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Album der Woche: "Heartbreak" Der Retro-Sound der britischen Band Unloved entführt uns ins Doo Wop der 60er Jahre

Unloved ist das Bandprojekt von Produzent, DJ und Filmmusik-Komponist David Holmes, Keefus Ciancia und Sängerin Jade Vincent. Alle drei eint die Liebe zu Film Noir-Soundtracks und 60er Jahre-Girl Groups. Ihr neues Album "Heartbreak" will auf die große Leinwand.

Von: Sandra Limoncini

Stand: 04.02.2019

Treffen sich drei Männer in einer Bar, nee, Moment, der ging anders: Treffen sich zwei Komponisten und ein Songwriter in einer Bar. Genau - und was machen die? Gründen ‘ne Band natürlich. Dieser Witz ist 2015 genauso passiert: Es lernten sich in einer Bar in Hollywood kennen: David Holmes, Produzent, DJ und Filmmusik-Komponist, Keefus Ciancia und Jade Vincent, Songwriterin und Sängerin. Sie stellten fest: Alle drei lieben Film Noir-Soundtracks, 60er Jahre-Girl Groups und französischen Pop. Und nach einer langen Nacht am Tresen, war die Beschlusslage klar: Man muss doch zusammen Musik machen. Sie gründen das Projekt Unloved. Bald darauf wird die erste Platte „Guilty of Love“ veröffentlicht. Und jetzt, vier Jahre später, ist Nummer zwei raus.

Sexy, verrucht und geheimnisvoll

Der Opener und Titelsong „Heartbreak“, führt den Hörer allerdings ein bisschen auf eine falsche, auf eine allzu frankophile Fährte. Aber mit „Remember“, dem zweiten Stück, zeigt sich dann endlich die wahre Seele des Projekts. Der Song könnte der Soundtrack zu einem alten James Bond Film sein. John Barry hätte sich gefreut, die Geigen jubilieren und die Saxofone rühren den Martini an. Sexy, verrucht und geheimnisvoll, dazu die aufreizend unbeeindruckte Stimme von Jade Vincent. Der Vergleich mit James Bond ist nicht zufällig. David Holmes hat mehrere Soderbergh-Filme mit Musik versorgt und Keefus Cianca hat an den Soundracks von „True Detective“ und „Spider Man“ mitgewirkt. Und immer wieder schickt uns das Trio auf eine Zeitreise: Songs wie „Billy“ könnten auch aus der Feder von Paul Anka stammen – sie versetzen uns endgültig zurück in die 60er und 70er Jahre, in die Zeit der Doo Wop-Chöre und der großen Showtreppe.

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Unloved - Heartbreak Official Video | Bild: Unloved Official (via YouTube)

Unloved - Heartbreak Official Video

Jade Vincents Stimme ist das Herz des Albums

Wenn Filmmusik die Seele von „Heartbreak“ ist, dann wird die Stimme von Jade Vincent mit jedem Song mehr und mehr das Herz des Albums. Dabei singt oder schreit sie sich nicht die Seele aus dem Leib, im Gegenteil es klingt fast ein bisschen beiläufig, was sie da mit ihrer Stimme macht. Aber auch wenn das kitschig klingen mag, sie verführt einen mit ihrer speziellen Art zu singen. Sie wird nicht der erste Lover sein, singt Jade im Song „Crash Boom Bang“ - und leider vermutlich auch nicht der letzte, aber jetzt bin ich erstmal da. Und schon sind sie da, die kleinen Show-Downs und das Drama der unerwiderten Gefühle. Unloved kosten sie aus - die große Leinwand im Cinemaxx.

Heldenreise mit Happy End

Jeder gute Film basiert auf einem Grundmuster, der sogenannte Heldenreise: Die Hauptfigur muss sich auf dem Weg machen, dem Ruf des Abenteuers folgen. Dann die Selbstzweifel, die Weigerung, dieses Abenteuer auch richtig durchzuziehen. Schließlich das Überschreiten der ersten Schwelle, die Frau/der Mann, der einen verführt und in den man sich verliebt. Nein, es gibt kein Zurück mehr, auf ins große Abenteuer mit Tod und Teufel und am Ende das große Finale: Mit etwas Dusel und viel Chuzpe wird man mit der großen Freiheit belohnt. Und genau das schafft „Heartbreak“: Das Album schickt uns auf unsere ganz eigene Heldenreise - mit allem was im Leben und in der Musik wichtig ist: Schmerz, Verlust, Glück und Liebe.


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