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Teenie-Szenedroge Juul Warum "Juul" bald auch unsere Teenies süchtig machen könnte

In den USA herrscht helle Aufregung, denn durch die Highschools der USA wabert der Dunst eines Schreckgespensts: Eine E-Zigarette namens Juul, die aussieht wie ein USB Stick. Scheinbar ist es “pretty cool to juul in school": Eine Kulturanalyse.

Von: Alexandra Martini

Stand: 21.12.2018

Eine E-Zigarette der Marke Juul liegt auf der Verpackung. Juul ist in den USA extrem erfolgreich - und hoch umstritten: Auch unter Schülern ist die E-Zigarette, die an einen USB-Stick erinnert, immens beliebt. Nun kommt sie auf den deutschen Markt. | Bild: dpa-Bildfunk/Magdalena Tröndle

Die Gesundheitsbehörde FDA ist alarmiert. Die Zahl der Dampfer, englisch „Vaper“, in den Mittel-und Oberstufen der USA ist innerhalb eines Jahres auf 3,6 Millionen geklettert, vornehmlich Jugendliche. Die US-Medien schreiben: "Teens are getting caught juuling in school bathrooms, libraries, even under their classroom desks”, “Is your child juuling in school?” oder “Juuling is now a verb”.

Mittlerweile dampft jeder fünfte Schüler Juul, teilweise ganze Highschools, und zwar am liebsten Mango-Flavour. Die Firma wurde schon mehrfach verklagt, zuletzt von der Mutter eines 15-jährigen, der stark nikotinsüchtig geworden ist. Juul Labs wird vorgeworfen, mit ihrer Werbung besonders Teenager anzusprechen. Und deshalb startet man in den USA jetzt Gegenkampagnen, die das den Kids wieder austreiben sollen.

Anti-Vaping Werbung mit Handpuppen

Screenshot einer Anti-Vape-Werbung auf Youtube.

Auf Youtube kursiert ein Anti-Vape-Video. Zwei Puppen beim Date, wie herausgegriffen aus dem echten Teenagerleben. Der Moment vor dem Kuss. Doch dann das: Die eine Puppe kotzt. „Dampfen schwächt dein Immunsystem“ wird danach eingeblendet. Macht nicht so wirklich Eindruck bei Kids wie dem Youtuber OG Nick. Er schreibt voller Sarkasmus: "Wow, damit haben sie's uns wirklich gezeigt. Ich werde mich sofort von Vaping fernhalten. Anscheinend musst du direkt kotzen, wenn du es einmal probierst. Ok, jetzt mal ehrlich, Leute. Ich glaube, alle wollen nach dieser Werbung noch mehr vapen. Ich möchte es mir jedenfalls sofort reinziehen, nachdem ich diesen Scheiß gesehen habe".

Es ist schon absurd: jahrelang wurden Zigaretten immer uncooler, die Kids wuchsen mit Anti-Tabak-Commercials auf, der Marlboro-Cowboy blieb höchstens noch als der Mann mit der Sprechprothese in Erinnerung. Der letzte dieser Cowboys ist vor 4 Jahren an der Lungenkrankheit COPD gestorben. Und jetzt dieser Twist in der Geschichte des Dampfens: Die Ausstiegsdroge aus dem bösen Tabak ist zur Szenedroge für Kids geworden, die sich das Nikotin von einer Schachtel Zigaretten zwischen Mathe und Sport auf dem Schulklo reinballern. Warum das noch nicht früher passiert ist? E-Zigaretten waren einfach zu uncool. „Kyler“ nennt sich ein schmales circa 14-jähriges braunhaariges Youtube-Kid mit ungeheurem Redefluss. Auf Youtube sagt sie: "Ich war früher total gegen den Scheiß. Ich fands doof. Man sieht damit aus wie ein Idiot. Aber jedes Mal, wenn ich "Juul" über den Weg gelaufen bin, dachte ich "Wow, gar nicht schlecht"".

USB-Stick-Optik zieht die Teenies an

Zwei Kids auf Youtube, die ihre Fähigkeiten im "ghosten" zeigen.

Die klassischen Dampfer-Zigaretten sehen aus wie ein Bauklotz in den man einen Plaste-Strohhalm gepfropft hat und die Liquidfläschchen haben einen mit den poppigen Etiketten eher an Harry-Potter-Scherzartikel erinnert. Die Juul hingegen ist ein schmaler Stick, und die kleinen aromatisierten Nikotinpods muss man nur draufstecken. Außerdem hat Juuling eine eigene Culture entwickelt: Wenn man die gerade ausgestoßene, möglichst milkige Wolke mittels Schnappatmung wieder einsaugen kann, dann ist man ein Ghoster. Und nur als Ghoster ist man echter Juuler.

Auf Youtube und Instagram wird durch die Nase gejuult und wer zu viel abkriegt ist halt „nicsick“. Nikotinkrank. Und die echt coolen Youtuber über 16 sitzen immer in Autos, weil man eben alles gern so macht wie die Erwachsenen. Juul ist gewissermaßen der zivilisatorische Höhepunkt der Teeniedrogen: sie ist clean, schmeckt und riecht nach Mango oder Gurke und ist perfekt zu tarnen. Und wie alles Böse kommt auch die Juul aus dem Silicon Valley, das immer Gutes will und doch Böses schafft. Für die Kids ist das alles ein Riesenspaß. Die Schulen sind hilflos, schließen Schultoiletten, oder postieren Lehrer davor.

Highschools in den USA sind machtlos

Video auf Youtube: "Ich wurde suspendiert weil ich gejuuled habe"

Die schönste Challenge für die Juuler ist, das Teil als USB-Stick getarnt am Laptop des Lehrers aufzuladen. Werden die Schüler beim Juuling erwischt, werden sie meistens für ein paar Tage von der Schule suspendiert. Und das ist dann dir nächste Story für den Youtube-Channel.

Juul beherrscht in den USA 70% des E-Zigaretten-Markts. Da sind die alten Cowboys von Marlboro hellhörig geworden- will mit über elf Milliarden Euro in Juul Labs einsteigen. Damit wäre das Unternehmen mehr wert als andere bekannte Silicon-Valley-Firmen wie Airbnb oder SpaceX. Ach ja, seit dem 19. Dezember2018 gibt’s die Juul auch in Deutschland. Natürlich gemäß der deutschen Nikotin-Obergrenze mit „nur“ 20mg in den Mango, Gurken und Minze-pods.


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