Bayern 2 - Zündfunk


17

Glosse Drei Tipps, mit denen die Gegner der Corona-Maßnahmen-Gegner genauso nervig werden können wie ihre Gegner

Nur elf Prozent der Deutschen finden, dass die Corona-Maßnahmen zu weit gehen. Trotzdem müssen wir ständig von ihnen hören. Die 28 Prozent, die sich schärfere Maßnahmen wünschen, verschwinden hingegen. Gregor Schmalzried hilft ihnen auf die Sprünge.

Von: Gregor Schmalzried

Stand: 17.08.2020

Megaphon mit der Aussage "Nerv" | Bild: colourbox.com/BR

Das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap hat diesen Monat herausgefunden: Elf Prozent der Deutschen sind der Meinung, die Corona-Maßnahmen gehen - immer noch - zu weit. Aber 28 Prozent finden: Sie gehen nicht weit genug. Trotzdem hören wir in der Regeln nur von den Hygiene-Demo-Besuchern.

Denn seit fast einem halben Jahr schon überschlagen sich Print und Fernsehen mit ihren Versuchen, die Gegner der Corona-Maßnahmen zu verstehen. Mit Reporter*innen auf Demos, mit Diskussionsrunden in Talkshows, mit gefühligen Kommentaren in den größten Zeitungen des Landes: “Was sind das für Menschen?”, fragt zum Beispiel die FAZ in einem Text namens “Das Vertrauen verloren”. Und ja, was das für Menschen sind, das ist natürlich nicht ganz uninteressant. Aber: “Was sind das eigentlich für Menschen, die wollen, dass die Corona-Maßnahmen verschärft werden?” Das interessiert bei der FAZ irgendwie niemanden. Und deswegen auch die Politik nicht.

Also, liebe 28 Prozent der Corona-Maßnahmen-sollen-verschärft-werden-Menschen: Wenn ihr euch doch Gehör verschaffen wollt, hier kommt eure Anleitung:

Tipp Nummer 1: Holt euch ein besseres Branding

Da haben wir schon wir schon das erste Problem: “Corona-Maßnahmen-sollen-verschärft-werden-Menschen” ist halt nicht ganz so griffig. Wo sind Wörter wie „Maskengegner“ oder „Querdenker“ - wo sind die Slogans wie “Gib Gates keine Chance”? Die gibt es mittlerweile sogar in Rap-Form. Also, liebe “Corona-Maßnahmen-sollen-verschärft-werden-Menschen”: Ihr seid ab jetzt “Gesundheitskrieger*innen” (ja, natürlich mit Sternchen). Gegen die Krankheitsdiktatur. Und wenn ihr rappen wollt, dann vielleicht sowas wie:  Von Menschenscharen halten wir uns leider fern / Ham zuhause mehr Masken als Spiderman.

Tipp Nummer 2: Werdet nervig und gewalttätig

Am Wochenende ist ein Kameramann vom NDR am Rande einer Querdenker-Demo in Hamburg brutal angegriffen worden - er trug eine Platzwunde am Kopf davon. Habt ihr nicht mitbekommen? Naja, warum auch. Es ist ja nichts Neues. Gewalttätige Angriffe auf die Presse breiten sich auf diesen Demos mittlerweile so selbstverständlich aus wie Verschwörungstheorien im Kopf von Xavier Naidoo.

Die Reaktion darauf kann eigentlich nur heißen: Ihr Gesundheitskrieger*innen gegen die Krankheitsdiktatur, wenn ihr das nächste Mal jemanden in der Bahn seht, dem die Maske unter der Nase hängt, probiert‘s mal nicht mit dem fiesen Blick, sondern einfach mit einer üblen Prügelei. Dann noch einen Drohbrief an eine Politikerin schreiben, die öffentlich über Lockerungen nachdenkt, und eine Nachricht an die Familien-WhatsApp-Gruppe schicken: “Okay, letzte Nachricht für heute, versprochen, aber googelt mal Impf-Lüge-Lüge, okay? Die Impfgegner-Lobby hat alle im Griff, ist euch das klar? Und wusstet ihr eigentlich, dass Attila Hildmann in Köln eine Snackbar eröffnet hat? Eine ‚Bar‘? Und dass die jetzt wahrscheinlich immer noch geschlossen ist, wegen der Corona-Maßnahmen? Warum sonst will der Typ so unbedingt, dass alles wieder aufmacht? Ich meine, wacht endlich auf, Leute! Wacht endlich auf!“
Ach ja, apropos:

Tipp Nummer 3: Holt euch einen verrückten Koch als Maskottchen.

Mein Vorschlag für den offiziellen Gesundheitskrieger-Koch: Horst Lichter! Der ist erstens nicht vegan. Und zweitens weiß er alles über Hygiene: “Dat Wichtigste ist natürlich: Sicherheit. Tja, Corona verlangt halt Abstand! Fällt mir ja manchmal schwer.”

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Alles anders! Dreharbeiten in Corona-Zeiten | Bares für Rares Backstage | Bild: Bares für Rares (via YouTube)

Alles anders! Dreharbeiten in Corona-Zeiten | Bares für Rares Backstage

Den Horst kann man doch genauso gut auf eine Bühne stellen und anjubeln lassen! Also, natürlich nur von Leuten mit Sicherheitsabstand.

Ich kann nur hoffen, dass während ich das hier erzähle, sich im ganzen Land Telegram-Gruppen bilden und die Gesundheitskrieger*innen sich auf den Sturz der Krankheitsdiktatur vorbereiten. Nächste Woche kann dann die FAZ anklopfen und fragen “Wer sind diese Menschen?” Und in zwei Wochen wird irgendein FDP-Politiker demonstrativ fünf Masken übereinander tragen. Alles nur, weil ihr endlich nervig genug wart.


17