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Never again! Warum Beyond Meat Burger nichts für Vegetarier sind

Er blutet und schmeckt wie ein echter Burger. Besteht aber aus Erbsenprotein und Rote Beete. In den USA ist der Beyond Meat Burger schon seit zwei Jahren Food Trend Nummer eins, nun flippen auch hierzulande die Vegetarier aus. "Nein danke!", sagt Sebastian Spallek.

Von: Sebastian Spallek

Stand: 25.06.2019

Beyond Meat Burger | Bild: Beyond Meat Inc. / Bearb. BR

Ich bin Vegetarier, aus Gründen. Und sitze jetzt im hippen Burgeramt in Berlin Friedrichshain und bekomme schwitzige Hände. Vor mir liegt etwas, dass in jeglicher Hinsicht echtem Fleisch gleicht: Der „Beyond Meat“-Burger. Das Fleisch, für alle die kein Fleisch essen wollen. Nach dem ersten Bissen verspüre ich ein seltsames Aufeinanderprallen von ultimativem Ekel, absoluter Verwunderung und alten Erinnerungen aus meiner fleischfrönenden Jugend. Ich krieg das Ding fast nicht runter und überlege: Verarscht das Burgeramt mit diebischer Freude Vegetarier und serviert ihnen einfach echtes Fleisch? Für mich steht fest: Never again!

Aber fangen wir von vorne an: Fleischessen schadet. Fleischessen schadet dem Klima, denn kein Lebensmittel hat eine schlechtere CO2-Bilanz. Fleischessen schadet den Tieren, denn das meiste Fleisch wird in Massentierhaltung unter ethisch unvertretbaren Bedingungen produziert. Wer Fleisch isst, schadet letztendlich sich selbst. Denn ein hoher Fleischkonsum kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Darmkrebs und Übergewicht führen. Aber dies hier soll kein Rant gegen Fleischkonsum werde, denn die genannten Fakten sind für den hartgesottenen Omnivoren nur Binsenweisheiten, die ihn nicht hinter seinem Weber-Grill hervorlocken.

Nicht gleich haten

Hier geht es um die Fleischersatzprodukte. Und bevor jetzt der immer gleiche, wütende Mob aufschreit, der Veggie-Wienern und Tofu-Bolognese ihre Existenzberechtigung abspricht, nochmal zum mitschreiben: Natürlich schmeckt Fleisch und Wurst den meisten. Wir wurden so sozialisiert; das fängt schon mit dem Stück Gelbwurst beim Metzger an und war auch bei mir so. Vegetarier wird man meistens aus ethischen Gründen, es geht ums Tierwohl und die Umwelt. Der Verzicht auf Fleisch ist für viele in der Übergangsphase zum Vegetarismus schwierig und wird mit solchen Ersatzprodukten vereinfacht.

Pissgelbe Pseudowurst

Lange war die Palette an Fleischersatzprodukten eher räudig. Pissgelbe Pseudowurst, die auch so schmeckte, war vor zehn Jahren das Non plus ultra. Doch es hat sich was getan in der Kühltheke: Startups aus dem Silicon Valley forschen an neuen Formen des Fleischersatzes. Je näher sich der Geschmack dabei an ein tierisches Produkt annähert, umso besser. Der neueste heiße Scheiß im Vegiversum ist nun also der Beyond Meat-Burger. Die größten Unterstützer: Bill Gates und Leonardo di Caprio.

Der Beyond-Burger blutet

Der Beyond-Burger besteht größtenteils aus Erbsenprotein, Ölen und Rote Beete und – er blutet. Konsistenz, Geschmack und Aussehen erinnern an ein medium gebratenes Hackfleisch-Patty. Der Burger kommt echtem Fleischgeschmack dabei so nahe, dass ich kaum einen Bissen herunterbringe. Leichtes Würgen inklusive. Als würde ich gerade genau das essen, was ich seit über zehn Jahren bewusst vermeide. Beyond Meat ist eben nichts für Vegetarier wie mich, sondern etwas für jemanden, der zwar Fleisch isst, sich aber bewusst gegen ein tierisches Produkt entscheidet.

Die Nachfrage ist riesig. In den meisten Lidl-Filialen, waren die Burger schon am ersten Tag vergriffen. Die Aktie des Beyond Start-Ups schießt in die Höhe. Die Wolves of Wall Street handeln jetzt also neben den Aktien von Heckler & Koch und Bayer auch mit den Aktien eines Start-Ups, das durch Veganismus vermeintlich die Welt retten will. Kapitalismus, du saftiges Stück!

Die neuen Fleischersatzprodukte sind ambivalent

Kurzum: Die neuen Fleischersatzprodukte sind ambivalent, denn bekanntlich hat alles ein Ende, außer der obligatorischen Wurst.  Auf der einen Seite ist die antikapitalistische Haltung der Fake-Fleisch produzierenden Silicon-Valley Unternehmen längst passé: Einen um die Welt geflogenen Veggieburger aus dem Labor für teuer Geld kaufen, um damit Börsenspekulationen zu finanzieren, leistet keinen großen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit.

Auf der anderen Seite wird dadurch eben der Fleischkonsum reduziert. Diese Reduzierung finde ich wiederum gut für Tier und Umwelt. Leicht uncoole Mainstream-Meinung, aber Tierwohl und Umweltschutz sind mir schon wichtig.

Beyond Beyond Meat

Sollen die kalifornischen Fleischersatz-Start Ups ruhig weiter ihr Fleisch aus dem Labor produzieren, solange es einen Beitrag zugunsten unseres Planeten leistet. Es wäre aber zu hoffen, dass deren US-Monopol bald zerschlagen würde und sich auch andere, kleinere Firmen am Markt etablieren. Die Zeit wird kommen, in der man sich erst Kesselfleisch und anschließend Presssack reinpfeifen kann – alles Veggie versteht sich. Finde ich aus ethischer Sicht zwar vertretbar, aber bitte ohne mich: Ich brauche kein Fake-Blut.


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