Bayern 2 - Zündfunk


3

#failoftheweek Warum die Endung .org an eine windige Briefkastenfirma verkauft werden könnte

Viele gemeinnützige Organisationen benutzen die Endung .org . Nun soll das Unternehmen, das diese Top-Level-Domain vergibt, an eine Briefkasten-Firma verkauft werden. "Internet-Gentrifizierung", kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 17.01.2020

.org wird verkauft | Bild: BR

Ein Werbevideo: Lichtdurchflutete Büros, verglaste Konferenzräume, junge Leute, die in die Hände klatschen und enthusiastisch irgendwelchen Kollegen irgendwas auf irgendwelchen Laptops zeigen. Das Video, das so clean wirkt wie eine mit Sagrotan desinfizierte Sagrotanflasche, wurde im November auf Youtube gestellt und bewirbt die Top-Level-Domain .org. Die Frage ist nur: Warum wird plötzlich eine Top-Level-Domain angepriesen? Noch dazu eine, wie .org?

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Get to Know the New .ORG | Bild: Public Interest Registry (via YouTube)

Get to Know the New .ORG

Dazu muss man wissen: Die Endung .org war ursprünglich für nichtkommerzielle Organisationen bestimmt. Org. das ist also so etwas wie das selbstverwaltete Jugendzentrum unter den Top-Level-Domains. Und dieses selbstverwaltete Jugendzentrum könnte jetzt der Internet-Gentrifizierung zum Opfer fallen.

.Org soll an eine Investment-Firma verkauft werden

Schon im November wurde bekannt, dass die gemeinnützige Firma, die .org und andere Domains vergibt, an eine Investment-Firma verkauft werden soll. Genauer: an eine, die, wie sich diese Woche herausstellt, nur den Kauf für eine andere Firma eingefädelt hat mit dem Namen "Purpose Domains Direct". "Purpose Domains Direct" wiederum ist eine Briefkastenfirma und wer dahintersteckt, das weiß man nicht. Mittlerweile wurden Details zum Verkauf veröffentlicht, aber immer dann, wenn es spannend wird, sind die entscheidenden Stellen geschwärzt.

Um das Ganze nochmal zusammenzufassen: Man will ein gemeinnütziges Unternehmen, das Domains für nicht-kommerzielle NGOs verwaltet, an eine windige, intransparente und dubiose Briefkastenfirma verkaufen. Selbst wenn Andi Scheuer den Deal einfädeln würde, würde es wohl nicht so schmierlappig ablaufen. Und: Das gemeinnützige Unternehmen, die die .org-Domain vergibt, ist mittlerweile zu einer Art schnöden GmbH umgewandelt worden.

Seiten wie Netzpolitik.org sind betroffen

Eine Seite, die von der Kommerzialisierung von .org betroffen sein wird, ist netzpolitik.org. Ihr Gründer Markus Beckedahl fürchtet deshalb, dass .org-Domains in Zukunft teurer werden.

Markus Beckedahl von netzpolitik.org

"Das hat vor allem Auswirkungen auf viele kleine NGOs und gemeinwohlorientierte Organisationen, die sich Preissteigerungen vielleicht nicht bei ihren Domain-Kosten leisten können", sagt er. Markus Beckedahl störe vor allem, dass die Kontrolle an eine wichtige, gemeinwohl-orientierte Infrastruktur an eine dubiose, intransparente Firma abgegeben wird.

Damit das nicht passiert, haben nun Internetpioniere, Netzaktivisten und andere Vorkämpfer des freien Netzes, eine eigene gemeinnützige Genossenschaft gegründet. Das Ziel: .org selbst zu kaufen.


3