Bayern 2 - Zündfunk


9

Die "Wall of Moms" Diese Mütter stellen sich schützend vor die Demos in Portland

In Portland, Oregon sendet das Weiße Haus Truppen des Heimatschutzministeriums gegen "Black Lives Matter"-Demonstrierende ins Feld. Jetzt mobilisieren sich Mütter und bilden Schutzschilde um die Proteste.

Von: Anna Klühspies

Stand: 23.07.2020

Wall of Moms | Bild: picture alliance/dpa

Joselyn Merril ist Mom und lebt in Portland. Mit anderen Muttis bildet sie eine Mauer, seit knapp einer Woche sind sie jede Nacht auf den Straßen Portlands unterwegs. Sie tragen dabei gelbe T-Shirts, Arm- und Beinprotektoren und Fahrradhelme. Schwimmbrillen sollen gegen das Tränengas helfen. So ausgerüstet bauen sie sich vor den Truppen auf, die Donald Trump nach Portland entsendet hat. Denn dort protestieren seit über 50 Tagen, seit dem Mord an George Floyd, Weiße und Schwarze zusammen. Sie machen klar: “Black Lives Matter”.

Moms gegen Tränengas

Ungefährlich ist das nicht. Bev Barnum ist die Ober-Mum, mit ihrem Facebook-Post hat sie letzten Samstag die Aktionen initiiert. Und sie hat schon jede Menge aushalten müssen. "Ich würde euch gerne erzählen, wie heldenhaft ich bin - aber ich bin es nicht, es macht mir total Angst", erzählt sie dem US-Sender MSNBC. "Das ganze Tränengas, ich musste kotzen, ich hab nichts mehr gesehen, es war, als wäre ich blind."

Trotzdem: Am nächsten Abend war Bev wieder da. Mitten drin in dieser verrückten Situation: Mütter und Väter beschützen mit ihren Körper das Demonstrationsrecht ihrer Kinder. Vor Polizeitruppen, die eigentlich die Bürger beschützen sollten. Und Spezialeinheiten des Heimatschutzes, gegründet nach 9/11, um Terror von außen abzuwehren. Nun bringen sie selbst Terror, finden die Mütter der "Wall of Moms".

Tweet-Vorschau - es werden keine Daten von Twitter geladen.

Senator Jeff Merkley 22.07.2020 | 22:38 Uhr These scary moms are who @realDonaldTrump is sending his secret police after. They've tear gassed the Wall of Moms and other protesters last several nights. (📹: @MrOlmos) https://t.co/xNT9mbDHF8

These scary moms are who @realDonaldTrump is sending his secret police after. They've tear gassed the Wall of Moms and other protesters last several nights. (📹: @MrOlmos)
https://t.co/xNT9mbDHF8 | Bild: SenJeffMerkley (via Twitter)

Eine "private Miliz" für Donald Trump?

Bürgerrechtsbewegungen und die Generalstaatsanwaltschaft von Oregon wollen mit Klagen gegen das Weiße Haus vorgehen. In den USA mehren sich Stimmen, wonach Trump den Hauch eines Bürgerkriegs inszeniert. Wohl mit der Absicht, die Chancen auf seine Wiederwahl zu erhöhen. Da geht selbst Tom Ridge nicht mehr mit. Er war von 2003 bis 2005 der Präsident des Heimatschutz-Ministeriums, also der frühere Boss der Truppen, die Trump nun auf die Bürger los schickt. In einem Telefoninterview mit dem Michael Smerconish Program sagt er: “Die Behörde wurde eingerichtet, um unser Land besser vor globalem Terrorismus zu schützen. Und nicht, um die private Miliz von Präsident Trump zu sein.”

Die "Wall of Moms" will sich weiterhin gegen diese "private Miliz" von Donald Trump stellen, Nacht für Nacht in Portland. Trumps Tweets gegen die eigene Bevölkerung kann man notfalls ignorieren, so weh sie auch tun mögen. Trumps Truppen gegen die eigenen Kinder, das ist zu viel, sagt Joselyn Merril. "Als Air Force Veteranin bin ich geschockt, dass sowas auf amerikanischen Boden passiert. Das Leben von Menschen wird bedroht, die nichts anderes tun, als die amerikanische Verfassung zu beschützen."


9