Bayern 2 - Zündfunk

#failoftheweek Warum der Weltraum-Trip von Richard Branson eine gute Sache ist

Ja, der Weltraumflug von Richard Branson war cringe as hell. Und trotzdem ist die Kritik daran auch etwas kleingeistig. Denn es gibt gute Gründe, sich ins All aufzumachen, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 16.07.2021

11.07.2021, USA, Truth or Consequences: Richard Branson, Unternehmer aus Großbritannien, beantwortet während einer Pressekonferenz im Spaceport America Fragen. Der britische Milliardär Branson ist mit seinem Raumschiff noch vor Amazon-Gründer Bezos ins Weltall geflogen und wohlbehalten wieder auf der Erde gelandet. Die «VSS Unity» stieg heute Bransons Firma Virgin Galactic zufolge nach dem Start im US-Bundesstaat New Mexico auf eine Höhe von mehr als 80 Kilometern. Foto: Susan Montoya Bryan/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Susan Montoya Bryan

„Tubular Bells“, so heißt das Debütalbum von Mike Oldfield aus dem Jahr 1973. Es gilt als stilprägendes Werk, dass das Kunststück geschafft hat, sowohl Kritikerliebling zu sein, als auch kommerziell erfolgreich. Tja, aber leider ist „Tubular Bells“ auch schuld daran, dass wir gerade einen der größten Schwanzvergleiche in der jüngeren Milliardärsgeschichte erleben müssen: Denn Richard Branson ist ins All geflogen. Vor Jeff Bezos, der schon länger drüber redet, aber erst am 20. Juli startet.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Virgin Galactic's First Fully Crewed Spaceflight #Unity22 | Bild: Virgin Galactic (via YouTube)

Virgin Galactic's First Fully Crewed Spaceflight #Unity22

Der Richard Branson, dem das Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic gehört, das er aber nicht hätte gründen können, wenn er nicht ein paar Jahrzehnte vorher das Musiklabel Virgin Records gegründet hätte, das wiederum ziemlich sicher ein ziemlicher Flop geworden wäre, wenn es nicht vorher den bis dato eher unbekannten Bassisten Mike Oldfield unter Vertrag genommen hätte, der dann mit „Tubular Bells“ die Musikwelt aufgemischt hat. Ja, letztlich kann man sagen führt eine direkte Linie vom Postrock des britischen Experimentalmusikers zum dekadenten All-inclusive-Weltraum-Urlaub für Leute, die nicht wissen wohin mit ihrem Geld. Über den Weltraum-Milliardär Branson gibt es deswegen jetzt auch ganz viel Empörung: Kann man das Geld nicht sinnvoller ausgeben? Können wir nicht erst einmal unsere Probleme auf der Erde lösen? Hat denn schon mal jemand darüber nachgedacht, wie viel CO2 so ein Weltraumflug kostet? Kann man seine Millardärs-Mitlifecrisis nicht anders ausagieren? Und überhaupt: Was ist das den bitte für eine kringelige PR-Show gewesen?

Probleme lösen

Und ja: das stimmt schon alles. Und trotzdem ist das auch etwas kleingeistig. Denn Weltraum-Trips können uns dabei helfen, die Probleme zu lösen, die wir hier haben, hier auf unserem kleinen Popel-Planeten. Damit ist nicht nur gemeint, dass Astronauten immer wieder berichten, dass man vom Weltraum die Erde angeblich als besonders zerbrechlich wahrnimmt und regelrechte Muttergefühle für sie entwickelt. Es geht um auch ganz handfeste Dinge. Asteroiden beherbergen beispielsweise Mineralien und andere Stoffe, die die Herstellung von Batterien revolutionieren könnten. Solarkraftwerke im All könnten uns helfen, unsere Energie sauberer und effizienter zu erzeugen. Bransons Raumschiff kommt zwar gerade mal in den Erdorbit, aber in einigen Jahren kann man damit möglicherweise nicht nur Touristen durchs Vakuum kutschieren, sondern auch Forscher und Wissenschaftler ins All bringen. Sich in den Weltraum aufzumachen ist aus vielerlei Gründen also eine gute Sache, auch wenn man dort dann, so wie Richard Branson, erstmal nur ein bisschen rum-post.

NASA - chronisch unterfinanziert

Richard Branson, Jeff Bezos oder Elon Musk füllen eine Lücke, die die Staaten selbst gerissen haben. Denn staatliche Weltraumbehörden wie die NASA sind chronisch unterfinanziert: Und wenn der Staat sich dann doch mal ein bisschen was traut, wie beispielsweise Bayern mit seinem kleinen Weltraumprogramm Bavaria One, dann wird kübelweise Häme drüber ausgeschüttet. Auch deswegen sind die staatlichen Weltraum-Agenturen längst keine Innovationstreiber mehr und so müssen nun eben egomanische Milliardäre einspringen. Wir sollten Richard Branson also trotzdem irgendwie dankbar sein und damit auch, ja genau: Mike Oldfield.  

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Tubular Bells (Pt. I) | Bild: Mike Oldfield - Topic (via YouTube)

Tubular Bells (Pt. I)