Bayern 2 - Zündfunk


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Protest gegen „Tampon-Steuer“ Dieses Startup verkauft Bücher voller Tampons

Immer mehr Länder senken die „Tampon-Steuer“ – Steuern auf Hygieneprodukte wie Tampons und Binden. In Deutschland gelten nach wie vor 19% Mehrwertsteuer. Das Startup „The Female Company“ macht darauf aufmerksam – und trollt den Staat mit Tampons im Buchformat. Unsere Reporterin war vor Ort.

Von: Johanna Kiermaier

Stand: 23.04.2019

The Female Company | Bild: The Female Company

Schnittblumen, Kaviar und Ölgemälde – alles Produkte, die in Deutschland mit nur 7% besteuert werden. Eigentlich gibt es diesen ermäßigten Steuersatz für Produkte des täglichen Bedarfs. Wäre er nicht auch sinnvoll für Dinge, die wir tatsächlich im Alltag brauchen? Tampons und Binden zum Beispiel. Für Ann-Sophie Claus und ihre Kolleginnen ist das keine Frage. Seit gut einer Woche verkauft das Stuttgarter Startup „The Female Company“ seine Bio-Tampons anders – eben in Büchern, „weil Bücher mit nur 7% besteuert werden, Tampons aber mit 19%“. Das sei gerechter, sagt Ann-Sophie Claus.

Der Druck auf die Politik bei diesem Thema erhöht sich in den letzten Jahren. Trotzdem ändert sich gar nichts, so nimmt es Ann-Sophie Claus wahr: „Aus dem Ministerium von Olaf Scholz heißt‘s dazu, dass man nicht glaubt, dass die Senkung der Tamponsteuer tatsächlich auch zu einer Senkung des Preises für den Kunden kommt, sondern dass die Unternehmen einfach die 12% selbst einstreichen.“ Auf Nachfrage äußert sich das Finanzministerium uns gegenüber ähnlich.

„The Tampon Book“ ist Protest, kein Geschäftsmodell

Mit ihrem Tampon Buch wollen Ann-Sophie Claus und ihre Geschäftspartnerin Sinja Stadelmaier beweisen, dass Unternehmen eine Steuersenkung direkt an seine Kundinnen weitergeben würde. Mit der Aktion wollen sie den Druck auf die Politik erhöhen, aber selbst kein Geld verdienen: „Wir machen damit ausschließlich Miese. Von daher würde ich das definitiv als Protest bezeichnen. Im Gegenteil, wir haben gestern nochmal ein Statement dazu gemacht, wir haben die Bücher an 100 Politiker, also die wichtigsten im Bundestag rausgeschickt. Wir wollen wirklich erreichen –und telefonieren deswegen auch die ganze Zeit in den Bundestag direkt – dass dort Reaktionen kommen.“ Auf allen Kanälen versuchen Ann-Sophie Claus und ihre Mitarbeiterinnen Aufmerksamkeit für die Aktion zu bekommen. „Das Internet schwemmen“, so beschreiben sie es.

Der Kampf gegen die Tampon-Steuer

Vorbilder gibt es in den USA – da haben einige Staaten die Tamponsteuer abgeschafft. Die Bloggerin Ingrid Nielsen hat Barack Obama vor drei Jahren zu diesem Thema befragt: „I have to tell you, I have no idea why states would tax these as luxury items. I suspect, it’s because men were making the laws when those taxes were passed.” Männer seien verantwortlich für den Missstand, vermutet Obama, weil sie keine Ahnung vom Thema, aber fleißig Gesetze dazu verabschiedet hätten.

Genau wie in den USA könnte das auch in Deutschland ein Grund sein. Als hier 1968 über die „Tamponsteuer“ entschieden wurde, saßen nur 36 weibliche Abgeordnete im Bundestag. Heute sind es deutlich mehr Frauen und somit ist die Aufmerksamkeit eine andere. So hoffen Ann-Sophie Claus und ihre Mitstreiterinnen, dass sich etwas ändert und ihr Buch einen Beitrag dazu leistet: „Es geht nicht um den Verkauf der Bücher, sondern es geht ja letztendlich darum, der Politik so ein bisschen in den Hintern zu treten und zu sagen ‚Hört mal zu und das ist ein wichtiges Thema. Beschäftigt euch mit dem Thema’.“


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