Bayern 2 - Zündfunk


40

Nie wieder tanzen Vier Gründe, warum die Clubs aus unseren Städten verschwinden

Wenn es um das "Clubsterben" geht, denken viele an Konflikte mit den Nachbarn. Doch das Verschwinden der Clubs hat auch Gründe, die die wenigsten auf dem Schirm haben. Hier lest Ihr, welche und wie sich Betreiber dagegen wehren.

Von: Andrej Prescher

Stand: 11.11.2019

Menschen tanzen ausgelassen zu Musik | Bild: picture alliance / Photoshot

Seit 16 Jahren betreibt David Süß das Harry Klein in München. Die Gründe, warum viele Clubs schließen müssen, sind vielfältig, sagt er: "Die Milchbar macht das Gastro-Silvester. Die gehen durch alle Läden, alle Bars und haben festgestellt, dass im Verlauf der letzten fünf Jahre das, was sie als Clubs bezeichnen, um die Hälfte abgenommen hat". Das sind die vier Gründe, warum immer mehr Clubs dichtmachen.

Grund eins: Guter Schallschutz ist teuer

Der erste Grund: Die hohen Kosten für Schallschutz. David Süß zeigt im Untergeschoss des Harry Klein zum Beispiel auf einen gelben Metallblock, eine massive Feder, die wummernde Bassfrequenzen herausfiltert. Insgesamt elf dieser Federn machen das Harry Klein nach außen hin geräuschlos.

"Wir haben hier 850.000 Euro in Schallschutz investiert", sagt Betreiber David Süß. Trotzdem hätte schon in der ersten Nacht ein Nachbar beim KVR angerufen und sich über die Gäste beschwert. Sie seien auf der Straße zu laut gewesen.

Grund zwei: steigende Grundstückspreise und Mieten

Neben Schallschutz und Nachbarn gibt es jedoch auch noch andere Probleme. Zum Beispiel die stetig steigenden Mieten und Preise für Grund und Boden.

Wo früher die Münchener Kultfabrik war, stehen jetzt Büros und ein Riesenrad.

Es ist kein Zufall, dass die Podiumsdiskussion der Linkspartei zum Thema „Mietenwahnsinn stoppen“ im Harry Klein stattfindet. Caren Lay vertritt die Linkspartei im Bundestag und setzt sich für die Erhaltung der deutschen Clubkultur ein.

"Clubs sind Teil dieser ganzen kapitalistischen Verwertungslogik", sagt sie. Es gehe darum, möglichst viel Geld aus einem Grundstück herauszuholen. Da stünden viele Clubs leider Gottes im Weg. Sie seien eben nicht kommerziell und würden auch nicht so viele Einnahmen liefern wie zum Beispiel Luxuswohnungen.

Lösungen sind für Caren Lay nur auf Bundesebene möglich und ein Antrag der Linken im Bundestag soll hier helfen. Die Forderungen: Lärmschutzfonds sollen Clubs bei baulichen Maßnahmen finanziell unterstützen, mietrechtliche Änderungen sollen Clubs vor Verdrängung bewahren, Förderprogramme sollen aufgestockt werden.

Grund drei: Clubs stehen baurechtlich auf der gleichen Stufe wie Sexshops

Voraussetzung für diese Lösung der Linkspartei ist allerdings eine Änderung im Baurecht. Denn hier gelten Clubs bisher noch als sogenannte Vergnügungsstätten. Auch für David Süß ist das ein großes Problem: "Wenn wir heute einen Club aufsperren, haben wir da ein DJ-Pult stehen. Dann sind nicht nicht mehr gastronomischer Betrieb, sondern Vergnügungsstätte". Baurechtlich sei es nun leider so, dass solche Vergnügungsstätten nicht in Baugebieten stehen dürfen, sagt der Club Betreiber.

Diskussionsrunde im Harry Klein in München

Das mache das finden für Räume besonders schwierig. Außerdem will David Süß nicht, dass Clubs mit anderen Vergnügungsstätten wie Spielhallen, Sex-Shops oder Bordellen in einen Topf geworfen werden. Er wünscht sich, dass Clubs stattdessen zu "Anlagen kultureller Zwecke" werden. Wie Theater.

Anlagen kultureller Zwecke genießen nicht nur eine höhere Wertschätzung, sondern auch Vorzüge wie längere Kündigungsfristen oder besseren Schutz vor Mieterhöhungen. Auch Die Grünen versuchen mit einem ähnlichen Antrag, den Druck auf die Bundesregierung weiter zu erhöhen. Ob die Forderungen tatsächlich durchgesetzt werden können, steht jedoch noch in den Sternen.

Grund vier: Clubsterben ist oft nur in Städten Thema

Doch eine Frage bleibt: Ist das Schlagwort "Clubsterben" überhaupt Thema außerhalb von Metropolen, wie Berlin oder München? Jein, sagt Sebastian Wild, der Geschäftsführer der Nürnberger Musikzentrale. Von einem Clubsterben möchte er nicht sprechen, aber auch hier gibt es Herausforderungen, wie steigende Mieten oder Anwohnerbeschwerden. Mögliche Chancen sieht er jedoch nicht nur auf bundespolitischer Ebene, sondern vor allem in städtischen und regionalen Kooperationen.

Sebastian Wild sitzt zum Beispiel in einem Arbeitskreis, der die Stelle eines Nachtmanagers in Nürnberg vorbereitet. "Da gibt es jetzt auch Kontakt zu Landtagsabgeordneten", sagt er. Es bestünde durchaus Hoffnung, dass das Anliegen nicht nur von Seiten der Betreiber oder der Clubszene unterstützt wird. Für ihn besteht durchaus Grund zur Hoffnung, dass das Thema "Clubsterben" auch in der Politik angekommen ist.


40