Bayern 2 - Zündfunk

Zündfunk-Playback So sind das neue Velvet-Underground-Tribute-Album und die Doku von Todd Haynes entstanden

Fast gleichzeitig erscheinen ein Tribute-Album zu "The Velvet Underground & Nico" und eine Doku über die Band von Todd Haynes. Das Zündfunk-Playback fragt nach der Bedeutung von The Velvet Underground – früher und heute.

Von: Ralf Summer

Stand: 08.10.2021

Die berühmteste Banane der Rockgeschichte auf dem Cover zu "Velvet Underground & Nico" | Bild: Polydor

"The Velvet Underground & Nico"-LP wurde schon mehrfach zur besten Platte der Pop- und Rock-Geschichte gewählt. Über sie heißt es, sie sei anfangs kaum gekauft worden – aber alle, die sie kauften, hätten selbst eine Band gegründet. Mit einem Tribut-Album und einer Dokumentation über die Band soll nun eine ganz neue Generation an den Klassiker aus den späten 60ern herangeführt werden. Das Zündfunk-Playback unternimmt eine Zeitreise und fragt nach der Bedeutung von The Velvet Underground – damals und heute.

Hommage an das berühmteste Bananen-Album der Musikgeschichte

Am 24. September erschien mit "I'll Be Your Mirror – A Tribute To The Velvet Underground & Nico" eine Hommage an das berühmteste Bananen-Album der Musikgeschichte. Mit dabei: Sharon Van Etten, St. Vincent, Matt Berninger, Kurt Vile, Michael Stipe, Courtney Barnett und viele mehr. Zweifellos ist "I'll Be Your Mirror" eines der besten Velvet-Underground-Coveralben, die es je gab. Und ja, es gab zahlreiche davon. In jeder Sekunde spürt man die Verehrung der Künstlerinnen und Künstler für dieses legendäre Album. Für das Zündfunk-Playback haben wir mit Matt Sweeney gesprochen, der mit Iggy Pop den Schlusssong der Cover-Platte spielt: "European Son".

"Das ist ja das Anti-Fun-Stück auf der Platte", sagt Matt Sweeney über das Stück. "Ein Song wie ein ausgestreckter Mittelfinger." Er habe Iggy Pop schon vor ein paar Jahren für ein Cover eines Lou-Reed-Songs angefragt, damals habe der Manager abgelehnt. "Aber diesmal war das Timing perfekt", sagt Sweeney. "Das war krass, wie er den Song gesungen und gespielt hat. Da wird klar, was für eine dreckige Rock-’n’-Roll-Band die Velvets waren. Eine der besten überhaupt." Ein Freund von ihm habe über sie gesagt: "Velvet Underground ist die satanische Ausgeburt des Gespenstes der Rock-’n’-Roll -Vergangenheit, das von seinen zukünftigen Dämonen Besitz ergriffen hat."

Dokumentation über "The Velvet Underground" von Todd Haynes

Am 15. Oktober erscheint außerdem auf dem Streamingdienst von Apple eine Doku mit dem schnörkellosen Titel "The Velvet Underground", gedreht von Todd Haynes, den wir als Regisseur des Bob-Dylan-Biopics "I'm Not There" kennen. Die Dokumentation, die der Tribut-Cover-Sampler begleitet, wird auch ins Kino kommen.

Für das einstündige Zündfunk-Playback zum Thema haben wir mit Jamie Krents gesprochen, der den Tribute-Sampler verantwortet und Todd Haynes mit dem Film über die Band beauftragte.

Jamie Krents von Verve Records erzählt, wie es zur Idee für Tribute-Album und Dokumentation kam:

„Die Idee zum Film über die Band und zur Compilation sind ungefähr zur gleichen Zeit entstanden. 2017 hab ich mich mit Kollegen hier beim Verve Label darüber unterhalten, dass es so viele Musikdokus gibt. Aber über The Velvet Underground gab es noch keinen ultimativen Film. Man muss ja dazu sagen, dass die Platte damals unser Label richtig verändert hat.

The Velvet Underground im Jahr 1966.

Als wir die Band 1966 unter Vertrag nahmen, war es, als ob wir uns damit neu erfunden hätten. Bis dahin waren wir nur für Jazz bekannt: für Ella Fitzgerald, Louis Armstrong oder Oscar Peterson zum Beispiel. Damals arbeitete hier ein brillanter Typ namens Tom Wilson, der verstanden hatte, dass man sich breiter aufstellen wollte, und er nahm dann The Velvet Underground und auch Frank Zappa & The Mothers of Inventions unter Vertrag. So hatte Verve in den späten 60ern, als es zu MGM Records gehörte, eine Art Wiedergeburt.

Wir saßen also 2017 im Büro zusammen: die Platten- und Filmleute von Verve/Universal und sprachen darüber, dass es all diese tollen Dokumentationen gab über Nina Simone oder die Beatles, ja man konnte sogar Filme über irgendwelche Hair-Metal-Bands aus den 80ern finden, aber nichts über Velvet Underground. Wir entschieden uns, dass wir Todd Haynes für den Film fragen wollten. Er war der Rock 'n' Roll-Regisseur für uns! Dank seiner Filme über Bob Dylan, "I´m Not There", oder "The Velvet Goldmine über die Glam-Rock-Zeit. Er kannte sich also aus mit Musik der 60er und 70er. Aber er hatte noch nie eine Doku gedreht. Als wir ihn anfragten, sagte er sofort zu. Wir, die Musikleute, wollten dann auch etwas aufstellen. Aber was genau? Wir dachten damals, der Film würde 2019 rauskommen, jetzt ist es 2021 geworden und die Doku kommt im Herbst.

Wir fanden es besser, fokussiert zu arbeiten und nur ein Tribute zum Debütalbum "Velvet Underground & Nico" zu machen, es Track für Track neu zu erschaffen. Wir haben damit Hal Willner beauftragt, der dann tragischerweise letztes Jahr an Covid verstorben ist. Er war für mich der größte Produzent von Tribute-Alben der Rockgeschichte. Ich selbst habe zum Beispiel die Musik von Charles Mingus durch Hal Willners Tribute-Album für Charles Mingus kennengelernt. Er hat auch ein Tolles mit Disney-Songs gemacht und von Pirates of the Carribean.

Willner hatte durch seine Arbeit als Musik-Chef der Fernsehsendung „Saturday Night Live“ die besten Kontakte. Wir wollten, dass Album und Film zur selben Zeit erscheinen, um eine Art multimediale Erinnerung an die Power und den Einfluss von Velvet Underground zu erzeugen. Es ist ja nicht irgendeine Platte. Da gibt es dieses Zitat, das Brian Eno zugeschrieben wird: Er soll in in etwa gesagt haben: Von dem Album wurden nur 10.000 Stück verkauft, aber alle, die sie kauften, haben danach eine Band gegründet.“   

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

The Velvet Underground — Official Trailer | Apple TV+ | Bild: Apple TV (via YouTube)

The Velvet Underground — Official Trailer | Apple TV+

Mit einem Klick auf das Bild ganz oben startet ihr die Sendung.