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Interview mit Lucas Pohl Startschuss für den ersten Fridays for Future-Kongress

Seit mehreren Wochen demonstriert die Fridays for Future Bewegung für eine klimafreundliche Zukunft. Jetzt startet ihr erster Kongress in Dortmund. Mitorganisator Lucas Pohl wohnt in der Kongress-WG. Autor Niklas Schenk hat den Politikstudenten aus Kiel interviewt.

Von: Niklas Schenk

Stand: 31.07.2019

Fridays for Future in Dortmund | Bild: picture-alliance/dpa

Niklas Schenk: Es kommen gerade aus allen Himmelsrichtungen Leute in Dortmund an, die sich vorher noch nie gesehen haben, höchstens mal auf einer Demo. Macht ihr jetzt den ganzen Tag erst mal Kennenlernspiele?

Lucas Pohl: Es tummeln sich schon über tausend Leute hier auf dem Gelände. Es ist schön, wie alle hier mit Treckingrucksäcken aufs Gelände strömen und schon in Gruppen zusammensitzen, um zu schnattern. Das ist ein wunderschönes Bild.

Niklas: Ihr seid mit 20 Leuten nach Dortmund gezogen, um in einer WG den Kongress vorzubereiten: Wie lief das Zusammenleben konkret ab?

Lucas: Also als erstes kamen alle zusammen und wir hatten Bock einen Kongress zu schmeißen. Es hat sich dann eine coole Gruppendynamik entwickelt; wir haben Pizzaabende gemacht, es ist eine kleine Familie geworden für mich.

Lass uns über Inhalte sprechen. Ihr habt diverse Podiumsdiskussionen und auf einem wird auch Professor Christoph Schmidt sitzen, das ist der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen. Das ist ja auch ein Zeichen, wie ernst ihr als Bewegung inzwischen genommen werdet. Ihr wollt mit ihm über eine CO2-Steuer sprechen, wie soll die aussehen?

Wir sind nicht in der Position zu sagen so und so muss das aussehen. Das ist immer noch Aufgabe der Regierung. Momentan passiert da überhaupt nichts. Wir haben als Bewegung Forderungen aufgestellt, wie so etwas ungefähr aussehen kann. Die Rahmenbedingungen wären eine CO2-Steuer von 180 Euro pro Tonne. Das sind die Kosten, die anfallen für nachfolgende Generationen bei jeder Tonne CO2, die ausgestoßen wird.

Wenn ihr sagt, das ist nicht unsere Aufgabe, die politischen Konzepte zu erarbeiten, was wollt ihr in euren Workshops erarbeiten?

Auf jeden Fall für den Klimaschutz sensibilisieren. Wir wollen neue Forschungsergebnisse diskutieren, es sind ja viele jüngere Leute dabei. Es soll über die Klimakrise diskutiert werden und die Vernetzung ist ein großer Teil, den wir hier zusammen vollbringen wollen.

Politiker betonen immer: Politik ist ein Kompromiss und Kompromisse brauchen Zeit. Wie viel Geduld und Zeit habt ihr noch für Kompromisse?

Wir haben gar keine Zeit, das ist das Problem! Deshalb haben wir auch keine Zeit für Kompromisse; es muss jetzt gehandelt werden. In den vergangenen Jahrzehnten wurde viel zu viel versäumt, wo wir hätten noch alles umdrehen können. Jetzt ist es vorbei, es ist kurz vor zwölf, wenn nicht kurz nach zwölf. Deshalb muss die Politik jetzt handeln.

Der Fridays for Future-Sommerkongress geht vom 31.07.2019 bis zum 04.08.2019.


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