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Der Film "The United States versus Billie Holiday" Wie die USA gegen eine politische Jazzgröße kämpfte

Das FBI verfolgte Billie Holiday wegen ihrer Heroinsucht - zumindest offiziell. Inoffiziell war die politische Jazzgröße der Regierung schon länger ein Dorn im Auge. Davon erzählt der Film "The United States versus Billie Holiday" von Lee Daniels. Der afro-amerikanische Regisseur von "Precious" und "The Butler" ist kein Mann für die leichte Unterhaltung.

Von: Roderich Fabian

Stand: 26.04.2021

The United States vs Billie Holiday | Bild: Reuters (RNSP)

Dies ist kein Billie-Holiday-Biopic. Denn hier wird nicht die ganze Geschichte der wohl größten Jazz-Sängerin aller Zeiten erzählt, sondern nur ein relativ kurzer Abschnitt. Regisseur Lee Daniels setzt also Grundkenntnisse in Sachen Billie Holiday voraus. Als der Film beginnt, ist die Sängerin bereits ein Star, sie tritt in großen Hallen und Clubs auf und ist von einer treuen Entourage umgeben. 1939 nimmt sie einen neuen Song ins Programm: "Strange Fruit" - eine dramatische und unmissverständliche Anklage gegen die Lynch-Morde an Afro-Amerikanern in den Südstaaten der USA.

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Andra Day Performs "Strange Fruit" | United States vs. Billie Holiday | Hulu Original | Bild: Hulu (via YouTube)

Andra Day Performs "Strange Fruit" | United States vs. Billie Holiday | Hulu Original

Der verbotene Song "Strange Fruit"

Der Dialog mit ihrem Manager Joe kurz vor einem Auftritt fasst das Problem zusammen: "Strange Fruit hab ich gestrichen", sagt Joe. "Nein, Joe" entgegnet Holiday. "Ich will den Song singen. Der Club kündigt ihn an. Die Leute zahlen viel Geld. Sie wollen ihn von mir hören." Joe rastet aus: "Zum 100sten Mal: Leute in hohen Positionen wollen nicht, dass du ihn singst."

Tatsächlich erleben wir schon bald einen fanatisch-rassistischen Geheimdienstmann, dem es im Auftrag vom FBI-Chef J. Edgar Hoover gelingt, einen Undercover-Agenten in Billie Holidays Umfeld einzuschleusen. Jimmy Fletcher heißt der Mann. Er wird gespielt vom großartig subtilen Trevante Rhodes, den man aus dem Oscar-Gewinner-Film "Moonlight" kennen könnte.

Ihr Liebhaber verrät sie an die Regierung

Fletcher wird Billy Holidays Liebhaber und gerät bald in einen Gewissenskonflikt, weil er seine Geliebte wegen Drogenmissbrauchs ans FBI verrät. Wenig später wird Billie deswegen verhaftet. Eigentlich sieht Jimmy Fletcher seine Mission als Kampf gegen die Drogen, die die Sängerin in Mengen konsumiert. Doch ein Besuch bei seinem Vorgesetzten macht ihm klar, dass es eigentlich um "Strange Fruit" geht. Der Song sei "unamerikanisch". Das heißt, er war antirassistisch.

Ihr Antirassismus war zu laut

"The United States versus Billie Holiday" springt dabei in den Zeitebenen hin und her. Manchmal hat man als Zuschauer Schwierigkeiten: An welcher Stelle der Geschichte befinden wir uns nun?

Lee Daniels wollte eben auf keinen Fall die typische, langweilige Nacherzählung abliefern, sondern ein komplexes Werk, das den Zuschauer fordert. So zieht sich als roter Faden dann auch noch ein Interview Billie Holidays mit dem skurrilen Radiomoderator Reginald Lord Devine durch den Film, der die Dimension des Konfliktes USA gegen Billie überhaupt nicht überreißt.

Insgesamt ist dies ein sehr ambitionierter Film geworden, eine Art Fortgeschrittenen-Kurs in Sachen Lady Day, wie Billie Holiday auch genannt wurde. Vielen amerikanischen Kritikern erschien der Film zu verwirrend, und es gab dann auch nur eine Oscar-Nominierung, passender Weise für die Hauptdarstellerin Andra Day, die auch sämtliche Songs im Film selbst gesungen hat. Day ging bei der Preisverleihung aber leer aus.

Wer sich in das Thema Billie Holiday erst einmal einarbeiten möchte, dem empfehle ich den Dokfilm "Billie - Legende des Jazz" von 2019, den es wie den aktuellen Spielfilm, als DVD und Bluray gibt.


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