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Oscars 2018 Warum Frances McDormand zum richtigen Zeitpunkt den Oscar gewonnen hat

Die richtige Frau zur richtigen Zeit: Frances McDormand hat für ihre Arbeit in „Three Billboards“ ihren zweiten Oscar bekommen. Damit gewinnt eine selbstbewusste Anarchistin, die Hollywood verändern wird.

Von: Roderich Fabian

Stand: 28.02.2018

Frances McDormand nimmt während der Oscar-Verleihung 2018 den Oscar als beste Hauptdarstellerin für "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" entgegen. | Bild: dpa-Bildfunk/Chris Pizzello

Den Status der Unsterblichkeit hat Frances McDormand schon 1996 erreicht, als kluge, liebevolle und bescheidene Polizistin im Winter-Thriller „Fargo“. Unvergessen die Szene am Ende: Der Killer ist gefasst, er sitzt nun im Polizeiauto und sie fragt ihn, wieso er so viele Morde begangen hat: „Für ein bisschen Geld? Es gibt mehr im Leben als ein bisschen Geld, wissen Sie? Wissen Sie das etwa nicht? Und jetzt sind Sie hier und es ist so ein wunderschöner Tag...“

Diese schlichten Wahrheiten, die Frances McDormand hier äußert, sind nur scheinbar banal. Denn sie stellen das ganze Rattenrennen im Kapitalismus in Frage. Und es ist kein Scherz, wenn sie sich und ihren „Klan“ – zu denen die Coen-Brüder gehören – bei der Oscar-Verleihung 2018 als „Hooligans und Anarchisten“ bezeichnet: „But we do clean up nice.“ Am Ende räumen wir immer schön auf, sagt sie, weil sie verstanden hat, worauf es ankommt: Die Provokation, das In-Frage-Stellen aller Werte ist okay, sogar notwendig, aber am Ende muss man auch wieder gesprächsbereit sein.

So verfahren Frances McDormand und ihr Klan, allen voran ihr Ehemann, der Regisseur Joel Coen, mit dem sie seit 1984 lebt und arbeitet und mit dem sie Filme wie „Blood Simple“, „Barton Fink“, „Hudsucker“ oder eben „Fargo“ realisiert hat. Fast immer hat sie Frauen gespielt, die die Spielregeln kennen, aber in deren Rahmen das Optimale herausholen. Nur der Form halber erkundigt sie sich am Anfang von „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, ob man auf Werbetafeln denn Verleumdungen und Kraftausdrücke draufschreiben darf.

"Ich habe zwei Wörter für Euch: Inclusion Rider!"

Legendär: Frances McDormand in "Fargo" - die Rolle brachte ihr 1997 den ersten Oscar ein

Frances McDormand, inzwischen 60 Jahre alt, hatte noch nie etwas mit dem ganzen Hollywood-Glam und -Pathos zu schaffen. Sie repräsentiert nicht die „Traumfabrik“, sondern eher die Wirklichkeit dahinter. Damit ist sie die richtige Frau zur richtigen Zeit. Also nutzte sie nun ihre Dankesrede für den Oscar dazu, Chancengleichheit und Gerechtigkeit für Frauen im Business einzufordern. Sie ermunterte alle nominierten Frauen, aufzustehen: „Wir haben alle Geschichten zu erzählen und Projekte zu finanzieren. Redet nicht mit uns auf der Party heute Abend, ladet uns in Eure Büros ein. Ich habe zwei Wörter für Euch: Inclusion Rider!”

„Inclusion Rider“ ist eine neue Initiative, die dafür sorgen soll, dass Frauen und Minderheiten in Hollywood-Filmen gerechter repräsentiert werden sollen. Indem sich Frances McDormand sich hinter die Idee der Inclusion-Rider-Initiatorin Stacy Smith stellt, verleiht sie ihr ein ganz anderes Gewicht. Es wird sich etwas ändern in Hollywood, auch dank der glorreichen Anarchistin Frances McDormand.


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