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Spielfilm "The Many Saints of Newark" The Sopranos – wie alles begann

"The Many Saints of Newark" ist doe Vorgeschichte zur Mutter aller modernen TV-Ferien, den "Sopranos". Wir erleben die Jugendjahre vom Mafia-Boss Tony Soprano, aber im Zentrum steht dessen Onkel, der Mafioso Dickie Moltisanti. Für alle Sopranos-Fans ein absolutes Pflichtprogramm.

Von: Roderich Fabian

Stand: 28.09.2021

The many Saints of Newark | Bild: picture-alliance

Der Film spielt Ende der 60er bis Anfang der 70er Jahre. In dieser Zeit ist Tony Soprano ein Kind und ein pubertierender Jugendlicher und wird – jedenfalls als 14jähriger – gespielt von James Gandolfinis 22jährigem Sohn Michael. Wir erleben ihn als renitenten, schwierigen Schüler. Als seine Klassenlehrerin seine Mutter zur Sprechstunde bittet, kann sie die Einschätzung der Pädagogin kaum glauben.

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THE MANY SAINTS OF NEWARK - Trailer #1 Deutsch German (2021) | Bild: Warner Bros. DE (via YouTube)

THE MANY SAINTS OF NEWARK - Trailer #1 Deutsch German (2021)

Der Einfluss des Onkels

Aber auch wenn der deutsche Trailer des Films das Gegenteil vermitteln will: Der junge Tony Soprano ist eigentlich nur eine Nebenfigur in "The Many Saints of Newark". Der große Davis Chase, der als Autor und Show-Runner schon hinter der Fernsehserie stand, wollte keine Geschichte über einen Jugendlichen erzählen, nein, er wollte einen erwachsenen Protagonisten, mit dem sich der Zeitgeist der Sixties und Seventies besser abbilden lässt.

Also steht Dickie Moltisanti im Zentrum des Films, Tony Sopranos Mafia-Onkel und zu jener Zeit der mächtigste Mann des Clans. Und so erklärt sich auch der Titel des Films: Molti Santi - viele Heilige - many Saints. Der hat den jugendlichen Tony Soprano unter seine Fittiche genommen und beschenkt ihn zum Beispiel mit einem Paar Lautsprecherboxen, das irgendwie "vom Laster gefallen" ist. Aber Tony zögert, das anzunehmen: "Ich will aufs College. Wenn die mich damit erwischen, kann ich das knicken" sagt er. Sein Onkel aber sagt: "Du nimmst diese Boxen, ja, und im gleichen Augenblick schwörst du dir: das ist das letzte Mal, dass ich irgendwas klaue. Ganz einfach."

Wer ist der Clan-Chef?

Dieser Dickie Moltisanti ist anders als die Mafiosi in den Scorsese-Krimis. Er wirkt weniger selbstbewusst, ist offenbar nicht glücklich darüber, die ganze Zeit den harten Macker geben zu müssen. Er handelt oft falsch und impulsiv, ermordet im Lauf des Fillms auch nahestehende Familienmitglieder. Diese ganze Ganoven-Ehre, diese Regeln, nach denen die Mafiosi leben, erweisen sich – wie ja auch in der Sopranos-Serie – als verlogenes Ideal, an dem eigentlich jeder scheitern muss.

David Chase arbeitet dieses männliche Dilemma perfekt heraus. Und dass Verbrechen sich nicht lohnt, sieht man auch an der Figur von Montisantis Onkel Aldo, der im Knast sitzt und immer wieder konsultiert wird. Aldo wird – ausgerechnet! – gespielt von Ray Liotta, also dem Hauptdarsteller von Scorseses Mafia-Klassiker "Goodfellas". Aber er ist im Gefängnis weise geworden und gibt Moltisanti einen gut gemeinten Rat: Was deinen Neffen angeht: Halt dich aus seinem Leben raus".

Die Mafia hört Miles Davis

So uncool kann Aldo schon deshalb nicht sein, weil er sich von seinem Besuchern im Knast keinen Schnaps und auch keine Feile wünscht, sondern Langspielplatten von Miles Davis. Neben David Chases genauer Figurenzeichnung beeindruckt der Film auch durch die großartige Ausstattung. Von der kleinsten Kaffeekanne bis zur belebten Straßenkreuzung wirkt alles stilecht Sixties/Seventies. Hier wurde wirklich nicht gespart. Man taucht ein in eine vergangene Zeit.

Es ist die große Illusion, die eher zum Kino passt als zum Fernsehen. Insofern ist "The Many Saints of Newark" auf der großen Leinwand gut platziert. Für alle Fans der Serie ist der Film nicht nur Pflichtprogramm, sondern auch ein großes Vergnügen. Und alle anderen können hier zumindest lernen, dass früher so gut wie gar nichts besser war als heute.


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