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Vier Jahre Trump Die vier schlimmsten Sünden, die der (noch) amtierende Präsident zu verantworten hat

Eigentlich kann uns in Deutschland egal sein, wer US-Präsident wird. Laut den Medien gibt es eh ganz andere Faktoren, die das Weltgeschehen prägen. Aber ist das wirklich so? Ein Rückblick der letzten vier Trump-Jahre zeigt: Ganz so egal ist es dann doch nicht, wer in den USA das Sagen hat. Ein Kommentar.

Von: Ferdinand Meyen

Stand: 03.11.2020

Donald Trump vor einer USA-Flagge. | Bild: picture alliance / abaca

Mein Friseur hat heute Morgen gesagt, er traut Donald Trump nicht über den Weg. Friseure als Polit-Experten, dachte ich erst. Als nächstes reden Schlager-Stars noch über Virologie. Trotzdem: Ein Mann von einem fremden Kontinent hat es irgendwie geschafft, meinen Friseur in München mit Sorge auf die bevorstehende US-Wahl blicken zu lassen, hat ihn politisiert. Und ich kann es verstehen. Wie viele hegt er ein Unbehagen gegen Trump, das nur schwer auf einen Nenner zu bringen ist. Kein Wunder, denn laut Washington Post hat Trump während seiner Amtszeit über 22.000 Lügen erzählt. Er hat also in vier Jahren 1.375 mal öfter gelogen, als ich zum Friseur gegangen bin.

Ein Skandal jagt den nächsten und den nächsten und den nächsten. Und dann kommt wieder ein neuer Skandal und man hat vergessen, worüber man sich eigentlich ursprünglich aufgeregt hat. Und auch jetzt wieder: Wir wundern uns über Trumps Lügen über Corona – und verlieren die Politik aus dem Blick, für die der Präsident in den letzten vier Jahren eingestanden ist. Diese vier Sünden sollten wir nicht vergessen. Trotz Corona.

1. Klima-Killer

„I am an environmentalist. I have done more for the environment, then any other president or person that is even close to president“, sagte der Präsident in einer seiner Reden. Donald Trump, Umweltschützer? Klingt wie Karl Lauterbach, Corona-Lockerer. Okay, dass Trump aus dem Pariser Klima-Abkommen ausgestiegen ist, kann man kritisieren. Aber vor dem Hintergrund, dass auch die Länder im Abkommen sich nicht wirklich daran halten, ist er wenigstens ehrlich. Oder? Nix da. 99 Rollbacks hat der US-Präsident in vier Jahren auf den Weg gebracht, schreibt die New-York-Times. Und dadurch sind 70 zuvor geltende Umweltschutzgesetze in den USA bereits vollständig gekippt. Das kann fatale Folgen haben, sagen Forscher*innen – neben den tausenden Corona-Toten könnte Trump auch über tausend Tote allein wegen Luftverschmutzung und viele zusätzliche Tonnen Treibhausgas auf dem Gewissen haben.

2. Der Drohnenkrieg

Trump war in den letzten vier Jahren nicht nur Klimasünder. Auch die Anzahl der Drohnenangriffe und die Anzahl der zivilen Opfer durch US-Drohnenangriffe war unter dem Republikaner so hoch wie unter keinem anderen US-Präsidenten. Besonders stark in Erinnerung bleiben wird dabei das hier: „Last night at my direction the US-Military executed a precision strike that exectured the worlds number one terrorist Quasem Soleimani.“ Gefühlt aus einer anderen Zeit, aber die gezielte Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani im Januar 2019 am Flughafen in Bagdad war ein außenpolitischer Skandal. Eine Drohne, die einfach ein Auto in die Luft sprengt: Laut UNO-Bericht eine illegale und menschenrechtswidrige Tat.

3. Steuerbetrug

Kein Witz: Dafür bereitet die Staatsanwaltschaft in Manhattan gerade ein Strafverfahren vor, das Trump nach der Wahl ins Gefängnis bringen könnte: Die Vorwürfe: Fälschung von Geschäftsunterlagen, Versicherungsbetrug, Veruntreuung von Geldern, Steuerbetrug. Man kann es eigentlich gar nicht fassen, aber laut einem Bericht der New York Times soll der US-Präsident in den Jahren 2016 und 2017 je nur 750 Dollar Steuern bezahlt haben.

4. Flüchtlingsfamilien

Achtung, das ist besonders hart: Über 5.400 Kinder sollen im Jahr 2017 an der mexikanischen Grenze von ihren Eltern getrennt worden sein. Und im Jahr 2019 kommt es noch heftiger, sechs migrantische Kinder sterben in US-Haft – wegen mangelnder medizinischer Versorgung. Tausende klagen zudem über Übergriffe und Missbrauch in den Gefängnissen. Und wenn eine Richterin in Los Angeles ihn im November 2019 nicht gestoppt hätte, hätte Trump die Zuwanderungsgesetze und Strafen für illegale Einwanderer noch weiter verschärft. Ein großes Thema auch in den Präsidentschaftsdebatten drüben, das im Corona-Wirbel fast schon untergeht – denn Trump will von seinen Fehlern nach wie vor nichts wissen. Im neuesten TV-Duell machte er Koyoten und Kartelle dafür verantwortlich, dass die Kinder die Grenze alleine überqueren. Dass seine Beamten die Familien an der Grenze gezielt trennen, verschwieg er.

22.000 Lügen während der Amtszeit

Meinen politisch versierten Friseur haben diese Sünden heute morgen in seiner Meinung über Trump nur bestätigt, auch wenn er bei weitem nicht so klimakritisch ist wie ich. Eine Sache hat ihm heute früh aber doch ein Lächeln ins Gesicht gezaubert: Donald Trump gibt jährlich 70.000 Dollar für seine Haare aus. Diese Frisur, hat mein Friseur dann gesagt, kriegt er für dreißig Euro besser hin.


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