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#failoftheweek Warum es nicht schlimm ist, wenn eine 18-jährige auf TikTok Quatsch über den Iran erzählt

Eine 18-jährige macht ein missglücktes TikTok-Video zum USA-Iran-Konflikt - und alle flippen aus. Dabei sind die Ängste der jungen Leute real und sollten ernst genommen werden. Ein Kommentar von Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 10.01.2020

Die Handyapp TikTok | Bild: picture-alliance/dpa

2,2 Millionen Menschen folgen der 18-jährigen Schülerin Laura Sophie auf TikTok. Sie schauen der Münchnerin dabei zu, wie sie im Pyjama tanzt, Songs der HipHopperin Doja Cat lipsynct oder wie sie sich fragt, ob „Die Eiskönigin 2“ wirklich besser ist als „Die Eiskönigin 1“. Fast 3.000 Clips hat die Influencerin produziert und letztens auch eines, in dem sie sich mit dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran beschäftigt – und mit dem 3. Weltkrieg. In ihrem Video erzählt sie davon, wer gegen wen kämpft und dass der Iran "über extrem viele Atombomben und gefährliche Waffen" verfügt: "Wenn da eine hochgeht, sind wir alle futsch", sagt Laura Sophie in ihrem Video.

Natürlich, da stimmt einiges nicht, angefangen bei der Tatsache, dass der Iran keine Atomwaffen besitzt. Es kam, wie es kommen musste: Ein Shitstorm brach über die Schülerin herein, da half es auch nichts, dass sie den Clip löschte und sich mehrfach entschuldigte.

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Laura Sophie 06.01.2020 | 23:20 Uhr hello... ich hab eingesehen dass meine Aussagen nicht ganz stimmen, welche ich im Video genannt habe. Aber mir wurde das so weitervermittelt, und ich dachte, dass das stimmt. Sorry dafür. Ich habe es nur im guten Willen gemeint... #laurasophie

Die Schülerin hätte sich blamiert, schrieb das Redaktionsnetzwerk Deutschland und die Die Neue Züricher Zeitung zeigte das Video gleich ganz aufgeregt ihrem „erfahrenen Auslandredaktor“ mit dem schönen Namen Beat Bumbacher. Und der erfahrende Auslandredaktor Beat Bumbacher ließ sich nicht zweimal bitten und boomerbachersplainte stabil: „Das ist Weltpolitik aus einer fast kindlichen Sicht.“

No Shit, Sherlock! Ein Fast-Noch-Kind sieht die Weltpolitik aus einer fast kindlichen Sicht! Das ist erstens nicht überraschend und zweitens nicht schlimm. Erwachsene liegen bisweilen auch daneben: Jakob Augstein schrieb 2016 noch im Spiegel, dass Donald Trump, wenn es um den Weltfrieden gehe, allen Ernstes die bessere Wahl sei als Hillary Clinton.

Nicht jedes Video einer 18-jährigen muss gefactcheckt werden

Und ob die Weltpolitik von einem 73-jährigen US-Präsidenten auf eine so viel erwachsenere Art und Weise gesehen wird, darüber könnte man auch streiten. Dieses eine Video der 18-jährigen mag Quatsch sein, aber der etwa einminütige Clip ist auch keine Folge Telekolleg. Aus dem Video spricht viel mehr die Sorge vor einer Eskalation des Konfliktes zwischen den USA und dem Iran. Und diese Sorge ist real, wie nicht nur zahlreiche Memes und Videos zeigen. Auf Twitter schreiben Teenager Dinge, die zwischen schwarzem Humor, Defätismus und echter Angst oszillieren:

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∀zad༎‿༎ 08.01.2020 | 04:09 Uhr hoffe die gottlosen #WWIII memes gehen in die Geschichte ein damit alle sehen was für eine savage Generation wir waren 🚫🧢

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Zapaeron 04.01.2020 | 08:56 Uhr Ich (M14) bin Schweizer und sitze zu Hause und esse fröhlich meinen fucking Käse und das erste was ich in den Twitter Trends sehe, sind irgendwelche #WWIII Memes. Ich bin ja Schweizer und zu dem noch Minderjährig, aber trotzdem habe ich Angst an dem Krieg beteiligt zu sein.

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pia 04.01.2020 | 09:06 Uhr bisschen Angst vor #WWIII, aber memes sind schon mega lustig

Seid ihr jetzt zufrieden?

Anstatt 18-jährige TikTokerinnen zu belehren, könne man ihre Ängste ja mal ernst nehmen und fragen, wie man sie mit serösen Informationen erreicht. Ein wenig hat man aber das Gefühl, als müssten manche Politiker und Medien ihren Rezo-Komplex überkompensieren. Damals war die Überraschung groß, als sich im Zuge des „Die Zerstörung der CDU-Videos“ herausstellte, dass sich auf diesem YouTube Menschen für Politik interessieren. Offenbar meint man jetzt, jede politische Äußerung eines Influencers extra durchnudeln, einordnen und faktchecken zu müssen. Bei Laura Sophie wird das nicht mehr notwendig sein. Die junge Frau hat angekündigt, sich in Zukunft nur noch privat politisch äußern zu wollen. Bestimmt sind jetzt alle zufrieden. 


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