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"A Beginner’s Mind" Sufjan Stevens und Angelo de Augustine machen aus krassen Filmen sanfte Songs

Sufjan Stevens und Angelo de Augustine bringen mit "A Beginner’s Mind" ihr erstes gemeinsames Album heraus. Sanfte, liebliche Songs. Die Inspirationt dazu stammt aber ausgerechnet von Horrorfilmen wie "Hellraiser III" oder alten Bon Jovi-Klassikern. Was war da los?

Von: Roderich Fabian

Stand: 27.09.2021

Pop war schon immer ein Festival der Referenzen. Selbst die Beatles verwiesen am Anfang ohrer Karriere auf ihre Vorbilder, wie etwa Chuck Berry. Andy Warhol machte mit seinen Star-Porträts die Verfremdung von Pop-Ikonen zu einem eigenen Meta-Genre. Insofern setzen Sufjan Stevens und Angelo de Augustine nur eine lange Tradition fort. Ein Song ihres gemeinsamen Albums heißt "You Give Death A Bad Name", ist also die Verballhornung eines besonders scheußlichen Songs von Bon Jovi.

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Sufjan Stevens & Angelo De Augustine - "You Give Death A Bad Name" (Official Audio) | Bild: Sufjan Stevens (via YouTube)

Sufjan Stevens & Angelo De Augustine - "You Give Death A Bad Name" (Official Audio)

Referenzen aus Pop

Aber damit nicht genug. Ein anderer Song - so schön und harmonisch er auch ist - ist inspiriert durch den Horrorklassiker "Night Of The Living Dead" von George Romero, von 1968. Das ist die Mutter aller Zombie-Filme, ein Klassiker in Schwarz/Weiß. Und ein weiterer Song heißt sogar genau wie der Film: "Back to Oz" von 1985, eine Fortsetzung des Klassikers "Der Zauberer von Oz" aus den Disney-Studios. Auch hier kontrastiert die eher heitere Stimmung des Songs die eher düstere Atmosphäre des Films. Und das ist durchaus beabsichtigt. Das Album heißt "A Beginner’s Mind" und bezieht sich auf das zen-buddhistische Prinzip "Shoshin", das besagt, dass man die Dinge mit dem Geist eines Anfängers, eine Kindes angehen sollte, also vorurteilsfrei, unbefangen, naiv. "Back to Oz" etwa ist ein Lied, in dem sich der Protagonist ins Wunderland der verliebten Unbeschwertheit zurückwünscht.

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Sufjan Stevens & Angelo De Augustine - "Back to Oz" (Official Music Video) | Bild: Angelo De Augustine (via YouTube)

Sufjan Stevens & Angelo De Augustine - "Back to Oz" (Official Music Video)

Wie zärtlich klingt ein Horrorfilm?

Ein besonders schöner Song, auch dank der perfekten Harmonie von Stevens und De Augustin ist der Song "The Pillar Of Souls", der mit dem krassen Horrorfilm "Hellraiser III" von 1992 korrespondiert. Die sado-masosichistische Story des Films wird in diesem Song aufgegriffen, der Ritt in die Hölle der Schmerzen im Text direkt thematisiert.

Die Idee für dieses cineastische Album entstand eher zufällig. Sufan Stevens und Angelo De Augustine hatten sich in der Hoch-Zeit der Pandemie 2020 - wie so viele Bewohner des Big Apple, die sich das leisten konnten - in ein Landhaus in Upstate New York zurückgezogen, um im Geiste eines Anfängers neue Songs zu schreiben. Als Zeitvertreib schauten sie sich jeden Abend alte Filme an, die sie letztlich zu den Songs des Albums inspirierten. Mehrheitlich sind das Filme aus den 80er Jahren, nicht nur Horror, auch Spike Lees "You Gotta Have It" oder der Surfer-Film "Gefährliche Brandung" mit Keanu Reeves sind dabei.

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Sufjan Stevens & Angelo De Augustine - "Reach Out" (Official Music Video) | Bild: Sufjan Stevens (via YouTube)

Sufjan Stevens & Angelo De Augustine - "Reach Out" (Official Music Video)

Garfunkel und Garfunkel

Das Album beginnt mit "Reach Out", das von Wim Wenders` Film "Der Himmel über Berlin" inspiriert ist. "I’d rather be a flower than the ocean", singt Sufjan Stevens hier, was erfahrene Pop-Hörer natürlich an "I’d rather be a hammer than a nail" denken lässt, eine Zeile aus Simon & Garfunkels "El Condor Pasa". Aber anders als beim legendären Vorgänger-Duo aus New York sind die Stimmen von Stevens und De Augustine in ihrer Zartheit ähnlich, klingen also eher nach "Garfunkel and Garfunkel", was aber kein Problem ist.

Der wesentlich prominentere Sufjan Stevens hat seinem Kollegen Angelo De Augustine jedenfalls mit diesem Duett-Album einen Karriere-Schub ermöglicht. Aber es bleibt ohnehin alles in der Familie: Sowohl dieses wie auch alle Solo-Alben der Beiden erscheinen auf Sufjan Stevens Indie-Label "Asthmatic Kitty Records".