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Junge Umweltaktivistin Warum Greta Thunberg das coolste Mädchen seit Lisa Simpson ist

Greta Thunbergs Schulstreik fürs Klima findet weltweit Anhänger, ihre Rede bei der Klimakonferenz ging viral. Wieso begeistert sie die Menschen so? Und wie sieht sie sich selbst? Ein Besuch bei ihrem Protest in Stockholm.

Stand: 18.01.2019

13.12.2018, Polen, Kattowitz: Greta Thunberg, junge schwedische Klimaaktivistin, nimmt an einer Pressekonferenz beim Weltklimagipfel teil. Der UN-Klimagipfel zum Klimawandel findet vom 03.-14.12.2018 in der südpolnischen Stadt Kattowitz statt. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Monika Skolimowska

Greta Thunberg ist konsequent. Seit August protestiert die 16-Jährige für eine gerechtere Klimapolitik. Auch an diesem Freitag ist sie wieder auf dem Mynttorget, dem Platz zwischen dem schwedischen Parlament und dem Stockholmer Schloss.

"In den ersten drei Wochen, als ich jeden Tag hier war, konnte ich mit der ganzen Aufmerksamkeit nicht umgehen. Ich bin traurig geworden, ich musste weinen und den Protest verlassen, weil es so überwältigend war. Aber dann dachte ich, dass ich jetzt nicht aufhören kann. Ich habe das hier angefangen, ich habe mich dazu entschieden, also muss ich es auch zu Ende bringen," erzählt Greta.

Die Wintersonne schafft es den ganzen Tag nicht über die Gebäude, es ist eiskalt hier. Aber Greta und ihre Unterstützer schreckt das nicht ab. Mit Schneehosen, Mützen, Schals und Schlafsäcken haben sie sich eingerichtet. Auch die 17-jährige Isabelle: "Es würde sich komisch anfühlen, nicht hier zu sein. Ich habe alle Fakten über den Klimawandel nachgelesen und was passieren wird. Für mich ist es eine Art Pflicht, herzukommen und etwas für unsere Zukunft zu tun. Wir brauchen eine Zukunft."

Das Mädchen meint es ernst!

Über den Tag verteilt versammeln sich hier um die 150 Menschen, viele Schüler, aber auch ein Hochschulprofessor, eine junge Russin, die ein Praktikum in Schweden macht und Männer mit Schildern, auf denen #FathersForFuture steht. Manche bleiben den ganzen Tag, andere schauen nur kurz vorbei. Aber alle sind hier, weil Greta sie dazu inspiriert hat.

"Als ich zum ersten Mal von Gretas Protest gelesen habe, fand ich sie sehr cool. Dann bin ich hergekommen und habe sie kennengelernt. Sie ist so nett. Sie macht das nicht einfach für sich, sondern für unser aller Zukunft", sagt zum Beispiel die junge Morrigan.

Greta ist mittlerweile eine Berühmtheit. Ihre langen blonden Zöpfe und ihr Schild mit der Aufschrift "Schulstreik fürs Klima" sind beinahe schon ikonisch. Dabei ist sie niemand, der auf den ersten Blick besonders auffällt. Sie ist klein für ihr Alter, still und zurückhaltend. Sie hat es nicht darauf angelegt, ein Protest-Star zu werden und will ihre Rolle darum auch gar nicht so hoch hängen: "Ich sehe mich selbst nicht als eine Anführerin. Sondern einfach nur als Aktivistin, die Menschen eine Form von Protest gezeigt hat."

Gretas Kritik an der Weltklimakonferenz

Lieber als über sich selbst spricht Greta über ihre Forderungen: Sie will, dass die schwedische Regierung das Pariser Klimaabkommen erfüllt, also Maßnahmen ergreift, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Und sie will einen Systemwechsel in der Klima- und Energiepolitik. Das hat sie auch im Dezember bei ihrer Rede auf der Weltklimakonferenz in Kattowitz betont und den Delegierten dort ordentlich die Meinung gegeigt: "Ihr sprecht von einem grünen, unendlichen Wirtschaftswachstum, weil ihr zu viel Angst davor habt, unbeliebt zu sein. Ihr sprecht davon, mit denselben miesen Ideen weiterzumachen, die uns diesen Schlamassel eingebrockt haben, obwohl es das einzig Vernünftige wäre, die Notbremse zu ziehen."

Es klingt wie eine große Sache: eine Rede bei der Klimakonferenz halten, dort neben UN-Generalsekretär Antonio Guterres sitzen und CNN und anderen großen Medien Interviews geben. Greta fand die ganze Veranstaltung allerdings eher ernüchternd: "Es wurde sehr viel geredet und sehr wenig gehandelt. Es gab bloß Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und Pressekonferenzen. Es hat sich angefühlt, als würde niemand wirklich etwas tun wollen. Ich habe viele Leute kennengelernt und das war ziemlich deprimierend, weil ich dachte: Das sind die Menschen, in deren Händen unsere Zukunft liegt, und sie nehmen diese Aufgabe nicht ernst."

Schulschwänzen fürs Klima

In Kattowitz war Greta mit ihrem Vater, er hat sie im Elektroauto hingefahren. Ihm und seiner Frau wäre es zwar lieber, wenn Greta für ihr Engagement nicht die Schule schwänzen würde, aber ansonsten unterstützen sie es. 

Heute kommt Svante Thunberg gegen Mittag zum Mynttorget und bringt seiner Tochter etwas zu Essen. Wegen Greta hat die ganze Familie ihre Gewohnheiten geändert, sie ernähren sich vegan und fliegen nicht mehr. Svante Thunberg erzählt, dass es Greta vor ein paar Jahren sogar krank gemacht habe, dass alle vom Klimawandel wissen, aber niemand etwas dagegen unternimmt. Sie hat fast gar nicht mehr gesprochen und gegessen. Aber seit sie mit dem Streik angefangen hat und sieht, dass mehr Menschen aktiv werden, gehe es ihr besser. Ihr Vater erinnert sich, wie sie im September ihre erste Rede gehalten hat, beim Climate March in Stockholm: "Ich wusste nicht, was ich erwarten soll. Würde sie wegrennen? Anfangen zu weinen? Verstummen? Sie haben sie aufgerufen, sie ist aufgestanden – und es war, als wäre es das Natürlichste auf der Welt für sie. Sie hat eine großartige Rede gehalten, es gab Standing Ovations und ich habe einfach nur geheult."

Dass Greta die Welt ein bisschen anders sieht als viele Menschen und dass sie das Thema Klimaschutz so konsequent verfolgt, hat auch mit ihrem Asperger-Syndrom zu tun – einer Form von Autismus. Sie sieht darin aber vor allem einen Vorteil: "Ich sehe die Welt ein bisschen anders, nämlich in schwarz oder weiß. Alle sagen immer, dass es nichts gibt, was entweder schwarz oder weiß ist. Aber die Klimakrise ist genau das: Entweder wir bleiben unter der Erwärmung von 1,5 oder zwei Grad oder nicht. Wenn es ums Überleben geht, gibt es keine Grauzonen."


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