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"MAHAL" Toro Y Moi benennt Album und seinen Wagen nach der Liebe - und wir lieben beides

Chazwick Bundick bzw. Chaz Bear war als Toro Y Moi Ende der Nullerjahre ein wichtiger Name in Sachen Chillwave. Sein neues Album "MAHAL" beschreibt die Liebe zu seinem Wagen, das hat Tradition in seiner philippinischen Familie.

Von: Angie Portmann

Stand: 02.05.2022

Die Pandemie hat aus vielen Musiker*innen Bedroom-Producer gemacht. Aber nicht aus Chaz Bear alias Toro y Moi. Der Musiker aus South Carolina, der mittlerweile in der San Francisco Bay Area lebt, wollte ausgerechnet während der Pandemie möglichst viele Musiker*innen um sich haben. Vorher hatte er alle seine Alben allein produziert, jetzt fehlte ihm plötzlich die Energie, die entsteht, wenn Menschen zusammenkommen, um Musik zu machen. Egal ob sie dabei Masken tragen oder nicht.

Das neue Toro y Moi-Album greift zurück auf eine ältere Platte von Chaz Bear, auf „What For?“ und den Psych Rock, den wir darauf zu hören bekamen. Chaz Bear sagt: „Ich hab ziemlich direkt nach meinem vierten Album 'What For?' mit der Arbeit an 'MAHAL' angefangen. Es ist quasi das Schwester-Album. 'What for?' ist die Frage, 'MAHAL' die Antwort. 'Mahal' heißt Liebe. Ich hab schon vor circa fünf Jahren mit der Arbeit an diesem Album angefangen.“

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Toro y Moi - Déjà Vu (Official Audio) | Bild: Toro y Moi (via YouTube)

Toro y Moi - Déjà Vu (Official Audio)

„MAHAL“, die kleine Schwester, klingt tatsächlich lässiger, mehr laid back, weniger angestrengt als „What For?“. Erinnert aber genauso an die 70ies, an Yes, die erste Siebziger-Jahre-Band, in die sich Chaz Bear verliebte. Und an Pink Floyd.

Am Ende wird alles noch einmal digital manipuliert

„MAHAL“ bezieht sich aber nicht nur auf Psych-Rock, es ist ein funky Mix aus Big Beats, Disco, Synth-Pop, Folk und Hip-Hop, aus Beatles und Prince – und die Liste wird gleich noch länger, wenn Chaz Bear selbst über seinen Sound spricht: „Ich wollte etwas machen, dass mich wieder selbst repräsentiert. Und damit meine ich nicht die Tatsache, dass ich Philippino bin, es geht eher um meine Wurzeln im Süden Amerikas. Ich wollte Blues, Country, Southern Rock kanalsisieren und in dieses Album einfließen lassen, das war ein großer Schritt für mich.“

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Toro y Moi - Postman (Official Video) | Bild: Toro y Moi (via YouTube)

Toro y Moi - Postman (Official Video)

Unglaublich souverän streift Chaz Bear da wieder durch unsere Popgeschichte. Nimmt sich, was ihm gerade gefällt, ist divers wie eh und je und zimmert daraus ein sehr elegantes, schwer groovendes Album. Bear lässt für uns sozusagen Altes in neuem Nebel wieder auferstehen. Denn am Ende wird alles noch einmal digital manipuliert – die Musik quasi ins Jetzt transferiert. Und mit lustigen Snippets garniert vor und nach den Songs, um die jungen Fans und deren kurze Aufmerksamkeitsspanne bei Laune zu halten.

"Es ist ein warmer Sound, der dich tröstet"

Das Albumcover zu "MAHAL" von Toro Y Moi, was den Künstler mit seinem Wagen zeigt | Bild: Chris Maggio

Aber nicht nur musikalisch, auch thematisch geht es diesmal um die Vergangenheit, um Dinge, die mal absolut liebenswert waren, aber etwas in Vergessenheit geraten sind: Postkarten zum Beispiel, Briefe, Magazine. Oder so etwas altmodisches wie „Liebe“. Chaz Bear sagt: „Zu allererst hatte ich mir vorgestellt, dass es eine Vinyl-Platte werden müsste. Nicht etwas, dass gestreamt wird. Ich hab mir vorgestellt, dass jemand die Platte auflegt, während er oder sie zu Hause abspült, kocht und sauber macht. Es ist eine warmer Sound, der dich tröstet, der sich anfühlt wie ein Möbelstück bei dir Zuhause.“

Auf den Philippinen gibt man seinem Wagen einen Namen – Bear hat ja seinen Wagen „MAHAL“ getauft, was auf philippinisch „Liebe“ heißt. Und als der Wagen „MAHAL“ auf dem Cover gelandet ist, war klar, dass auch das Album so heißen muss. Liebe – immer eine gute Entscheidung.