Bayern 2 - Zündfunk

Zündfunk präsentiert Lael Neale

Es ist ein Sound, der einen sofort warm umarmt. Ein bisschen wie ein Leierkasten auf dem Jahrmarkt. Aber dann irgendwie doch so erhaben und sakral wie eine Orgel. Vor allem, wenn Lael Neales Stimme einsetzt...

Von: Ann-Kathrin Mittelstraß

Stand: 20.10.2021

Lael Naele | Bild: Subpop Records

03 Februar

Donnerstag, 03. Februar 2022, 19:00 Uhr

Heppel & Ettlich, Feilitzschstraße 12, 80802 München:

Tickets ab 17,50 Euro via Clubzwei-reservix (Preise inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten pro Bestellung)

Wie Lael Neale mit traumhaften Songs das Omnichord wieder auf die Instrumenten-Landkarte packt

Lael Neale wuchs auf einer Farm im ländlichen Virginia auf und lebt seit nun fast zehn Jahren in Los Angeles. Dort arbeitete sie mit unzähligen Musikern und Produzenten zusammen, fühlte sich vom Sound ihrer Kollaborateure aber häufig erdrückt: „Every time I reached the end of recording, I felt the songs had been stripped of their vitality in the process of layering drums, bass, guitar, violin and organ over them. They felt weighed down.“

Anfang 2019 erwarb sie ein neues Instrument, das fortan zu ihrem treuesten Begleiter zählen sollte: das Omnichord.

"Ich bin auf das Omnichord gekommen, weil ich eigentlich einen bestimmten Orgelsound gesucht habe", erzählt Lael Neale. „Ich hatte ihn auf einem obskuren Song gehört und war besessen von dem Klang. Ein Freund meinte, das muss ein Novachord sein, ein Instrument das die Firma Hammond in den 1940ern gebaut hat und von dem es nur noch 200 Exemplare oder so gibt. Vergiss es, hat er gesagt, das findest du nicht. Aber hier, probier doch mal das Omnichord."

Auch bei Instrumenten zählen die inneren Werte

Von diesem kleinen, schäbigen Ding in der Plastikbox, das aussah wie ein Kinderspielzeug, war Lael Neale zuerst gar nicht begeistert. Als sie es dann aber doch mitgenommen und das erste Mal darauf gespielt hat, war sie hin und weg: „Es ist so einfach zu bedienen. Die Akkorde sind alle schon angelegt, man kann fast keine falsche Note spielen. Und alles klingt so harmonisch, man kann sich richtig darin verlieren.“

Die japanische Firma Suzuki hat das Omnichord Anfang der 80er auf den Markt gebracht. Ein birnenförmiges Plastikding mit lauter Knöpfen und Tasten. Es gibt voreingestellte Rhythmen und einen berührungsempfindlichen Sensor. Wenn man über den streicht, kam man sogar Harfensound erzeugen. Und der klingt nun wirklich ein bisschen wie aus dem Gameboy.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Lael Neale - For No One For Now [OFFICIAL VIDEO] | Bild: Sub Pop (via YouTube)

Lael Neale - For No One For Now [OFFICIAL VIDEO]

"Sowas beschäftigt mich sehr“

Fast 10 Jahre hat Lael Neale schon in Los Angeles gelebt, hat Songs geschrieben und ist in kleinen Clubs aufgetreten. Aber immer wenn’s um’s Aufnehmen ging, war sie wieder in denselben unangenehmen Studiosituationen. Mit technisch super versierten Leuten, die ihr immer nur ihren eigenen Sound aufdrücken wollten. Einer davon: ihr Musiker-Ex-Freund, mit dem sie 2015 ein Album herausgebracht hat. Üppig arrangierter Folk mit Streichern. Heute ist das Omnichord und ein einfacher Vier-Spur-Kassettenrekorder alles, was sie braucht.

Die Songs klingen wie herübergeweht aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt. Und ein bisschen sind sie das auch. Lael Neale, die auf einer Farm mitten im Nirgendwo in Virginia aufgewachsen ist, ist kein allzu großer Fan unserer immer digitaler werdenden Welt. Sie hat bewusst kein Smartphone. Und vielleicht deshalb einen besonders aufmerksamen, zutiefst empathischen Blick auch auf die banalsten Situationen im Alltag. Zum Beispiel an der Supermarktkasse. Manchmal treffe sie da auf Verkäufer*innen, die so fröhlich seien und strahlten. Und jedes Mal denke sie sich:  "Wow, du bist wie ein Engel, der hier auf der Erde gelandet ist, dabei musst du diesen beschissenen Job machen. Wie schaffst du das?" Solche Leute wirkten viel stärker auf sie als jeder Priester oder jede spirituelle Person, meint Lael Naele. "Sowas beschäftigt mich sehr.“

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

How Far Is It to the Grave | Bild: Lael Neale - Topic (via YouTube)

How Far Is It to the Grave

Die Nacht bleibt nur eine Affäre

Lael Neales Texte haben eine poetische Eleganz, die nie manieriert wirkt, sondern immer down to earth. „Show, don’t tell“ hat ihre Lehrerin in der 7. Klasse ihr beigebracht. Beschreibe die Dinge, sprich sie nicht aus. Und so zieht sich einem das Herz schon zusammen, wenn sie davon singt, wie sie Zuhause Wäsche zusammen legt. Nur für sich allein.

Aufgenommen hat Lael Neale die Songs in den Abendstunden und so Bekanntschaft gemacht mit der Nacht. Daher der Albumtitel „Acquainted with Night“. Die Nacht, erzählt sie, wurde für sie wie eine faszinierende, romantische Affäre. Aber ihr Leben könnte sie nicht mit ihr verbringen. Dafür ist sie zu sehr Morgenmensch. Vor allem seit sie wieder bei ihre Eltern in Virginia lebt und zurückdenkt: "Das ist so tief in mir drin. Mein Vater ist Farmer und steht um halb 6 auf. Er hat uns morgens immer aus dem Bett gejagt."

Aber eine schöne Affäre war sie dann doch, die Nacht.  

präsentiert von Bayern2/Zündfunk.