Bayern 2 - Zündfunk


10

Es muss nicht immer Netflix sein Vier coole Indie-Streaming-Plattformen abseits des Mainstreams

Disney, Amazon, Netflix und co. ringen im Moment um die Gunst der Abonnenten. Dabei muss man keinen großen Player mitfinanzieren, um gute Filme zu sehen. Es gibt auch coole Indie-Plattformen abseits des Mainstreams.

Von: Roderich Fabian

Stand: 01.04.2020

geschlossen wegen Corona | Bild: dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Alle streamen wie die Irren, weil alle zuhause sind. Wobei die Goldene Regel gilt: Niemals einfach nur reinschauen, „was es so gibt“ bei Netflix, Amazion & Co. Dann wird man von einem vermeintlichen Überangebot erschlagen und weiß, dass jede Entscheidung auf jeden Fall falsch sein kann, was einen frustriert zurücklässt. Besser ist, man weiß ein bisschen, was man will und schaut sich auch mal in der kleinen Spezialisten-Klitsche im Netz um. Die schließen in Zeiten der Ausgehbeschränkung nämlich gerade aus dem Boden.

1. Grandfilm

Grandfilm ist ein Independent-Filmverleih in Nürnberg. Die Firma steht für Filmkunst jenseits der anglo-amerikanischen Welt, bringt Werke aus Afrika und Südamerika, aber auch aus Polen und Frankreich in die Kinos, in der Regel im Original mit Untertiteln. Grandfilm bietet jetzt einen eigenen Streamingdienst auf ihrer Webseite mit großartigen, teilweise preisgekrönten Werken wie „Angelo“ über einen afrikanischen Dienstboten im 18. Jahrhundert oder Bruno Dumonts eigenwillige Auslegung der Geschichte von „Jeanne D’Arc“, die ebenfalls gerade erst im Kino zu sehen war.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

La Flor (offizieller Trailer) | Bild: GRANDFILM (via YouTube)

La Flor (offizieller Trailer)

Und wer mal anspruchsvoll Binge-Watchen will, für den gibt es den Film „La Flor“. Der hochgelobte 16stündige, feministische Episoden-Film aus Argentinien bringt einen elegant übers Wochenende und darüber hinaus.

Bei Grandfilm muss man jeden Film einzeln kaufen. Die meisten kann man zum Beispiel für 9,99 Euro 30 Tage lang streamen.

2. Salzgeber-Verleih

Auch der Berliner Salzgeber-Verleih, früher vor allem Heimat des queeren Films, längst aber viel breiter aufgestellt, bietet viele seiner Filme im „Salzgeber Club“ als Video on Demand an. Der Verleih wollte Anfang April eigentlich das Drama „Kopfplatzen“ mit Max Riemelt in die Kinos bringen. Jetzt erscheint der Film hier einfach als Video-on-Demand-Premiere.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Kopfplatzen Trailer Deutsch | German [HD] | Bild: Edition Salzgeber (via YouTube)

Kopfplatzen Trailer Deutsch | German [HD]

Die eindrucksvolle und kontroverse Geschichte eines Pädosexuellen hätte eine Auswertung auf der großen Leinwand verdient gehabt, aber Salzgeber Film wollte nicht - wie die meisten anderen Verleiher - alles auf die Zeit nach der Corona-Krise verschieben. Denn dann werden sich die Neuerscheinungen stapeln.

Ab dem 02.04. zeigt der Salzgeber Club online immer Donnerstags einen Film. Dieser wird 4,99 Euro kosten.

3. MUBI

Aber bietet die verordnete Pflicht zum Zuhause-Bleiben nicht auch die Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen? Dafür bietet sich die handverlesen sortierte Streaming-Plattform MUBI an.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

BACURAU | Official UK Trailer #2 | Now Showing on MUBI | Bild: MUBI (via YouTube)

BACURAU | Official UK Trailer #2 | Now Showing on MUBI

Hier gibt es nur 30 Filme zu sehen, jeden Tag verschwindet einer und kommt einer hinzu. Das Angebot reicht von Klassikern wie Charlie Chaplins „Großen Diktator“ über Francois Ozons starbesetzte Arthouse-Komödie „8 Frauen“ bis zu Uli Seidls sarkastischem Dokumentarfilm „Safari“ über Hobby-Jäger.

Mubi kostet monatlich 5,99 Euro.

4. Popcorntimes.tv

Mubi kostet - wie die anderen Streamingdienste - eine Abo-Gebühr. Anders ist das bei der relativ neuen und werbefinanzierten Seite „Popcorntimes.tv“. Hier sind die Streams gratis, allerdings sind die Filme entweder Asbach-uralt - ich denke da an Stummfilme von Buster Keaton oder Laurel & Hardy - oder einfach auf anderem Wege nicht mehr zu vermarkten, also der Trash der letzten 100 Jahre. Aber mit ein bisschen Stöbern findet man doch ab und zu ein Popcorn, z.B. Alfred Hitchcocks „Ich kämpfe um dich“ von 1945, also „Spellbound“ mit Gregory Peck und Ingrid Bergmann.

Also: Es muss nicht immer Netflix sein. Und man kann manchmal sogar etwas für die gebeutelten Kinos tun. Der eingangs erwähnte Grandfilm-Verleih aus Nürnberg teilt seine Streaming-Einnahmen fifty/fifty mit befreundeten Kinos in ganz Deutschland.

Und natürlich gibt es auch die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender. Wie zum Beispiel auch die BR-Mediathek, die im Moment Humoresken mit Gerhard Polt zeigt.


10