Bayern 2 - Zündfunk


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#failoftheweek Warum digitale Fans im Stadion ein überflüssiger Trend sind

Leere Stadien, kaum Atmosphäre: Corona hat die Fans aus den Kurven verbannt. Ein US-Fernsehsender platziert deswegen nun virtuelle Zuschauer auf den Rängen. Was für eine bescheuerte Idee, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 07.08.2020

Screenshot aus Fifa | Bild: picture alliance/Pressefoto Baumann

Baseball in den USA, die New York Mets gegen Boston Red Sox. Zwei traditionsreiche Teams, die von ihren Fans nach vorne gepeitscht werden. Wobei diese „Fans“ nur im Fernsehen zu sehen sind, denn das Stadion ist Corona-bedingt leer, wie die Meisterschaftsvitrine von Bayern 04 Leverkusen. Der Sender Fox News hat Fans am Computer zusammencoden lassen, um die Geisterspiele am TV-Gerät atmosphärisch ein wenig aufzubrezeln. Aus der Entfernung fällt der Unterschied kaum auf, aber kuckt man genau hin, dann sieht man schon, dass viele der Computerfans das gleiche T-Shirt tragen und irgendwie schaufensterpuppig aussehen.

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FOX MLB intro | BOS@NYM | 7/30/2020 | Bild: Sports HQ (via YouTube)

FOX MLB intro | BOS@NYM | 7/30/2020

Schaufensterpuppen im Stadion

Na gut, immerhin: Der Anbieter der Computerfans verspricht zahlreiche sensationelle Features. Die Fans sind passend zu den jeweiligen Teams bekleidet, man kann ihr Outfit dem Wetter anpassen, sogar aus Enttäuschung das Stadion verlassen können sie und noch vieles es mehr:

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'Virtual fans' will fill MLB grandstands, cheer and boo teams during Fox | Bild: Sport News (via YouTube)

'Virtual fans' will fill MLB grandstands, cheer and boo teams during Fox

In der Praxis allerdings sorgen die Fans aus Bit und Bytes aber nicht gerade für Gänsehautstimmung. Sie jubeln immer gleich oder zu spät, Stichwort: Latenz. Aber vielleicht kann man das ja mit dem nächsten Update fixen. Digitale Fans sind, wen wunderts, bereits in China im Einsatz. Auch in der spanischen Fußballliga denkt man offenbar über den Einsatz solcher Computerfans nach. Klar, vermutlich sind Cyber-Fans immer noch ein besserer Fan-Ersatz als die Sexpuppen, die im Mai in der südkoreanischen Fußballliga auf den Tribünen platziert wurden.

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WELT 19.05.2020 | 15:03 Uhr Wenn Sexpuppen beim Geisterspiel zuschauen https://t.co/qI7lHT4A7J https://t.co/0OgnxsHREh

Wenn Sexpuppen beim Geisterspiel zuschauen https://t.co/qI7lHT4A7J https://t.co/0OgnxsHREh | Bild: welt (via Twitter)

Keimfreie virtuelle Jubelperser, die jedes Kacktor abfeiern

Vor allem aber sind sie praktisch, zumindest aus Sicht der Fernsehsender und der Liga-Apparatschiks. Computerfans werden wohl kaum Bengalos zünden oder „Dietmar Hopp, Du Sohn einer Mutter“-Plakate entrollen. Stattdessen sind sie keimfreie virtuelle Jubelperser, die auch wirklich jedes Kacktor und jeden Anschlusstreffer zum 6:1 abfeiern, als hätte Mario Götze im WM-Finale gerade den Ball in den Giebel geknallt. Und sollte die Stimmung doch mal mau sein, dann schreit Uli Hoeneß wenigstens nicht mehr die eigenen Fans an, sondern schickt irgendeinem hippen Startup aus Berlin-Mitte eine gesalzene Ansage via Slack. Virtuelle Fans könnten also den Sport langweiliger und meisterproppiger machen. Aber alles, was digital ist, lässt sich auch hacken. Und so ruht die Hoffnung darauf, dass ein paar schlaue Computerfreaks der Welt zeigen, was eine virtuelle Blutgrätsche ist.


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