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Album der Woche: "Vessel" Frankie Cosmos werden als die Retter des Indiepop gefeiert - zurecht

Die Welt hat Lust auf Frühling! Und niemand verkörpert das zurzeit so gut wie Frankie Cosmos. Leicht und unschuldig kommen die Songs von Greta Kline daher. In den USA wird die Band deshalb schon als Retter des Indiepop gefeiert. Zurecht sagt Ralf Summer.

Von: Ralf Summer

Stand: 03.04.2018

„Vessel“ ist bereits das dritte Frankie Cosmos-Album, aber das erste beim renommierten US-Label Sub Pop. Der Opener „Caramelize“ verhandelt die Themen Einsamkeit und Schüchternheit. Auch “Apathy” handelt von Unsicherheit. Dabei könnte die Sängerin vor Selbstsicherheit nur so strotzen: Greta Kline ist die Tochter der Schauspieler Phoebe Cates und Kevin Kline. Die Mama spielte in “Gremlins” mit, der Vater erhielt für “Ein Fisch namens Wanda” den Oscar als bester Nebendarsteller. Tochter Greta will zwar nicht über Papa Kevin reden - übers Schauspielern aber durchaus. Das hat sie schon vor der Musik gemacht. “Ich liebe es, in einem Team zu sein. Das Schlimme beim Schauspielern ist nur: Du musst dich auf andere Leute verlassen, dass sie das Richtige für dich finden. In der Musik darfst du dir alles selbst aussuchen – auch die Hauptrolle. Ich glaube, an die Hauptrolle bin ich auch nur gekommen, weil ich eine Band gegründet habe. Da spiele ich nach meinem Drehbuch – wie ich will.”

„Jesse“ ist die erste Single der Platte und zurzeit das Lieblingslied von Greta Kline. Ein Stück, das wie die verschiedenen Musikphasen ihrer Jugend daherkommt: Durch ihren großen Bruder hörte sie erst Folk, dann Punk und schließlich Anti-Folk. Mit ihrer Band Frankie Cosmos vermischt sie das alles zu süßlichem Indiepop mit Schrammelgitarren. Auch Twee-Pop genannt – so wie ihn Bands wie The Pastels in den 80ern und Alvvays heute spielen.

Twee-Pop à la Pastels und Alvvays

Greta Kline ist 24 – und macht schon ein halbes Leben lang Musik. Mit zwölf hat sie angefangen als Schlagzeugerin in ersten Bands zu spielen. Und bald schon entdeckte sie die Plattform Bandcamp für sich. „Ich mag Bandcamp echt gern – es ist so einfach, deine Lieder mit Leuten zu teilen. Davor hab ich meiner Mutter oder Freunden mein Zeug als Email-Anhang geschickt. Das wirkte aber auf Dauer nicht so wie ein Link auf einer Website, auf der alle Stücke von dir versammelt sind. Als ich dann meine dürftigen Skizzen dort hochlud, hat sich alles echt angefühlt: Egal ob 30-Sekunden-Gesangsmemos oder ein Gitarrensolo, ab dem Zeitpunkt war es für mich irgendwie kein Kunstprojekt mehr, sondern echte Songs und richtige Alben. Was dazu führte, dass ich die Musik ernster nahm.“

„Being Alive“ ist einer der typischen Frankie Cosmos-Hits: Tempo- und Stimmungswechsel zwischen schnell und langsam, zwischen Kracher und Ballade. Die Qualität ihrer Songs wurde ganz früh in Deutschland entdeckt: Der Konzertveranstalter Peter Schneider aus Berlin buchte ihre erste Tour. „Ich kenne Peter Schneider schon lange. Er hat ein Video von mir gesehen und mir gemailt. Wir wurden Freunde. Er schickte mir Musik von DC Schneider – der Band seiner Tochter Leonie. Sie fragten mich, ob ich nach Deutschland kommen möchte. So tourten Frankie Cosmos mit DC Schneider und wir spielten unter anderem in Berlin, Dortmund und in München in der Glockenbachwerkstatt. Es war meine erste Tour überhaupt! Das war schon sehr verrückt, wer 2015 alles Shows von mir in Deutschland veranstaltet hat.“

Es gibt noch viel zu entdecken

Manchmal erinnern die Lieder an Moldy Peaches. Doch Gretas Texte sind nicht so abgedreht. Dafür hat sie ein größeres Popgespür. Auf Bandcamp hat sie ihre Musik unter anderem mit den Hashtags #sad, #secret, #stupid“ verschlagwortet. Sehr sympathisch. Dort gibt es noch so viel zu entdecken von ihr: Seit 2009 hat sie unheimlich viel hochgeladen an Singles, Maxis und Alben. Insgesamt 52 Veröffentlichungen! Als Ingrid Superstar, Little Bear und Frankie Cosmos. Da tut sich nun ein wahrer Kosmos auf. Wenn es nach mir geht, legen Frankie Cosmos den Indie-Durchbruch der Saison hin.


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