Bayern 2 - Zündfunk


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"Wir haben ein Sicherheitsproblem" Verschwörungstheoretiker und rechte Netzwerke in der Bundeswehr

"Wir haben ein Sicherheitsproblem" warnen Christina Schmidt und Martin Kaul von der taz. Sie haben sich ein Jahr lang mit einem rechten Untergrundnetzwerk aus Preppern, Waffennarren und Ritterorden beschäftigt - und eine Spur zur Bundeswehr gefunden.

Von: Bärbel Wossagk

Stand: 19.11.2018

Bundeswehr-Uniformen | Bild: picture-alliance/dpa

Zündfunk: Sie haben zusammen mit Ihrem Kollegen Martin Kaul ein Jahr lang recherchiert und sich mit einem rechten Untergrundnetzwerk aus Preppern, Waffennarren und Ritterorden beschäftigt. Das hört sich erstmal absurd an. Was ist das wichtigste Ergebnis?

Christina Schmidt: Ich glaube, die zentralste Erkenntnis ist, es ist exakt genauso verrückt, wie es sich anhört. Wir haben – wie Sie schon sagten – Ritter und Freimaurer gefunden. Menschen, die sich auf die Katastrophe vorbereiten, also auf den sogenannten Tag X. Das kann ein Sturm sein oder ein totaler Stromausfall oder aber auch eine Invasion von „muslimischen Horden“. Innerhalb dieser Gruppe gibt es aber Leute, die noch weitergehen. Die sagen: Naja, so ein Tag X ist ja gar nicht mal so unpraktisch, denn eigentlich könnte man den ja dazu nutzen, Menschen, die uns unliebsam sind, Menschen, die wir für schuldig halten, dass es jetzt überhaupt zu so einer Katastrophe kommt – also Menschen aus dem linken politischen Spektrum – festzusetzen und dann auch gleich umzubringen.

Unser Ausgangspunkt war, dass der Generalbundesanwalt im vergangenen Jahr in Norddeutschland bei einer Gruppe solcher – nennen wir sie mal – Prepper, Durchsuchungen angeordnet hat, weil er davon ausgegangen ist, dass sich innerhalb dieser Gruppierung einige auf diese militanten Szenarien vorbereiten. Wir haben dann angefangen zu recherchieren und haben festgestellt, das sind nicht Einzelleute, die sich irgendwo in Mecklenburg auf dem Land zusammenfinden und rumspinnen. Sondern von dort aus führen die Spuren zu einem sehr viel größeren Netzwerk. 

Das Beunruhigende war, dass es sich nicht nur um Verschwörungstheoretiker handelt, sondern dass die Bundeswehr da mit reinspielt.

Exakt. Denn im Zentrum dieser ganzen Chat-Netzwerke steht eine Person und die nennt sich Hannibal. Und Hannibal - das haben unsere Recherchen ergeben - ist bei der Bundeswehr nicht irgendein Soldat, sondern Elitesoldat. Er ist beim Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw - gewesen muss man sagen, denn inzwischen ist er da nicht mehr. Hannibal hat diese Prepper-Chats administriert und hat sie mit Informationen gefüttert, die den Mitgliedern das Gefühl gegeben hat, dass sie Insider-Infos bekommen.
Die Spur führte uns dann weiter zu einer anderen sehr prominenten Person aus der Bundeswehr: Nämlich Franco A. Das ist der Soldat, der im vergangenen Jahr aufgeflogen ist, weil er sich als syrischer Flüchtling registriert hatte. Man wirft ihm vor, dass er in dieser Gestalt Terroranschläge geplant hat. Auch Franco A. ist in diesen Prepper-Chats Mitglied gewesen, er war in der Gruppe Süd. Und es macht die Sache nochmal brisanter, wenn wir nicht nur im Norden Menschen haben, die Terroranschläge geplant haben, sondern auch im Süden. Und in der Mitte befindet sich dann eben diese eine zentrale Figur: Hannibal.

Was ist Ihre Einschätzung: Wieviel ist da krude Verschwörungstheorie und wo ist möglicherweise wirklich ein Sicherheitsproblem?

Wir haben uns tatsächlich ein Jahr lang mit dieser Frage rumgeschlagen: Ist das nur Verschwörungstheorie, nehmen wir das nicht alles zu ernst? Wir haben uns jetzt bei der taz festgelegt und gesagt: Das ist ein Sicherheitsproblem. Es hat sich ein Bild zusammengefügt, das einfach nicht mehr wegzudiskutieren ist. Wir wissen von diesen Preppern im Norden, Süden, Osten, Westen, die Verbindungen zu potentiellen oder mutmaßlichen Terroristen haben. Also Menschen, die sich sogar schon ausgetauscht haben, ob man nicht Bundeswehr-LKWs dafür nutzen könnte, um linke Politiker abzutransportieren, um sie dann umzubringen. Es ist also wahnsinnig konkret. Und es sind nicht irgendwelche Leute - das sind Menschen, die als Polizisten arbeiten oder Anwälte oder Lokalpolitiker. Und dann haben wir Franco A. in der Bundeswehr, wir haben den KSK-Soldaten Hannibal, und überall gibt es Bezüge zu extremistischen Weltbildern. Und deswegen nehmen wir das sehr ernst.


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