Bayern 2 - Zündfunk


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Trettmann in Chemnitz Zurück in die verlorene Heimat

Der Rapper Trettmann, bürgerlich Stefan Richter, wurde in den 70ern in Karl-Marx-Stadt geboren. In ein paar Tagen kehrt er in die Stadt seiner Kindheit zurück, um sich mit anderen Musikern gegen die Rechten zu stellen.

Stand: 29.08.2018

Trettmann | Bild: Trettmann

Chemnitz schlägt zurück: Nächsten Montag werden bei einem spontan angesetzten Festival einige der größten Rapper und Bands Deutschlands am Karl-Marx-Monument in Chemnitz live und kostenlos spielen. Das Motto: #wirsindmehr – ein hartes Signal gegen die rechtsradikalen Ausschreitungen in der Stadt. Dabei sind K.I.Z., Casper und Marteria – vor allem aber Trettmann. Er ist gebürtiger Karl-Marx-Städter. Für ihn ist es also eine persönliche Angelegenheit.

"Wir erhoffen uns davon, ein Zeichen zu setzen. Den Leuten mitzugeben, das ist nicht Chemnitz. Chemnitz sind wir, die Söhne der Stadt. Und hoffentlich all die Chemnitzer, die mit dem was da stattgefunden hat, unzufrieden sind und sich dagegenstellen wollen."

Trettmann

Flashbacks zur Wende

Manches von dem, was da gerade passiert, wirkt für Trettmann nicht neu. „Es erinnert mich an die Demonstrationen in den Nachwende-Jahren." Auch damals habe die Polizei unterbesetzt gewirkt. "Das hat schon Eindruck hinterlassen.“ In den Jahren nach der Wiedervereinigung war es nicht nur in Rostock-Lichtenhagen und der sächsischen Stadt Hoyerswerda immer wieder zu rechten Ausschreitungen gekommen. „Ob es die Kinder dieser Generation sind, die Ewig-Zukurzgekommenen, das ist alles Spekulation. Fakt ist, die Landesregierung und Polizei tun nicht viel mehr als damals. So kommt es mir auf jeden Fall vor.“

In Trettmanns Musik spielt seine Biographie eine wichtige Rolle – auch diese Generation der Wendekinder. In seinem Song „Grauer Beton“ heißt es: „Ich denk' heut noch oft zurück an meine Straße/An die Alten und die Kids aus meiner Straße/Aus der Platte, die aus meiner Etage/Man hat uns vergessen dort, Anfang der 90er-Jahre“. In Billie Holiday rappt er: „Hab mein Zuhause verloren/Such nach nem neuen Zuhause“.

Trettmann wird am Montag aus Leipzig nach Chemnitz kommen. „Selbst ohne diese Ereignisse fällt es mir schwer, zurückzugehen“, sagt er. „Aber auch an der Stelle Shout-Out an all die Leute, die dort das Banner hochhalten. Und was versuchen.“


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