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Serie: "Succession" Succession ist eine Serie voller Arschlöcher - und darum perfekt für die Trump-Jahre

Die Serie Succession, die jetzt auf Sky läuft, beweist: Macht bringt in uns allen nur das schlechteste hervor. Aber es macht verdammt Spaß, dabei zuzusehen.

Von: Christian Alt

Stand: 03.08.2018

Succession | Bild: Sky

Alles vergeht - nichts bleibt. Zuerst wars die Hoffnung, dann die amerikanische Demokratie und jetzt auch noch die gute alte amerikanische Familiendynastie. Beweisstück A: Das Main Theme von Dallas.

Wie optimistisch das klingt! Ein Thema, das sagen will: Ja, wir mögen zwar hinterhältige Mistkerle sein, aber goddamnit wenn’s drauf ankommt, dann halten wir zusammen. 40 Jahre ist Dallas jetzt schon alt und taugt längst nicht mehr dazu, uns irgendwas über Amerika, den Kapitalismus oder Dynastien zu erzählen. Jetzt ist mit Succession der geistige Nachfolger von Dallas gestartet. Und deren Main Theme klingt so:

Ein Beat wie eine Backpfeife, darüber eine zuckersüße Klaviermelodie wie aus der “Russischen Klavierschule”. Selten hat ein Main Theme es geschafft, das Gefühl einer Serie so auf den Punkt zu bringen. Die Musik ist genauso sexy, zärtlich und gleichzeitig erbarmungslos wie die Hauptcharaktere von Succession, die Familiendynastie der Roys. Ganz oben steht Logan Roy. Er hat eines der größten Medienunternehmen der Welt aufgebaut. Seine konservativen Nachrichtensender sind das warme Zentrum in jedem Republikaner-Wohnzimmer. Logan ist ein furchteinflößendes Superarschloch; ein Typ, der für ein Fünkchen mehr Einfluss, seine Kinder den Wölfen zum Fraß vorwerfen würde. Und das auch tut.

Eine Familie von Superärschen

An Logans 80. Geburtstag soll eigentlich sein Sohn Kendall die Geschäfte übernehmen. Aber Logan kann nicht von der Macht lassen. Womit wir im zweite Höllenkreis der Familie Roy angekommen wären. Kendall ist das verantwortungsvollste der vier Kinder - er will unbedingt CEO werden und das altehrwürdige Medienimperium ins 21. Jahrhundert bringen. Scheiß auf Fernsehsender und Themenparks - wir brauchen Apps, Plattformen und Content. Müßig zu erwähnen, dass auch Kendall ein Superarsch ist, so wie überhaupt alle Roys. Kendalls Bruder Roman ist ein ehrgeiziger Trottel, der eigentlich nur zum Frühstücksdirektor aufsteigen will; seine Schwester Shiv gibt liebend gern die aufgeklärte Demokratin, so lange es sie persönlich weiterbringt und der älteste der Roys, Connor, tut so als hätte er mit all dem nichts zu tun, lebt aber auf einer riesigen Ranch in der Prärie, wo er eine Prostituierte dafür bezahlt, Ehefrau zu spielen. Als Familienoberhaupt Logan Roy einen Schlaganfall hat, setzen seine Kinder alles daran, ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu bekommen.

Succession weigert sich festzulegen, in welchem Genre wir eigentlich zuhause sind. Ist es eine böse, aber lustige Comedy-Serie wie Veep oder Arrested Development? Oder sind wir hier bei Dostojewski oder Tolstoi und sehen eine Tragödie über eine schrecklich dysfunktionale Familie? Sowohl als auch. Succession ist lustige Gesellschaftssatire, auch bitterböse Familentragödie und Psychogramm des Spätkapitalismus. Sowohl Game of Thrones als auch Roseanne. Es dauert ein wenig, bis der Groschen fällt. Die ersten drei Folgen sollte man überstehen - erst dann checkt man, wer hier wie mit wem verwandt ist. Denn dann wird klar, dass es ja noch einen dritten Höllenkreis in der Familie Roy gibt.

Spätamerikanische Dekadenz

Der Höllenkreis der Stiefellecker und Wannabe-Superärsche. Hier tummeln sich die mit Abstand besten Figuren, allen voran „Cousin Greg“, ein herrlich nichtsnutziger Volltrottel, mit dem Herz am rechten Fleck. Er wird von Shivs Verlobtem - mit dem irren Namen Tom Wamsgans, irre gespielt von Matthew MacFayden - langsam ins Familiengeschäft eingeführt. Soll heißen: langsam mit ekelerregendem Reichtum und Oberschichtszynismus vertraut gemacht. Cousin Greg, das sind wir, das Publikum. Er ist die einzige Figur, die kein kompletter Soziopath ist. Eigentlich ist der Verlust seiner Unschuld das wahre Drama dieser Serie.

Succession ist der Abgesang auf die alte Welt. Eine Welt, in der Fernsehsender Wahlen entschieden haben und nicht russische Bots auf Facebook. Eine Welt, in der noch Print gekauft wird und filterlose Zigarette geraucht wird, statt zu vapen. Denn auch wenn keine Figur in der Serie es zugeben würde: das Medienimperium von Papa Logan Roy ist nicht zu halten - also ergeht man sich lieber in spätamerikanischer Dekadenz. Es ist das letzte Aufbäumen der alten Welt, bevor sie endgültig vom Fortschritt und von einer jüngeren, vielfältigeren Gesellschaft überrollt wird. Selten war es so schön, eine Welt brennen zu sehen, wie in Succession.

Succession ist auf Sky und Sky Ticket zu sehen.


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