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"I Was Born Swimming" Squirrel Flower liefert auf ihrem neuen Album meditativen Indie-Pop - auch für Nichtschwimmer

An einem heißen Sommertag in einem kühlen See dahingleiten - genau so klingt auch die Musik von Squirrel Flower. Unglaublich unangestrengt, dahinfließend und mit einer geradezu unverschämten Leichtigkeit: Die 23-jährige Singer/Songwriterin hat aus klassischen Rock-Zutaten ein wunderbar schimmerndes Stück Indie-Pop geschaffen.

Von: Angie Portmann

Stand: 04.02.2020

„Red Shoulder“ ist mein Lieblingssong auf „I Was Born Swimming“ – auch wegen des großartigen Videos: Wir sehen der Protagonistin dabei zu, wie sie ein für heutige Verhältnisse gigantisches rotes Tasten-Telefon erwartungsvoll beobachtet – offensichtlich tut es nicht das, was von ihm erwartet wird. Am Ende nimmt Ella O’Connor Williams einen Baseballschläger und zertrümmert das Telefon in bester Pippilotta-Rist-Manier. Lustvoll befreit emanzipiert sie sich von ihrer Sehnsucht bzw. Abhängigkeit. Strike!

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Squirrel Flower - Red Shoulder [OFFICIAL MUSIC VIDEO] | Bild: Polyvinyl Records (via YouTube)

Squirrel Flower - Red Shoulder [OFFICIAL MUSIC VIDEO]

Es ist einer der eher seltenen Ausbrüche in Richtung Indie-Rock. Ella Williams ist Pavement-Fan und hat hier einen ihrer alten Tricks reanimiert, nämlich den Refrain von einer Gitarre, und nicht von einer Stimme „singen“ zu lassen. Davon abgesehen treiben die Songs auf „I Was Born Swimming“ aber eher langsam, ja fast meditativ dahin. Die sanfte, melancholische Stimme, die ruhigen Gitarren: zusammen entwickeln sie einen melodischen Strudel, der uns unaufhaltsam mitreißt.

Squirrel Flower macht aus Problemen mit der Poesie Hymnen

„I Was Born Swimming“ hat zwar einen großartigen Flow, erzählt aber auch von unangenehmen Erfahrungen. In „Slapback" z.B. klingt Williams eher zerknirscht, sie singt „I’ll be quiet / I’ll be gentle / And I’ll call you right back“. Oder im Opener „I-80“: da gesteht Williams gleich zu Beginn ihr Versagen in Sachen Poesie. „I tried to be lyrical, but lyrics failed me, so I gave up poetry …“ Die Schönheit des Scheiterns. Nicht zu verwechseln mit Stillstand. Denn wir erinnern uns: hier ist alles im Fluss. Und so macht Squirrel Flower aus Problemen mit der Poesie Hymnen - auch für Nichtschwimmer. Als Ella O'Connor Williams geboren wurde, war es übrigens brütend heiß in der Gegend von Boston. Angeblich der heißeste Tag im Jahr 1996. Ellas Mutter war beim Schwimmen, als die Wehen einsetzten. Deshalb auch der plakative Albumtitel: „I Was Born Swimming“.

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Squirrel Flower - Headlights [OFFICIAL MUSIC VIDEO] | Bild: Polyvinyl Records (via YouTube)

Squirrel Flower - Headlights [OFFICIAL MUSIC VIDEO]

Wir driften durch kaltes, klares Wasser. So wie man an einem heißen Sommertag in einem kühlen See dahingleitet, genau so klingt auch die Musik von Squirrel Flower. Unglaublich unangestrengt, die Songs fließen dahin, mit einer geradezu unverschämten Leichtigkeit. Und wir hinterher – verzaubert vom hypnotischen Folk bzw. Indie-Rock einer 23-jährigen Singer/Songwriterin, die aus klassischen Rock-Zutaten ein wunderbar schimmerndes Stück Indie-Pop geschaffen hat.


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