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"The Arch“ Soom T beeindruckt auf ihrem neuen Album mit Glasgow Slang, Feminismus und der Bibel

Die Musik der Tochter indischer Migranten ist eine Mischung aus Rap, jamaikanischem Patois und härtestem Working Class Slang. Sie singt über Trump, Frauenrechte und die Dominanz der weißen "Upper Class". Aber eben auch über die Bibel - und hat damit schon nihilistische Punks beeindruckt.

Von: Noe Noack

Stand: 14.09.2020

Ein Porträt der Sängerin Soom T. | Bild: Danil Omoroni

Zu Beginn von „The Arch“ setzt SOOM T gleich einen feinen Seitenhieb gegen Donald Trump. Zu orange leuchte der US Präsident für sie. Wäre Trump Fußballer, er läge längst auf dem Müll. Ihren Sprachwitz und ihren unvergleichlichen Sprechgesang hat SOOM T bereits mit 13,14 Jahren entwickelt. Aufgewachsen ist sie als Sumati Bhardwaj in einem Armenviertel von Glasgow, als Tochter indischer Einwanderer.

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Soom T - Original That's Me (Official Video) | Bild: Soom T Official (via YouTube)

Soom T - Original That's Me (Official Video)

Die kleine Plattensammlung ihres Bruders - rebellische Musik von Public Enemy, Rage Against The Machine und einige Reggae-Bands - war ihre Rettung. Schnell eroberte SOOM T die Bühnen mit diesem unglaublichen MC Toasting, einer Mischung aus Rap, jamaikanischem Patois und härtestem Working Class Slang aus Glasgow. Mit ihrer stärksten Waffe, ihrem Mundwerk, kämpft sie bereits mit 16 für die Rechte von Frauen und legt sich mit der Staatsmacht an.

Das wichtigste Buch im Leben von SOOM T: die Bibel

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Likkle England | Bild: Soom T - Topic (via YouTube)

Likkle England

In „Likkle England“ beschreibt SOOM T ihre Erfahrungen mit Ausgrenzung, Rassismus und Sexismus  in Großbritannien. Das Mutterland des Commonwealth, das die Kulturen seiner Einwandererkinder nur schwer akzeptieren kann. Und gegen die anglikanische Kirche, die SOOM T als dominierende Macht auf Seiten der weißen Upper Class erlebt. Mit der Bibel, dem Neuen Testament, dem wichtigsten Buch im Leben von SOOM T, sagt sie, habe das alle nichts zu tun.

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Vampire of the Empire | Bild: Soom T - Topic (via YouTube)

Vampire of the Empire

Auch „Vampire Of The Empire“  ist eine Abrechnung mit den bestehenden Machtstrukturen, die Zustände in der Welt schreien geradezu nach Revolutionen. Daheim auf der Insel werde der Brexit als Erlösung verkauft. Schon beim Wort „Brexit“ kommt SOOM T das Kotzen: „Ich hab es so satt! Es wird sich immer eine Hierarchie behaupten, unter der wir leiden werden. Das kann hier entstehen oder von den USA dominiert sein: Dieses System wird jeden fallen lassen."

SOOM T. kritisiert die Welt um sie herum - und träumt von einer besseren

Neben der rebellischen, wütenden SOOM T gibt es auf „The Arch“ auch eine andere Seite von ihr zu entdecken. SOOM T hat sich vor den Aufnahmen intensiv mit den Gospelsongs ihrer Lieblings-Sänger*Innen Mahalia Jackson und Sam Cooke beschäftigt. Deren optimistische Aufbruchsstimmung ist auf einigen Vintage-Roots- und Dub-getränkten Stücken wie „World Be Better“ durchzuhören. Ihre eigene bessere Welt hat SOOM T längst außerhalb von Glasgow gefunden, in dem 150 Seelendorf „Village Of Luss“. Hier schreibt SOOM T umgeben von einem speziellen Licht und der Natur ihre Songs: "Ich lebe im Dorf Luss, es heißt auch Dorf des Lichts. Es wurde von Heiden gegründet und es gab fürchterliche Kämpfe mit den Christen. Das Dorf liegt am Loch Lomond in den Bergen. Wenn Du Babylon entfliehen willst: Das ist der Platz. Ich lebe dort und bin glücklich.“       

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Soom T - Far From Home (Official Video) | Bild: Soom T Official (via YouTube)

Soom T - Far From Home (Official Video)

Ihre scheinbar unerschütterliche, positive Kraft, die SOOM T aus ihrem Glauben zieht, hat schon nihilistische Punks und Atheisten zwischen Moskau und Peking beeindruckt. Eine spirituelle Energie, mit der SOOM T vor allem live ihre Fans zum Schweben bringt. Auch auf dem letzten Stück von „The Arch“, auf „Far From Home“ gelingt ihr das. Angetrieben von einem mächtigen Steppas Beat deklamiert SOOM T, dass nur Gott über allen Gesetzen und Grenzen steht. Und genau das ist vielleicht ihr Alleinstellungsmerkmal: Eine christliche Botschaft so leichtfüßig mit ihrem halsbrecherischen Raggamuffin-Toasting-Style zu einen. Großer Gospel-Reggae, der uns Hörer*innen ein dickes Grinsen ins Gesicht zaubert und für einen Moment mit der Welt versöhnt.


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