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Widerstands-Simulation im Dritten Reich "Through the Darkest of Times" ist das erste Videospiel, das Hakenkreuze zeigen darf

Das Zeigen von Hakenkreuzen in Computerspielen war bis vor Kurzem verboten. Bei "Through the Darkest of Times" ist das zum ersten Mal anders. Das Spiel thematisiert den Widerstand gegen die Nazis.

Von: Christian Schiffer

Stand: 30.01.2020

Szene im Spiel | Bild: paintbucket games

Swing Musik aus den 20er Jahren, neu eingespielt von Berliner Rufus Temple Orchestra. Swing Musik spielt eine wichtige Rolle in “Trought the Darkest of Times“, denn es war Musik, die die Nazis gehasst haben. Es ist nicht das einzige Beispiel das zeigt, mit wie viel Fingerspitzengefühl die Entwickler an die Aufgabe herangegangen sind, den zivilen Widerstand im Dritten Reich in einem Computerspiel zu thematisieren.

Ästhetik erinnert an "entartete Kunst"

Ein anderes Beispiel: Der schwarz-weiß-Stil der Grafik ist angelehnt an Menschen wie Käthe Kollwitz, Otto Dix oder John Heartfield, deren Kunst im dritten Reich als „entartet“ diffamiert wurde. Und: Kurze Kapitelsequenzen wurden von der Journalistin Nora Hespers eingesprochen, deren Großvater als Widerstandkämpfer von den Nazis umgebracht wurde.

Das Spiel beginnt am 30.1.1933, Hitlers Machtergreifung. Unsere Aufgabe im Spiel ist es, eine Widerstandsgruppe zu organisieren. Sie zum Geld sammeln zu schicken, Bücher schmuggeln, Flugblätter zu verteilen, Kontakte zu Gewerkschaften und Kirchen knüpfen zu lassen, einen Mitstreiter zu befreien und irgendwann spektakuläre Aktionen gegen das Regime durchzuführen, um es in der Öffentlichkeit bloßzustellen.

Gelungener Spielverlauf

Spielzene in "Through the Darkest of Times"

Diese Aufgaben verwebt das Spiel mit kleinen Story-Schnipseln: Der Reichsprogromnacht. Der Gleichschaltung. Dem aufziehenden Krieg. Der Spielraum unserer Gruppe wird kleiner und kleiner, bald landen die ersten Mitglieder im Knast, weil sie beim Kaufen von Papier für Flugblätter erwischt wurden. Die Nazi-Maschinerie wird immer gefährlicher und unerbittlicher. Hinzu kommen ideologische Spannungen in der Gruppe, in denen Anarchisten, Sozialdemokraten, Konservative und Kommunisten zusammenhalten müssen. Oft bleibt uns nur die Entscheidung zwischen einer schlechten Alternative und einer sehr sehr schlechten Alternative.

„Through the Darkest of Times“ ist ein – politisch -  wichtigstes Spiel, es ist aber auch ein – handwerklich - gutes Spiel. Es ist deswegen ein gutes Spiel, weil es die Mittel des Mediums dazu einsetzt, wichtige Botschaften zu vermitteln. Wer "Through the Darkest of Times" spielt, der weiß, dass Zivilcourage nicht umsonst zu haben ist, dass es sich manchmal lohnt für das richtige im falschesten aller Leben zu kämpfen, dass Solidarität eine Waffe ist und ein Fahrrad Leben retten kann.

Erstes Spiel, das Hakenkreuze zeigt

„Through the Darkest of Times“ setzt es dem Widerstand im 3. Reich ein bemerkenswertes, interaktives Denkmal. Das gelingt auch deswegen, weil das Spiel das Dritte Reich und seine Symbole zeigen darf. Es ist das erste Spiel, dass hochoffiziell Hakenkreuze verwenden darf, anders als bei Serien und Filmen, war das bislang in Spielen nicht erlaubt. Besser als „Through the Darkest of Times“ hätte man die neue Freiheit kaum nutzen können.

Die Debatte zur Aufhebung des Verbots von Hakenkreuzen in Videospielen mit antifaschistischer Ausrichtung wurde vor zwei Jahren losgetreten. Damals wurden Hakenkreuze im Spiel "Wolfenstein 2" noch verboten, weil Computerspiele - anders als Filme oder Serien - keine Kunst seien. "Through the Darkest of Times" ist nun das erste antifaschistische Spiel, das wirklich antifaschistisch sein darf.


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