Bayern 2 - Zündfunk


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Streit im Zündfunk Wie "Father Of The Bride" von Vampire Weekend die Redaktion spaltet

Weiterentwicklung oder Mainstream-Anbiederung? Ann-Kathrin Mittelstraß und Thomas Mehringer zoffen sich. Der Grund: Das neue Vampire Weekend-Album "Father Of The Bride". Wo stehen Ezra Koenig und Co. nach dem Ausstieg von Rostam Batjmanglij?

Von: Ann-Kathrin Mittelstraß und Thomas Mehringer

Stand: 03.05.2019

Ezra Koenig von der Band Vampire Weekend | Bild: picture-alliance/dpa

Schon vor ein paar Wochen haben sich die beiden Zündfunk-DJs gestritten, da ging es um den Song “Sunflower” von Vampire Weekend. Jetzt erscheint mit “Father Of The Bride” das neue Album von Vampire Weekend und sie sind noch mehr aneinander geraten.

Thomas Mehringer:

Mir geht’s da eher um eine Person und zwar darum, dass die nicht mehr dabei ist. Nämlich Rostam Batmanglij. Der ist 2016 ausgestiegen bei Vampire Weekend, um sich seinen Solo-Projekten zu widmen. “Father Of The Bride” ist das erste Album seit seinem Ausstieg - und ich finde einfach, das hört man sehr. Ziemlich wenig auf der Platte kommt an die Komplexität der Songs ran, die Rostam früher mitverantwortet hat. Ich hör auf Rostams Soloalben das, was mir bei Vampire Weekend fehlt. Darüber redet irgendwie niemand.

"Für mich blinken Vampire Weekend gerade links, um Richtung Mainstream abzubiegen"

Wenn Vampire Weekend früher die Ralph-Lauren-Poloshirts tragenden, frischen Preppies waren, dann haben sie jetzt den querkarierten Woll-Pullunder angezogen - schon ganz gemütlich, aber vielleicht zu gemütlich und am Ende nur noch kratzig. Für mich ist "Father of the Bride" ein Schritt Richtung belangloser Mainstream. Nächster Stopp: ein Duett mit Katy Perry.

Ich spüre eher Versagensängste auf dem Album. Es wurde nicht umsonst auch immer wieder nach hinten verschoben. Der Vorgänger war Nummer 1 in den USA und hat einen Grammy bekommen. So ist jetzt ein mittelmäßiges, viel zu langes - ja eigentlich ein Doppel-Album - dabei rausgekommen. Für mich blinken sie gerade links, um Richtung Mainstream abzubiegen. In diesem Moment bin ich bereit die Band gehen zu lassen.

Ann-Kathrin Mittelstraß:

Also erstmal: Rostam hat EIN Soloalbum gemacht, das gut war, aber auch einige Füller hatte. Ich bin auch großer Fan von Rostam, aber du tust jetzt so als hätte Vampire Weekend nur dank Rostam existiert! Da haben die anderen schon auch ihren Teil beigetragen. Ezra Koenigs Stimme ist einer der Gründe, warum ich die Musik dieser Band liebe. Und diese unwiderstehlichen Melodien und Harmonie sind immer noch da! Auf ganz vielen Songs. Wie zum Beispiel bei "Bambina".

"Es klingt verspielt, einfallsreich, luftig und ich spüre auf dem ganzen Album so ne Erleichterung"

Da hast du eine pervers eingängige Hook, die total lebensbejahend ist und im nächsten Moment aber doch das Sehnsuchtsvolle, Melancholische mit den leisen Chören im Hintergrund, was man vom letzten Album "Modern Vampires of the City" kennt. Und Rostam mag vielleicht fehlen was den alten Sound angeht, aber was bleibt denn der Band anderes übrig, als sich ohne ihn zu arrangieren? Die Band hat sich eben weiterentwickelt. Früher haben sich alle weißen Indie-Kids auf die einigen können. Die waren die Preppy Boys von der Elite-Uni an der Ostküste und mit diesem Image haben sie auch ironisch gespielt. Aber diese Ironie ist heutzutage auch bisschen "over", die würden wir ihnen jetzt nicht mehr abnehmen.

Vampire Weekend werden nie Mainstream-Material machen. Der Mainstream interessiert sich für die gar nicht, dafür sind die Songs zu liebevoll und immer noch bisschen schräg. Außerdem hat Ezra Koenig die Band geöffnet für andere Musikerkollegen, was total zeitgemäß ist: mit Danielle Haim ist jetzt eine weibliche Stimme auf Vampire Weekend-Songs zu hören. Und ich hör' das gern! Leute wie Mark Ronson haben mitgeschrieben. Der Typ schreibt Hits mit Herz! Der passt für mich voll gut rein in den Vampire Weekend-Kosmos. Ich finde, es klingt verspielt, einfallsreich, luftig und ich spüre auf dem ganzen Album so eine Erleichterung. Weißt du was, Thomas: du bist bereit, Vampire Weekend gehen zu lassen. Ich geh mit ihnen mit.


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