zunächst in New Mexico. Ein in Gefangenschaft lebender Häuptling der Cheyenne bekommt die Erlaubnis, zum Sterben in seine alte Heimat Montana - rund 1.800 Kilometer entfernt - eskortiert zu werden, begleitet von seiner Familie. Der General beauftragt einen alten Haudegen damit, den Job zu erledigen.

Ein ungeschöntes und differenziertes Bild dieser Zeit

Offizier Joseph Blocker (Christian Bale) erhält den Auftrag, den Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk nach Montana zu begleiten.

Dieser Captain Blocker, der eigentlich nichts von Indianern hält, wird gespielt vom Briten Christian Bale, der immer noch einer der besten Charakterdarsteller Hollywoods ist. Wir lernen ihn als leicht verbitterten, auf jeden Fall ermüdeten Mann kennen, der den Treck nach Montana als letzten Auftrag vor der Pensionierung annimmt. Der Trupp, der die sechs Cheyenne schließlich nach Norden begleitet, ist tatsächlich schön divers: Es gibt einen Afro-Amerikaner, einen jungen Franzosen und den alten Buddy des Captains, der ständig von den guten, alten Zeiten schwärmt. „Hostiles“ ist ein langsames Road-Movie. Unterwegs gabelt die Gruppe noch eine Frau auf, die bei einem Überfall der Komantschen ihre ganze Familie verloren hat. Sie wird gespielt von der momentan sehr gut beschäftigen Engländerin Rosamund Pike. Unterwegs begegnet die bunte Gesellschaft sehr unterschiedlichen Menschen, die alle ihre eigene Meinung zum Thema Ureinwohner haben.

Von "Hostiles" lässt man sich gern belehren

Yellow Hawk (Wes Studi) kehrt nach Hause zurück, um zu sterben

Längst gesteht man im Hollywood-Film ein, welch Unrecht den amerikanischen Ureinwohnern bei der Besiedlung des Landes widerfahren ist. Und auch der Cheyenne-Häuptling und seine Familie erscheinen als verständige Menschen, so dass im Lauf der Reise eine zaghafte Annäherung zwischen den Bewachten und den Bewachern stattfindet. Immer wieder wird die Reisegruppe dabei von blutdürstigen Komantschen angegriffen, gegen die sie sich am besten gemeinsam zur Wehr setzen können. Die „bösen“ Indianer fungieren dabei als eine Art „IS“ des Wilden Westens. Das mag jetzt alles ein bisschen belehrend wirken, aber „Hostiles“ bleibt stets spannend. Nie weiß man wen es als nächsten erwischt, denn die Gruppe wird allmählich dezimiert.

Irgendwann müssen sie dann noch einen Gefangenen mitnehmen, der sich wegen Mordes vor Gericht verantworten muss. Der kennt den Captain und sieht ihn als seinesgleichen: „Ich hab mich nie an jemandem vergriffen, der es nicht verdient hatte. Wie haben Sie das all die Jahre durchgestanden, Captain? Nach allem, was Sie gesehen haben, was Sie getan haben? Da ist man doch irgendwann kein Mensch mehr.“ Die Antwort: „Jeder hat seinen Teil zu tragen.“

Merke: Jeder kann seine Haltung korrigieren

Die höchst unterschiedliche Reisegruppe muss zusammenhalten, wenn sie überleben will

Und dieser Satz von Captain Blocker ist entscheidend: Auch wenn man bislang den institutionellen Rassismus des Staates mitgetragen hat und sich - staatlich abgesichert - schuldig gemacht hat, besteht die Möglichkeit, seine Haltung zu ändern. Nicht nur Blocker, auch die vom Schicksal schwer gezeichnete Frau und sogar die Cheyenne erfahren auf dieser Reise einen Reifungsprozess. Das mag politisch korrekt wirken, wird durch diesen nichts beschönigenden Film aber nachvollziehbar.


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