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Der Film "Onoda" Dieser Soldat hält 30 Jahre lang alleine die Stellung im Dschungel – obwohl der Krieg längst vorbei ist

Rund 30 Jahre verbringt der japanische Soldat Onoda Hiro auf einer philippinischen Insel und hält die Stellung, obwohl der 2. Weltkrieg schon lange beendet ist. Der Film „Onoda“ erzählt nicht nur von Pflichterfüllung, sondern auch von Liebe, Einsamkeit und Männerfreundschaften.

Von: Roderich Fabian

Stand: 02.06.2022

Szenen aus dem Film "Onoda" | Bild: bathysphere

Der Krieg zwingt den Menschen unweigerlich ein anderes Bewusstsein auf. Nun geht es nicht mehr darum, gut und richtig zu leben, sondern einfach nur ums Überleben. Oder darum - wie im Fall eines japanischen Soldaten - fürs Vaterland zu sterben. Der Film „Onoda“ erzählt die Geschichte des standhaften Kämpfers nach.

Kamikaze: Fürs Vaterland sterben

Onoda, die titelgebende Hauptfigur dieses Films, wird zunächst für eine Fliegerstaffel eingeteilt, die sich mit ihren Maschinen auf den Feind stürzen soll. Ein Selbstmordkommando also, das unter dem Namen „Kamikaze“ weltbekannt geworden ist. Aber Onoda schafft es nicht, sich dazu zu überwinden, wie er seinem neuen Vorgesetzten bei einer Bodeneinheit erzählt. Der erwidert ihm: "Deine Berufung ist es nicht, Pilot zu werden. Es gibt andere Wege zu Stolz und Ehre. Ich weiß, warum du den Flieger nicht bestiegen hast: Du willst nicht sterben."

Überlebenswille statt Selbstmordkommando

Dieser Vorgesetzte, Major Taniguchi Yoshimi, der Onoda in der ersten Stunde des Films trainiert, bringt ihm sozusagen das Gegenteil von Kamikaze bei. Er soll den unbedingten Willen entwickeln, zu überleben und weiterzukämpfen. Auch das geschieht auf sehr japanische Art mit bedingungsloser Unterordnung unter den gegebenen Befehl.
Onoda landet 1944 schließlich auf einer philippinischen Insel, wo er gegen einheimische und amerikanische Truppen kämpft. Er zieht sich mit einer Handvoll Männern in den Dschungel der Insel zurück, wo ein Großteil dieses fast dreistündigen Films spielt.

Fake News der eigenen Regierung?

Als der Krieg zu Ende geht, bekommen die Soldaten die Kapitulation Japans nicht mit in ihren Holzhütten inmitten des Urwalds der Philippinen. Die japanische Regierung weiß, dass immer noch Weltkriegs-Soldaten dort sind und lässt auf der Insel Zeitungen und Radios hinterlegen, mit denen die Guerilla-Krieger informiert werden sollen. Aber Anführer Onoda glaubt an Täuschungsmanöver, an „Fake News“ und entwickelt gegenüber einem Untergebenen eigene Theorien über den Fortgang des Krieges.

Zärtliche Zwangsgemeinschaft in verzweiflelter Lage

Der Offizier Onoda ist durch sein Training derartig gebrainwashed, dass ihn nichts vom Ende des Krieges überzeugen kann. Allmählich aber kommen ihm die Soldaten abhanden, durch Flucht oder durch Schießereien mit philippinischen Bauern. Lange Zeit sind Onoda und der Sodat Kishishi zu zweit, und es entwickelt sich eine Art platonische Liebe, eine Art Eheverhältnis zwischen den Beiden. Der Film ist an Originalschauplätzen gedreht und arbeitet diese Art von zärtlicher Zwangsgemeinschaft wunderbar heraus.

Unfreiwilliger Medienstar

Mittlerweile haben die 70er Jahre begonnen und Onoda ist schließlich allein. Er streift nach wie vor in Uniform und mit Gewehr durch den Dschungel. In Japan ist er da schon längst ein skurriler Medienstar, ohne es zu wissen. Schließlich macht sich ein Student auf, Onoda zu treffen. Der ist inzwischen langsam an Einsamkeit verzweifelt und stellt dem Studenten nur eine Bedingung für seine Aufgabe, einen neuen Befehl: "Es ist der, dessen Weisungen ich unterstehe, mein direkter Vorgesetzter. Finden Sie ihn! Er wird wissen, was zu tun ist. Finden Sie Major Tanigushi! Lassen Sie ihn herkommen!"

Ein Film über Gehorsam, Liebe und Einsamkeit

„Onoda - 10.000 Tage im Dschungel“ ist ein schöner, kontemplativer Film über das Wesen des Gehorsams, über die Liebe und die Einsamkeit und eben über die Gesetze des Krieges, die das Leben eines Einzelnen komplett auf den Kopf stellen können. Onoda war kein Idiot, sondern ein Mann mit Prinzipien - nur eben leider mit den falschen.

Ab dem 2. Juni im Kino. Hier geht's zum Trailer.